Montag • 22. Mai
Beispiellose Attacke
15. Mai 2017

Weltweit 200.000 Computer angegriffen

Nach Angaben des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik sollen private Rechner nicht betroffen sein. Die Erpresser forderten für jeden stillgelegten Computer ein Lösegeld in Höhe von 275. Foto: pixabay.com
Nach Angaben des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik sollen private Rechner nicht betroffen sein. Die Erpresser forderten für jeden stillgelegten Computer ein Lösegeld in Höhe von 275. Foto: pixabay.com

Berlin/Kassel (idea) – Über 200.000 Rechner in mehr als 150 Ländern sind Ziel eines der bislang größten Angriffe auf Computersysteme geworden. Sie wurden von sogenannten „Erpressungstrojanern“ befallen, die die Computerinhalte verschlüsselten und Lösegeld verlangten, damit die Rechner wieder benutzt werden können. Bei der Deutschen Bahn fielen teilweise digitale Anzeigetafeln sowie Fahrkartenautomaten aus. In England und Schottland waren 45 Organisationen betroffen, vor allem Kliniken und Gesundheitseinrichtungen. In Frankreich stellte der Autohersteller Renault an einigen Standorten vorsorglich seine Produktion ein, um einer Verbreitung der Schadsoftware vorzubeugen. Nach Angaben der IT-Sicherheitsfirma Avast waren Russland, die Ukraine und Taiwan unter den vorrangigen Zielen des Angriffs. Die europäische Ermittlungsbehörde Europol spricht von einer Attacke von bisher „beispiellosem Ausmaß“. In Deutschland hat das Bundeskriminalamt Ermittlungen aufgenommen.

ANZEIGE

Erpresser verlangten 275 Euro pro Rechner

Nach Angaben des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik wurden ausschließlich Windowscomputer angegriffen. Private Rechner sollen nicht betroffen sein. Die Erpresser forderten für jeden stillgelegten Computer ein Lösegeld in Höhe von 275 Euro, zahlbar in der Internet-Währung Bitcoin. Die weitere Ausbreitung der Erpressungssoftware wurde laut Experten in der Nacht zum 13. Mai von einem IT-Fachmann in Großbritannien gestoppt. Der 22-Jährige, der anonym bleiben will, rechnet aber mit weiteren Angriffen. „Da ist viel Geld im Spiel“, sagte er dem Sender BBC.

Auch Missionswerke sind immer wieder Ziele von Angreifern

Für den Geschäftsführer des Christlichen Internetdienstes CID, Munir Hanna (Berlin), zeigt der Vorgang, dass es in der Computertechnik „keine absolute Sicherheit“ gibt: „In dem Moment, wo ich mit meinem Computer oder Smartphone eine Außenverbindung eingehe, muss ich damit rechnen, dass sich da jemand herumtreibt und meine Daten einsieht.“ Windowsrechner seien besonders häufig betroffen, weil sie am stärksten verbreitet seien. Doch auch alle anderen Betriebssysteme sind laut Hanna Angriffen ausgesetzt. Wenn man heute alles vernetze, wie Autos, Kühlschränke oder die Waschmaschine, dann öffne man damit „immer auch eine Tür für Außenstehende“. Manche Bürger gingen viel zu offen und sorglos mit ihren Daten um. „Wenn ich auf Facebook Urlaubsbilder poste, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn ich nach der Heimkehr feststelle, dass Einbrecher in meiner Wohnung waren“, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Auch der Christliche Internetdienst und Missionswerke seien immer wieder Ziele von Angriffen: „Es gibt offenbar Leute, denen es nicht passt, dass wir als Christen auf unseren Internetseiten zum Glauben an Jesus Christus aufrufen.“ Die meisten dieser Angriffe kämen aus dem islamischen Raum, aber auch aus Indien, China oder Lateinamerika.

Sicherheitsfachmann: Ich führe meinen Terminkalender auf Papier

Der Referent für EDV und Datensicherheit beim evangelikalen Dachverband „netzwerk-m“, Andreas Steuer (Kassel), rief dazu auf, alle kostenlosen Sicherheitsaktualisierungen der Softwarehersteller zu nutzen und regelmäßig Wiederherstellungspunkte vorzunehmen. Sollte ein Rechner doch einmal befallen sein, könne man ihn in einen früheren Zustand zurücksetzen, als er von der Schadsoftware noch nicht befallen war. Ob man die von den Erpressern geforderte Summe bezahle, hänge davon ab, wie schnell man auf die gesperrten Daten zurückgreifen wolle. „Wer Zeit hat, sollte nicht auf solche Erpressungsversuche reagieren.“ Außerdem sei es keinesfalls sicher, ob die Rechner nach Zahlung des Betrages wirklich wieder freigeschaltet würden. Im Übrigen böten nach einigen Tagen die meisten Softwarehersteller kostenlose Programme zur Problemlösung an. Ein weiterer Tipp Steuers: „Ich führe alle meine Termine ganz klassisch auf Papier in einem Terminkalender.“

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser sieben Tage kommentiert werden.

Diese Woche lesen Sie
  • Aus der Au Was ist evangelisch am Evangelischen Kirchentag?
  • NRW-Wahl Diese Ergebnisse versteht sogar ein Sozi
  • Pro & Kontra Müssen Mitarbeiter Mitglied der Kirche sein?
  • ideaSpezial Gemeinde
  • Daniel Böcking Bekennen Sie einfach!
  • mehr ...
ANZEIGE