Donnerstag • 19. April
Abtreibungen
02. Mai 2017

Die CDU hat vor dem Zeitgeist kapituliert

Der Rektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Stephan Holthaus. Foto: Linda Braun
Der Rektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Stephan Holthaus. Foto: Linda Braun

Köln (idea) – Der Staat muss ungeborene Kinder besser schützen. Diese Ansicht vertrat der Rektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Stephan Holthaus, bei einer Podiumsdiskussion der Evangelischen Freikirche Köln-Ostheim am 28. April. Die Gemeinde gehört dem „Forum evangelischer Freikirchen“ an, das rund 100 Gemeinden verbindet, die von Russlanddeutschen gegründet wurden. Es sei eine „ethische Katastrophe“, dass in Deutschland pro Jahr über 100.000 Kinder abgetrieben würden, sagte Holthaus bei der Veranstaltung unter dem Titel „Christ & Demokratie – meine Verantwortung für Politik und Gesellschaft“. Weitere Teilnehmer an der Podiumsdiskussion waren der Vorsitzende der CDU Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Netzwerks Aussiedler in der CDU, Heinrich Zertik, sowie der Vorstandsvorsitzende der Otto Benecke Stiftung, Lothar Theodor Lemper. Der strafrechtliche Schutz ungeborener Kinder sei in Deutschland dermaßen lasch, dass die meisten Menschen Schwangerschaftsabbrüche für legal hielten, kritisierte Holthaus.

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Evangelikaler Theologe: „Es ist zum Katholischwerden“

Der Grund dafür sei, dass das Verbot durch verschiedene Ausnahmeregelungen aufgeweicht sei. Dabei würden nur etwa zwei Prozent der Abtreibungen wegen problematischer Schwangerschaften durchgeführt. Die CDU habe in dieser Frage „vor dem Zeitgeist kapituliert“, so Holthaus. So beziehe sie in ihrem Wahlprogramm für die nordrhein-westfälische Landtagswahl am 14. Mai nicht klar Stellung zum Schutz ungeborener Kinder. Auch die Haltung der evangelischen Kirche sei in dieser Frage „nicht wünschenswert klar“. Holthaus: „Es ist zum Katholischwerden!“

Armin Laschet: Der Staat muss religiös neutral sein

Laschet, der auch Spitzenkandidat der CDU für die nordrhein-westfälische Landtagswahl am 14. Mai ist, verteidigte das geltende Abtreibungsrecht. Der Staat müsse religiös neutral sein und könne „nicht die Bibel zur Lebensregel von 80 Millionen Menschen in Deutschland machen“. In der Frage des Lebensschutzes könne es zudem „auch aus christlicher Perspektive unterschiedliche Antworten geben“. Es sei fraglich, „ob ein strengeres Strafrecht wirklich zu weniger Abtreibungen führt“. Die Entscheidung für oder gegen das ungeborene Leben stelle Schwangere oft vor schwierige ethische Fragen, etwa wenn das Kind durch eine Vergewaltigung gezeugt worden sei oder die Gesundheit der Mutter gefährdet sei. Statt mit Strafe zu drohen, müsse der Staat „Menschen helfen, Ja zum Leben zu sagen.“

Christliche Symbole gehören in die Öffentlichkeit

Der CDU-Politiker kritisierte in der Diskussion, dass christliche Symbole immer stärker aus der Öffentlichkeit verdrängt würden. Es sei falsch, wenn Kreuze aus Gerichtssälen entfernt würden oder Lehrern verboten werde, sichtbare christliche Symbole zu tragen. „Wir müssen darauf bestehen, dass man überall ein Kreuz tragen und zeigen kann.“ Auch die Gottesbezüge in Verfassungen hätten eine wichtige Funktion, erklärte der Vorsitzende der Benecke Stiftung, Lothar Theodor Lemper. Sie erinnerten Politiker daran, „dass unsere menschliche Weisheit begrenzt ist“.

Appell an Christen: Engagiert euch!

Die Diskussionsteilnehmer appellierten an Christen, sich in der Politik zu engagieren. Holthaus erinnerte an das Bibelwort „Suchet der Stadt Bestes!“ (Jeremia 29,7). Es enthalte einen Auftrag Gottes, sich für das Wohl des Allgemeinwesens einzusetzen. Das gelte umso mehr, als die Bedeutung des Christentums in Deutschland abnehme. Der Katholik Laschet berichtete, für ihn sei die Mitarbeit in einer Partei „die logische Fortsetzung des Engagements in der Kirchengemeinde gewesen. Wenn Christen nur sagen: Politik ist ein schmutziges Geschäft‘, mit dem ich nichts zu tun haben will, bestimmen am Ende die Falschen.“

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