Jüdischer Historiker
10. Februar 2015

Wolffsohn: Deutschland zunehmend von Israel entfremdet

Der jüdische Historiker Prof. Michael Wolffsohn. Foto: IHB e.V
Der jüdische Historiker Prof. Michael Wolffsohn. Foto: IHB e.V

Stuttgart (idea) – In Deutschland wächst die Entfremdung zu Israel. 50 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten unterscheiden sich ihre Weltsichten grundsätzlich. Diese Ansicht vertrat der jüdische Historiker Prof. Michael Wolffsohn (München) bei einem Israel-Kongress des Jüdischen Nationalfonds am 8. Februar in Stuttgart. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die im Unterschied zu vielen sozialdemokratischen und linken Politikern keine emotionalen Vorbehalte gegen Israel hege, habe ein Erkenntnisproblem. Ihr fehle das Verständnis für die Konsequenzen, die Israel aus grundsätzlich richtigen Einsichten ziehe. Das Bekenntnis „Nie wieder“ werde in Deutschland so interpretiert, dass man nie wieder Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele anwenden dürfe. Israelis hingegen wollten nie wieder Opfer sein und betrachteten militärische Aktionen als Überlebensgarantie. Auch die als Konfliktlösung vorgeschlagene Zauberformel „Land gegen Frieden“ sei mit unterschiedlichen Erfahrungen verbunden. Für Deutschland sei der Verzicht auf die ehemaligen Ostgebiete die Voraussetzung für gute nachbarschaftliche Beziehungen gewesen. Israel habe sich aus besetzten Gebieten zurückgezogen, etwa dem Sinai, dem Südlibanon und dem Gazastreifen. Dies habe jedoch keine Beruhigung gebracht, sondern vermehrte Raketenangriffe. „Die Formel ‚Land für Frieden‘ war in Europa richtig, taugt aber nicht für den Nahen Osten“, sagte Wolffsohn. Der Wissenschaftler forderte die Bundesregierung auf, den Teufelskreis falscher Denkansätze zu durchbrechen und sich in die Gefühlslage von Israelis zu versetzen. Dass sich die Kanzlerin über die israelische Regierungspolitik ärgere, liege daran, „dass sie es nicht für nötig hält, die Ängste der jüdischen Bevölkerung in ihre Überlegungen einzubeziehen“.

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Woran sich die Qualität einer Gesellschaft zeigt

Der frühere israelische Generalmajor Doron Almog forderte mehr Anerkennung für Israel als einziger Demokratie im Nahen Osten. Ihre Stärke beruhe nicht auf wirtschaftlichen, militärischen oder technologischen Leistungen, sondern auf den Grundwerten von gegenseitiger Verantwortung und Nächstenliebe: „Die Qualität einer Gesellschaft zeigt sich darin, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht.“ Almog, der zahlreiche Armeeeinsätze geleitet hat, gründete nach der Geburt seines schwerbehinderten Sohnes Eran im Negev die Rehabilitationseinrichtung Eran, die jüdische und muslimische Kinder aufnimmt.

Jüdischer Nationalfonds ehrt einen Christen

Der Jüdische Nationalfonds (JNF) ehrte auf dem Kongress den Vorsitzenden des Vereins „Christen an der Seite Israels“, Harald Eckert (Zierenberg bei Kassel), mit einem „Goldenen Olivenzweig“. Die Auszeichnung bekämen besondere Förderer der israelischen Umweltarbeit, sagte der Präsident des deutschen JNF-Zweigs, Beni Bloch (Düsseldorf). Eckert habe beispielsweise dazu beigetragen, dass die schweren Schäden nach einem Waldbrand im Karmel-Gebirge im Jahr 2010 gemildert wurden. Der JNF sammelt Spenden, damit in Israel Bäume in Wüsten und auf kahlen Bergen gepflanzt werden können. Seit der Gründung des Nationalfonds im Jahr 1901 sind es 260 Millionen. Aus Deutschland wurden seit 1991 rund 500.000 Bäume gespendet, die den Wald deutscher Länder in der Nähe der Wüstenstadt Beer Schewa bilden.

