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Württemberg
27. Januar 2018

Befürworter der „Homo-Segnung“ machen Druck

Die Befürworter einer öffentlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Partner in Württemberg lassen nicht locker. Foto: Hochzeitsfotograf/pixelio.de
Die Befürworter einer öffentlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Partner in Württemberg lassen nicht locker. Foto: Hochzeitsfotograf/pixelio.de

Stuttgart (idea) – Die Befürworter einer öffentlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Partner in Württemberg lassen nicht locker, obwohl die Landessynode Ende November entschieden hat, eine solche Handlung nicht einzuführen. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag des Oberkirchenrates verfehlte die erforderliche Zweidrittelmehrheit knapp. Gegen eine solche Segenshandlung hatten sich vor allem Mitglieder des größten Gesprächskreises in der Synode, der theologisch konservativen „Lebendigen Gemeinde“, gewandt. Der ehemalige Oberkirchenrat Heiner Küenzlen (Stuttgart) – er gehörte zum linksliberalen synodalen Gesprächskreis „Offene Kirche“ und kandidierte in ihrem Auftrag 1993 erfolglos für das Bischofsamt – macht sich jetzt vehement für eine Segnung homosexueller Partner im Gottesdienst stark. Aus seiner Sicht ist eine „begrenzte Regelverletzung“ gerechtfertigt. Er halte die bestehende Regelung – sie erlaubt eine Segnung nur im nichtöffentlichen Rahmen der Seelsorge – „nicht mehr für begründet“. Im Traugebet der Agende heiße es: „Wir bitten Gott, dass er zu Eurem menschlichen Ja sein göttliches Amen sage.“ Das müsse selbstverständlich auch für gleichgeschlechtliche Paare gelten, sagte er in einem Interview der Stuttgarter Zeitung (Ausgabe 27. Januar).

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Ruft ein Ex-Oberkirchenrat zum Rechtsbruch auf?

Auf die Frage, ob er damit Rechtsbruch begehe, antwortete Küenzlen: „Das würde ich so nicht sagen, denn an dieser Stelle sind die Vorschriften veraltet.“ Eine Änderung stehe seit langem an. Als ordinierter Pfarrer dürfe er homosexuelle Paare im Amtszimmer segnen, aber nicht in der Kirche, „obwohl das öffentliche Bekenntnis zueinender eigentlich ein erwünschter Ausdruck gegenseitiger Verantwortungsübernahme ist“. Diese Vorgaben seien theologisch widersprüchlich. „Deshalb halte ich die begrenzte Regelverletzung von mir, aber auch von anderen Pfarrern, für legitim.“

Küenzlen: Manche Pfarrer wandern wegen der Beschlusslage aus Württemberg ab

Nach Ansicht Küenzlens ist es nicht notwendig, eine neue Amtshandlung mit entsprechender Agende zu beschließen, die in der Synode eine Zweidrittelmehrheit finden müsste. Es müsse lediglich der vom Kirchenparlament einst gefasste Beschluss, dass eine Segnung im privaten Rahmen möglich sei, erweitert werden für den öffentlichen Gottesdienst. Zur Frage, warum die Kirchenleitung nicht diesen unkomplizierten Weg gewählt habe, meinte Küenzlen: „Das müssen Sie die Kirchenjuristen fragen. Ich versuche, diesen Vorschlag zu machen und sie davon zu überzeugen.“ Nach seinen Worten hat die jetzige Beschlusslage fatale Folgen. Sie laufe „auf eine klare Abwerbung vom Beruf des Pfarrers hinaus“. Er kenne zahlreiche junge Theologen, die jetzt sagten, dass sie in einer solchen Kirche keinen Dienst tun könnten. Manche wanderten in andere Landeskirchen ab. Laut der Stuttgarter Zeitung haben mehr als 160 württembergische Pfarrer angekündigt, sich nicht an das Verbot halten zu wollen, homosexuelle Partner öffentlich zu segnen. Der 75-jährige Küenzlen war von 1995 bis 2008 im Oberkirchenrat Dezernent für Theologische Grundsatzfragen, Mission, Ökumene und Publizistik.

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