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„Christ und Welt“
14. Juli 2017

Spricht der Rat der EKD noch für die evangelische Kirche?

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde zuletzt bei der Synodentagung der EKD in Bremen 2015 neugewählt. Foto: idea/Kwerk.eu
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde zuletzt bei der Synodentagung der EKD in Bremen 2015 neugewählt. Foto: idea/Kwerk.eu

Berlin (idea) – Spricht die Leitung der EKD – der Rat – noch für die evangelische Kirche? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Journalist Hannes Leitlein in der Beilage „Christ und Welt“ der Wochenzeitung „Die Zeit“. Anlass ist die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften durch den Bundestag. Der Rat der EKD hatte die Öffnung begrüßt. Nach seiner Ansicht wird die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau dadurch „keineswegs geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen“. Die Protestanten scheinen somit – so Leitlein – auf der Seite der Gewinner zu stehen: „Doch hinter der demonstrativen Feierstimmung der EKD beim Thema ,Ehe für alle‘ verbirgt sich eine bittere Wahrheit: So einig, wie ihre Funktionäre tun, sind die Protestanten nicht.“

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Politische Protestanten scheint nicht zu interessieren, was ihre Kirchenleitung zu sagen hat

Im Bundestag hätten fast alle „exponierten Protestanten“ gegen die „Ehe für alle“ gestimmt, darunter der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, EKD-Ratsmitglied Thomas Rachel (Berlin/Düren) sowie weitere CDU-Abgeordnete wie Steffen Bilger (Ludwigsburg), Volkmar Klein (Burbach bei Siegen), Frank Heinrich (Chemnitz) und Elisabeth Motschmann (Bremen). Die Liste der „Öffnungsbefürworter mit evangelischer Nebentätigkeit“ sei dagegen kurz und umfasse die Beauftragte für Kirchen- und Religionsgemeinschaften der SPD-Bundestagsfraktion, EKD-Ratsmitglied Kerstin Griese, die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt, und den Präses des Neukirchener Erziehungsverein (Neukirchen-Vluyn/Niederrhein), Siegmund Ehrmann (SPD). Dazu Leitlein: „Offenbar scheint die politischen Protestanten nicht zu interessieren, was ihre Kirchenleitung zu ethischen Fragen zu sagen hat.“

Protestanten halten sich an ihr Gewissen – und das hat seinen Sitz nicht in Hannover

Die „Jubelstimmung“ des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm (München) entspreche der protestantischen Wirklichkeit somit eher weniger: „Was dieser bei aller persönlichen Freude ignoriert: Eine einheitliche Linie, wie es sie qua Hierarchie im Katholizismus gibt, gibt es im Protestantismus nicht.“ Ein „Fraktionszwang“ sei für Katholiken der Normalzustand: „Protestanten dagegen halten sich an ihr Gewissen, und das hat seinen Sitz nicht in Hannover wie die EKD.“ Die aktuelle Aufwertung des Gewissens in der Politik – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Abstimmung zur Gewissensentscheidung erklärt – rüttle auch am Anspruch der EKD, für alle Protestanten zu sprechen: „Sie wird es in Zukunft immer schwerer haben, Leute hinter sich zu versammeln – selbst die eigenen.“

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