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10 Kommentare

Johannes3.16vor 15 Tagen

Übrigens: was ich weiter unten über die Verhältnisse in Berlin schrieb und die Untätigkeit des früheren Innensenators Körting (SPD), gilt in gleichem Maße auch von seinem Nachfolger im Amt: Henkel ("C"DU). Berlin ist seit Jahren Tummelplatz von radikalen Türken und Arabern, deren Identität oft deshalb nicht festzustellen ist, weil sie illegal hier leben. Wie sehr gerade der SPD-Verantwortliche Körting, die Misere in Berlin schlimmer machte, ist daran zu erkennen, dass er sein gutmenschliches Gehabe darin zum Ausdruck brachte, dass er viele Kontakte zu Muslimen pflegte. Dabei besuchte er immer wieder einzelne Moscheen, saß dort devot zusammen mit Muslimen auf dicken Teppichen, trank ein Gläschen Tee und palaverte mit ihnen. Diese Art der zwanglosen Begegnung sehen viele zwar schon als Bereicherung und gewollte Integration - aber es kommt dabei absolut nichts heraus, wenn tolerierbare Unterschiede und Wahrheiten unter den dicken Teppich gekehrt werden. Es muss Klarheit in den Beziehungen bestehen bzw. muss diese deutlich werden. Menschen, die hier leben wollen, haben eine Bringepflicht: sie müssen sich in die bestehende Gesellschaft einbringen und die freiheitlich-demokratische Ordnung schätzen und nicht bekämpfen, wie es im Koran gefordert ist. Mit allen übrigen Ausländern in Deutschland gibt es ja diese Schwierigkeiten nicht. Unser Land ist grundsätzlich fremdenfreundlich - und zwar schon seit Jahrhunderten. Dabei ist etwa zu denken an die unter dem Großen Kurfürsten nach Preußen eingewanderten Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die Hugenotten, sowie die Salzburger Evangelischen. Beide Gruppen haben lange Zeit ihre eigenständige Kultur bewahrt und wurden als Christen in jeder Beziehung zu einem großen Segen nicht nur für Brandenburg-Preußen.

UlrichMottevor 19 Tagen

Ich teile diese Sorge und fordere alle Christen und alle Deutschen auf, projüdisch und proisraelisch zu sein.

solrexvor 20 Tagen

@Peggy50: Der GOTT Israels segne SEIN Volk! Ja, der Gott und Vater unseres HERRN Jesus Christus segne Sein Volk und führe es zur Erkenntnis Seiner Wahrheit. Möge ER doch Israel die Augen öffnen, dass dieses Volk seinen Messias annehmen möge. Leider lehnen die meisten Leute in Israel den Messias Jesus Christus noch immer ab und bleiben in ihrer Feindschaft verstockt. Was muss wohl Gott noch alles tun bis dieses Volk umkehrt?

Peggy50vor 21 Tagen

"Der frühere israelische Generalmajor Doron Almog forderte mehr Anerkennung für Israel als einziger Demokratie im Nahen Osten. Ihre Stärke beruhe nicht auf wirtschaftlichen, militärischen oder technologischen Leistungen, sondern auf den Grundwerten von gegenseitiger Verantwortung und Nächstenliebe." Dem kann ich nur zustimmen. Dazu ein Beispiel: Der Führer der Hamas Ismail Haniyeh, der die Vernichtung Israels von der Landkarte anstrebt, sucht für sich und seine Familie nicht in Palästina medizinische Hilfe, sondern in Israel, weil er weiß, dass er den israelischen Ärzten vertrauen kann. Der Mann, der israelische Kinder ermorden lässt - er trägt Verantwortung für die Ermordung von mindestens 2000 (!) Menschen - , ließ im Oktober 2014 eine seiner Töchter in einem Krankenhaus in Tel Aviv behandeln. Im November 2013 war eine Enkelin des Terrorchefs in Israel im Krankenhaus und im Juni 2013 erfuhr seine Schwiegermutter eine gute Behandlung im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem. Man weiß nicht, was einen mehr verwundern soll, die Chuzpe des Massenmörders oder die Haltung der Israelis, die ihren Feinden Gutes tun. Der GOTT Israel segne SEIN Volk! --- @Johannes 3,16: Gut geantwortet.

