Freitag • 20. Januar
Christliche Polizeivereinigung
05. Januar 2017

Holger Clas: „Kollegen gehen auf dem Zahnfleisch“

Die Polizei bei ihrem Einsatz am Silvesterabend in Köln. Foto: picture-alliance/Geisler-Fotopress
Die Polizei bei ihrem Einsatz am Silvesterabend in Köln. Foto: picture-alliance/Geisler-Fotopress

Hamburg/Köln (idea) – Tiefe Sorge wegen einer Überlastung von Polizeibeamten hat die Christliche Polizeivereinigung (CPV) geäußert. „Die Kolleginnen und Kollegen gehen auf dem Zahnfleisch“, erklärte der Vorsitzende der Organisation, Kriminalhauptkommissar Holger Clas (Hamburg), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Ein Bundespolizist habe neulich von einem „Wanderzirkus Polizei“ gesprochen: heute Grenzeinsatz im Süden, morgen OSZE-Gipfel im Norden, übermorgen Terroreinsatz im Osten. Clas fragt: „Wie lange soll das weitergehen?“ Die betroffenen Familien litten unter dieser „als desaströs empfundenen Situation“. Viele Polizisten fühlten sich alleingelassen von der Politik, „die diese Problemlage zu verantworten hat“. Clas zufolge sieht die Christliche Polizeivereinigung ihre Aufgabe jedoch nicht darin, die Politik zu kritisieren, sondern für sie zu beten und die Kollegen zu ermutigen. Er wies ferner Kritik am Polizeieinsatz in der Silvesternacht in Köln zurück. So hatte die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Simone Peter, zunächst moniert, dass die Kölner Polizei gezielt Nordafrikaner kontrolliert und diese bei Twitter als „Nafris“ bezeichnet hatte. Später ruderte die Politikerin zurück – auch weil sie mit ihren Äußerungen in der eigenen Partei auf Unverständnis stieß.

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Vorwurf des Rassismus gegen Polizei ist „absurd“

Laut Clas war die Bezeichnung „Nafris“ zwar unglücklich, aber der Vorwurf des Rassismus und des sogenannten „Racial Profiling“ – also die Kontrolle nach ethnischen Gesichtspunkten – sei „absurd und unfair“. Nach seinen Worten wäre eine Gruppe von gewaltbereiten Fußballfans genauso behandelt worden, um Straftaten zu verhindern. Laut Clas war der Einsatz in Köln nicht zu beanstanden. Es seien 1.200 polizeirechtliche Maßnahmen – zum Beispiel Platzverweise – nötig gewesen, um Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten: „Das allein spricht für sich.“ Man habe in Köln 1.700 Landespolizisten, 300 Bundespolizisten und zusätzlich 600 Ordnungskräfte einsetzen müssen, um Frauen vor Übergriffen durch sogenannte „Schutzsuchende“ zu schützen. Clas: „Wie soll die Polizei das personell durchhalten?“ Jeder für diese Aufgabe eingesetzte Beamte fehle bei der Bekämpfung der Einbruchskriminalität sowie von Diebstählen. Hier liege die Quote der Verurteilung von Straftätern inzwischen im einstelligen Bereich. Dies sei „unerträglich“. Die Christliche Polizeivereinigung hat Verbindungen zu über 4.000 Polizisten. Ein Freundeskreis umfasst gut 1.500 Personen aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Kultur.

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