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Türkischer Rassismus
14. Juni 2018

Germanistin: Ich erlebe Deutschtürken als viel rassistischer als Deutsche

Die Deutschtürkin und Autorin des Buches „Ihr Scheinheiligen! Doppelmoral und falsche Toleranz – Die Parallelwelt der Deutschtürken und die Deutschen“ (Heyne-Verlag), Tuba Sarica. Foto: Random House/Ben Piepraes Photography
Die Deutschtürkin und Autorin des Buches „Ihr Scheinheiligen! Doppelmoral und falsche Toleranz – Die Parallelwelt der Deutschtürken und die Deutschen“ (Heyne-Verlag), Tuba Sarica. Foto: Random House/Ben Piepraes Photography

Berlin (idea) – In Deutschland ist „türkischer Rassismus“ unter Deutschtürken weit verbreitet. Diese Ansicht vertritt die Deutschtürkin Tuba Sarica (Jahrgang 1987) in einem Interview der Tageszeitung „Die Welt“. Die Germanistin ist in der Nähe von Köln aufgewachsen und Autorin des Buches „Ihr Scheinheiligen! Doppelmoral und falsche Toleranz – Die Parallelwelt der Deutschtürken und die Deutschen“ (Heyne-Verlag). Sie erlebe die Deutschtürken „unterm Strich“ als viel rassistischer als die Deutschen. Über den Rassismus in der deutschtürkischen Parallelgesellschaft werde hierzulande aber oft geschwiegen. Er richte sich gegen „Nichtmuslime, den Westen, Griechen, Aleviten und gegen Juden“. Besonders perfide sei, dass es eine spezielle Feindlichkeit gegen Deutschland und die Deutschen gebe. Ein weit verbreitetes Schimpfwort sei etwa „gavurlar“ (Ungläubige). Deutschtürken fühlten sich den Deutschen überlegen und redeten herablassend über sie: „Die Deutschen vertreten ihrer Ansicht nach alle schlechten Werte und sie selber die guten.“ Sie wisse aber nicht, ob das auf ein echtes Überlegenheitsgefühl oder auf einen Minderwertigkeitskomplex zurückzuführen sei, so Sarica. Deutsche gelten ihr zufolge bei Türken als unbarmherzig, etwa weil sie ihre Senioren ins Altenheim „abschieben“. Für die erste Generation der Deutschtürken sei die Türkei verständlicherweise noch „Heimat“ gewesen. Die dritte Generation, die hier geboren und aufgewachsen sei, mache sich etwas vor, wenn sie die Türkei ihre „Heimat“ nenne. Integrierte Deutschtürken seien in der türkischen Parallelgesellschaft nicht gut angesehen, sagt Sarica, die sich selbst als Atheistin bezeichnet: „Wer etwas Gutes über Deutschland und die Deutschen zu sagen hat, gehört nicht dazu.“

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