Johannes3.16vor 22 Tagen

Wie sehr der Hass auf Juden in Deutschland von Regierung und Justiz geduldet wird, ist daran zu erkennen, dass der ehemalige Innensenator Körting (SPD) nicht bereit war, die öffentliche schwere antisemitische Hetze von Türken und Arabern in Berlin bei bestimmten Anlässen zu verbieten. Die Berliner Staatsanwaltschaft lehnte zum Beispiel eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung, bei der u.a. ein Transparent mit der Aufschrift "Juden ins Gas!" gezeigt wurde, ab. Der offene Antisemitismus nicht nur bei Muslimen - der Koran ist voller antisemitischer Surenverse - ist gerade in Deutschland eine Schande für Politik und Gesellschaft und Kirchen, die diesen Antisemitismus nicht in aller Schärfe zurückweisen und dagegen vorgehen. Da manche Gutmenschen keine Ahnung von dem haben, was in unserem Lande abgeht, sei nochmals auf das in dritter Auflage 2012 erschienene aufklärende Buch von Arye Sharuz Shalikar "Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude - die Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde" hingewiesen. Arye wurde zwar in Göppingen geboren, wuchs aber im Berliner Wedding unter Muslimen auf, ging dort zur Schule und nach dem Abitur zur Bundeswehr. Danach begann er ein Studium, das er aber in Israel abschloss. Dort ist Arye inzwischen nach seiner Ausbildung zum Fallschirmjäger Pressesprecher der Verteidigungsarmee IDF. Das, was Arye in Berlin erlebte, sollten alle Entscheider, ob in Politik, Gesellschaft oder in der Kirche tätig, lesen und verinnerlichen. Das könnte zu einem Umdenken hinsichtlich der Einwanderung von Muslimen und der damit einhergehenden Islamisierung unseres Landes führen.

Quelle01vor 22 Tagen

Die Realitätsfremdheit für die Probleme des Volkes Israel liegt m. E. an der langen Friedenszeit, die Deutschland bisher genießen durfte. Israel steht ständigen Herausforderungen und Angriffen gegenüber. Wir konnten seit Kriegsende in Europa und in Deutschland die meisten Probleme zwischen den europäischen Staaten auf diplomatischem Wege lösen. Seit dem Auftreten der Isis sollten auch die letzten friedfertigen „Gutmenschen“ in unserem Lande endlich begreifen, dass eine diplomatische Friedensverhandlung auch an Grenzen stoßen kann. Man hat nicht verstanden, dass Israel es ständig mit Gegnern, die der IS ähnlich sind, zu tun hat. Die Terroristen nehmen keine Rücksicht auf ihre eigene Bevölkerung.   Eine Friedenshaltung ohne Waffen müsste Israel mit dem eigenen Untergang bezahlen. Das muss endlich begriffen werden.   Das Auftreten der IS müsste den Deutschen doch die Augen für die Situation Israels öffnen. Mit dieser Art von Terroristen kann man nicht diplomatisch verhandeln. Erhält Israel einen ebenso hohen Geldbetrag wie die Palästinenser nach dem letzten Angriffskrieg? Die Palästinenser erhalten Geld für den Wiederaufbau ihres Landes, das sie hoffentlich nicht erneut zum Tunnelbau nach Israel einsetzen. Erhält Israel auch Geld für seine dringend erforderliche Abwehr? Wenn das nicht so sein sollte, dann wird Israel wie ein Kriegstreiber betrachtet und schwer benachteiligt. Wir Deutschen sollten heute nicht nur den Kurden mit Waffenlieferungen helfen, sondern auch Israel stärken. Man bedient sich weltweit doch gern der hoch professionellen Hilfe Israels, wenn es um Terrorbekämpfung oder geheimdienstliche Unterstützung geht.   Wir Christen sind uns bewusst, dass unser Schicksal sehr eng mit dem des Volkes Israel verbunden ist. Es ist doch eine Schande, dass uns Professor Wolfssohn auf Israel hinweisen muss. Ich bin aber immer wieder dankbar für seine weisen Stellungnahmen.

