Dienstag • 25. April
Ärztin Kempff-Synofzik
21. April 2017

„Demenz ist nicht das Ende“

Medizinisch-psychologischen Untersuchungen zufolge sei das „Ja zum Leben“ für die Gesundheit und die Lebensdauer wichtiger als die Höhe des Blutdrucks oder der Cholesterinspiegel. Foto: pixabay.com
Medizinisch-psychologischen Untersuchungen zufolge sei das „Ja zum Leben“ für die Gesundheit und die Lebensdauer wichtiger als die Höhe des Blutdrucks oder der Cholesterinspiegel. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Zu einem angstfreien Umgang mit Demenz hat die Ärztin Margot Kempff-Synofzik (Lilienthal bei Bremen) aufgerufen. Wie sie im Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) sagte, steht die Diagnose „wie ein Schreckgespenst“ vor vielen Menschen. Demenz sei aber nicht das Ende: „Es ist der Beginn eines anderen Lebens, das sich allmählich anbahnt und auf das es sich einzustellen gilt.“ Die Würde eines Menschen gehe auch bei einer Demenzerkrankung nicht verloren: „Die emotionale Ansprechbarkeit bleibt durchgängig erhalten.“ Sie empfahl, sich rechtzeitig zu informieren. Dann würden weniger falsche Entscheidungen getroffen, etwa eine zu frühe Heimeinweisung.

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Die Pflege eines Demenzkranken ist eine gewaltige Belastung

Für Verwandte sei die Pflege eines Demenzkranken häufig eine gewaltige Belastung. Wichtig sei, jede Unterstützungsmöglichkeit zu nutzen, etwa die Tagespflege, Angebote der Alzheimer-Gesellschaften, Kurzzeitpflege oder ein gemeinsamer Urlaub in speziell darauf ausgerichteten Häusern. Darüber hinaus sei wichtig, dass pflegende Angehörige „dringend lernen, für sich selber zu sorgen. Wer meint, alles selbst machen zu können oder zu müssen, wird sehr schnell nicht mehr können.“ Das Gefühl, dass man versagt habe, wenn man sich Hilfe hole, sei falsch. Kempff-Synofzik kritisierte ferner die Unterbringung von Demenzkranken in Altenheimen. Denn den mit ihnen verbundenen Problemen sei das Personal häufig nicht gewachsen: „Die Zahl der examinierten Pfleger müsste steigen. Aber der Beruf ist zu schlecht bezahlt, der Kostendruck zu hoch und der Personalschlüssel zu niedrig.“

Wer aus dem Vertrauen zu Gott lebt, braucht sich nicht zu sorgen

Kempff-Synofzik ermutigte ferner, Einschränkungen im Alter zu akzeptieren: „Man sollte nicht traurig auf das zurückblicken, was man früher alles konnte – sondern glücklich sein über das, was man noch machen kann.“ Dabei könne der christliche Glaube helfen: „Wer aus dem Vertrauen lebt, dass Gott für einen sorgt, braucht sich nicht zu sorgen.“ So stehe es bereits in Psalm 31,15: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Wer sich in Gott geborgen fühle, könne sein Leben auch in seiner Krankheit viel besser annehmen: „Das wiederum kann auch den Heilungsprozess sehr positiv beeinflussen.“

Ein „Ja zum Leben“ ist für die Gesundheit wichtiger als die Höhe des Blutdrucks

Wie Kempff-Synofzik weiter sagte, fühlen sich viele Senioren einsam und überflüssig. Wichtig sei es, Aufgaben zu übernehmen, die Gemeinschaft mit anderen Menschen zu suchen, neue Beziehungen aufzubauen und auf das zu schauen, wofür man dankbar sein könne. Medizinisch-psychologischen Untersuchungen zufolge sei das „Ja zum Leben“ für die Gesundheit und die Lebensdauer wichtiger als die Höhe des Blutdrucks oder der Cholesterinspiegel. Die 74-jährige Kempff-Synofzik hat 15 Jahre als Dozentin mit dem Schwerpunkt Gerontopsychiatrie in Fachschulen für Altenpflege und Ergotherapie gearbeitet. Sie hält in der kirchlichen Frauen- und Seniorenarbeit, bei Frühstückstreffen oder der Akademiker-SMD (Studentenmission in Deutschland) Vorträge.

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