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Bundesverband Lebensrecht
15. April 2018

Abtreibung behinderter Kinder: Der gesellschaftliche Druck wächst

v.l.: Der Medizinethiker Axel Bauer und der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Hartmut Steeb, während der Fachtagung in Trier. Foto: BVL
v.l.: Der Medizinethiker Axel Bauer und der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Hartmut Steeb, während der Fachtagung in Trier. Foto: BVL

Trier (idea) – Der gesellschaftliche Druck auf Eltern, ein behindertes Kind abzutreiben, wächst. Das beobachtet der Medizinethiker Prof. Axel Bauer (Heidelberg). Er äußerte sich bei einer Fachtagung des Bundesverbandes Lebensrecht unter dem Thema „Kinder – Nur noch qualitätsgeprüft?“ am 14. April in Trier. An dem Tag wurde dort die „Woche für das Leben“ der beiden großen Kirchen mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet. Sie findet in diesem Jahr unter dem Motto „Kinderwunsch. Wunschkind. Unser Kind!“ statt und lädt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Methoden der Pränataldiagnostik (Erkennen von Krankheiten und Missbildungen eines Kindes vor der Geburt) ein. Bauer zufolge gibt es einen Widerspruch beim Umgang mit Behinderung. Auf der einen Seite werde viel Wert auf Inklusion von behinderten Menschen gelegt, auf der anderen Seite finde bei Ungeborenen eine „Rasterfahndung nach Behinderungen“ statt und es werde „munter“ aussortiert. Er wandte sich dagegen, dass der sogenannte PraenaTest – der vorgeburtliche Bluttest bestimmt verschiedene Trisomiearten eines ungeborenen Kindes – von den Krankenkassen bezahlt wird. Denn er diene nicht der Behandlung oder Heilung des Patienten, sondern habe nur das Ziel, behindertes Leben zu verhindern. Insgesamt steige aktuell der „Perfektionsdruck“. Ein behindertes Kind werde als Zumutung für Eltern und Gesellschaft empfunden. Das führe dazu, dass die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten bei vorgeburtlichen Untersuchungen zwangsläufig genutzt würden. Eine Kultur der scheinbaren Leidvermeidung durch die Beseitigung des Leidenden mache Abtreibung zur Todesursache Nummer eins, so Bauer. Er war von 2008 bis 2012 Mitglied im Deutschen Ethikrat.

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Sozialmedizinerin: Womit Eltern überfordert sind

Die Sozialmedizinerin Prof. Ursula Rieke (Mainz) beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit der schwierigen Situation von Eltern, die durch vorgeburtliche Untersuchungen erfahren, dass ihr Kind wahrscheinlich behindert oder möglicherweise nicht lebensfähig sein wird. Sie müssten sich dann häufig unter Zeitdruck für oder gegen eine Abtreibung entscheiden, womit sie oft überfordert seien. Die nicht konfessionsgebundene Katharina Kasper Stiftung (Dernbach) – Rieke hat dort die Ärztliche Leitung und gehört zum Stiftungsvorstand – begleite seit 2002 die Eltern in diesen Situationen und helfe ihnen, mit ihrem Leid umzugehen. Der Medizinrechtler Rainer Beckmann (Würzburg) warnte vor einer Aushöhlung des 1991 in Kraft getretenen Embyronenschutzgesetzes. Dem Gesetz zufolge sei Leihmutterschaft zwar grundsätzlich verboten, in Ausnahmefällen sei aber bereits heute vieles möglich, so Beckmann.

Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht: Wir fordern Inklusion schon vor der Geburt

Die Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) und Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Alexandra Linder (Weuspert im Sauerland), sagte, dass es derzeit zwei Tendenzen gebe: „Die eine versucht, Kinder, die nicht der Norm entsprechen, zu verhindern oder zu beseitigen. Die andere versucht, möglichst perfekte Kinder herzustellen. Das ist Eugenik durch die Hintertür.“ Der Bundesverband Lebensrecht fordere deswegen Inklusion auch schon vor der Geburt: „Lebensrecht geht nur ganz.“ Der Bundesverband Lebensrecht ist ein Zusammenschluss von 13 Organisationen. Er wird neben Linder von Hartmut Steeb (Stuttgart) geleitet, der im Hauptamt Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz ist. Die „Woche für das Leben“ wurde 1991 von der katholischen Kirche mit dem Anliegen gestartet, sich gegen Abtreibung und für den Schutz ungeborener Kinder einzusetzen. Die EKD beteiligt sich seit 1994.

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