Koenigsbergervor 22 Tagen

Professor Wolffsohn hat leider recht! Doch man muss nicht nur von der "Entfremdung" sprechen sondern eher von Hass. Alle bisherigen BRD-Regierungen haben zwar sehr viel Geld an Israel bezahlt als Entschädigung für die deutschen Verbrechen am jüdischen Volk, haben bei jeder sich bietenden Gelegenheit, ob passend oder nicht, die deutsche Schuld thematisiert, aber von Herzen kamen diese Lippenbekenntnisse nicht. Wir erinnern uns an den Sommer vergangenen Jahres, als Israel sein Recht auf Selbstverteidigung in Anspruch nahm und auf die Raketenangriffe der "Palästinenser" entsprechend antwortete. Muslime protestierten zu Tausenden auf deutschen Straßen mit Parolen wie "Juden ins Gas". Die doch so Israel freundliche BRD-Regierung ließ dies geschehen. Die Verantwortlichen wurden nicht zur Rechenschaft gezogen. Hätten deutsche Neonazis dies getan, sie wären umgehend hart bestraft worden. Im aktuellen Fall waren es aber Muslime, da drückt die Staatsmacht gerne mal ein Auge zu. Vermutlich aus Angst. Traurig ist auch folgendes: mein jüngster Sohn hat im Jahr 2012 seine Schulausbildung beendet, er berichtete mir dass das Schimpfwort "Saujud" an der Schule gang und gebe sei. Von der Schulleitung habe bis dahin niemand dagegen eingeschritten. Letztendlich muss man feststellen, dass von Muslimen, die hier in der BRD leben, ein offener, übler Antijudaismus praktiziert wird und ein Teil der deutschen Stammbevölkerung noch immer, eine von den Mainstream-Medien gepflegte Abneigung gegen das Volk Israel hat. Gut, dass es aber inzwischen einige informative und nützliche Seiten im Internet zum Thema Israel gibt. Wenn Prof. Wolffsohn die Deutschen Ostgebiete thematisiert, muss man dazu sagen, dass es da auch andere Lösungen hätte geben können. So wurden, bis in die 50er Jahre hinein, von sowjetischer Seite aus, Deutschland die Neuvereinigung und Verhandlungen über eine teilweise Rückgabe der Ostgebiete um den Preis der deutschen Neutralität, angeboten. Dies wurde aber von BRD Seite immer abgelehnt.

Johannes3.16vor 23 Tagen

@namlob: Obwohl ich auf Ihr Geschreibsel nicht mehr eingehen wollte und will, reagiere ich doch. Was Sie da wieder schreiben, ist historischer Unsinn. Da Sie immer behaupten, in der Bibel gut Bescheid zu wissen, lesen Sie einmal die ganze Bibel, also auch das AT, mit dem Schwerpunkt "Propheten". Dann beantworten Sie folgende Fragen: Wem gehört das Land Israel (Erez JISRAEL) mit den Teilen Judäa, Samarien und Galiläa? Wem gab es der Eigentümer zu "ewigem Besitz"? Wer nannte die Hauptstadt Jerusalem "Stadt des Großen Königs"? An welchem Ort wird der wiederkommende MESSIAS erscheinen? Wer wird dem MESSIAS (den Namen verrate ich Ihnen nicht!) einen jubelnden Empfang bereiten? Und wo werden die Gesegneten des HERRN IHN ehren? Letzte Frage: Und wer wird in jener Zeit "e i n e n jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewandes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, dass GOTT mit euch ist"? Damit es nicht zu schwer für Sie wird, verrate ich Ihnen diese Schriftstelle (nicht Koran!): Sacharja 8,23!

namlob1vor 23 Tagen

Die Lage ist in der Tat schwierig. Die Gründung des Staates Israel ist eine Folge des Holocaust und damit von Deutschland "verschuldet". In Deutschland selbst waren nach dem Krieg "alle dagegen" gewesen. Das führte zur 68er Bewegung gegen die Verlogenheit der Elterngeneration. Im vorderen Orient gab es Versuche, in der Region ein friedlichen Zusammenleben zu ermöglichen. darauf wurden der ägyptische Präsident und der Präsident Israels - jeweils von "eigenen" Fanatikern - ermordet. Seither sind ernsthafte Bemühungen, ein friedliches Zusammenleben herbeizuführen, nicht mehr zu erkennen. Das betrübt.

milanvor 23 Tagen

Lieber Herr Wolffsohn, shalom. Ich bitte Sie stellvertretend um Vergebung, dass sich viele Deutsche inzwischen wieder von Israel und den Juden abgewandt haben. Ich segne Sie alle im Namen Jeshua Adonai von ganzem Herzen und von ganzer Seele; möge der Schutz des Allmächtigen niemals von Ihnen allen weichen. Es gibt keinen anderen Gott als El ELOHE JISRAEL und seine Gnade, seine Barmherzigkeit, seine Liebe und seine Treue ist ist unvergleichlich für immer. Shalom.

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