Freitag • 19. Januar
Inacker
28. Dezember 2017

Wir brauchen eine neue Reformation

Der Vorstandsvorsitzende der Internationalen Martin Luther Stiftung, Michael Inacker. Foto: idea/m.pletz
Der Vorstandsvorsitzende der Internationalen Martin Luther Stiftung, Michael Inacker. Foto: idea/m.pletz

Osnabrück/Berlin (idea) – Die EKD hat im 500. Jubiläumsjahr der Reformation viele Chancen vertan. Dieses Fazit zog der Vorstandsvorsitzende der Internationalen Martin Luther Stiftung, Michael Inacker (Berlin), gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Zwar sei viel Geld investiert worden, aber nur wenige Hunderttausende hätten die Angebote genutzt: „Da kommen bei jedem Bundesligaspieltag mehr Menschen in die Stadien als in einem ganzen Jahr zu schlecht gemachten Sonderveranstaltungen.“ In einem Unternehmen müsste bei so einer Bilanz der Vorstandschef gehen, so Inacker. Die Kirche habe es versäumt, in die wachsende Zahl von Nichtchristen hineinzuwirken und einen missionarischen Punkt zu setzen. Schuld daran sind nach seiner Einschätzung die Strukturen und sprudelnden Kirchensteuereinnahmen: „Die Kirche ist satt geworden und ruht sich auf ihrem öffentlich-rechtlichen Sonderstatus aus. Eine Kirche, die sich jeden Tag anstrengen und sich um ihre Einnahmen selbst kümmern müsste, wäre geistig und geistlich ganz anders unterwegs.“

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Die Kirche holt nur Menschen an Bord, die ins Konzept passen

Inacker plädierte für eine neue Reformation. Die EKD sei inzwischen so konventionell und verkrustet, wie es die katholische Kirche vor 500 Jahren war. Eine Wende könne aber nur gelingen, wenn man alle ins Boot hole. Das geschehe bislang nicht: „Die EKD agiert wie ein schlechter Noah. Sie holt nur Menschen an Bord der Arche, die ins Konzept passen.“ Wer einen anderen Glauben lebe, werde zurückgelassen. Viele suchten sich dann in Freikirchen eine neue geistliche Heimat. In den Führungsgremien der evangelischen Kirche habe „ein rot-grünes Milieu“ die Macht an sich gerissen: „Es ist im Prinzip eine machtpolitische Kaperung der Institution Kirche durch politische Gruppen.“ Und Bürgerlich-Konservative hätten das zugelassen, weil sie oft träge seien und Konflikte scheuten.

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