Montag • 22. Mai
Pro und Kontra
18. Mai 2017

Sollten die Kirchen nur Mitglieder beschäftigen?

v. l.: Der Vorsitzende des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern, Dekan Till Roth, und der Präsident des Diakonischen Werkes in Bayern, Pfarrer Michael Bammessel. Fotos: Thomas Schikor; Privat
v. l.: Der Vorsitzende des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern, Dekan Till Roth, und der Präsident des Diakonischen Werkes in Bayern, Pfarrer Michael Bammessel. Fotos: Thomas Schikor; Privat

Wetzlar (idea) – Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und ihre Diakonie haben entschieden, ab dem 1. Juli unter bestimmten Bedingungen in einigen Berufen auch Nichtchristen anzustellen. Bisher mussten Beschäftigte Mitglied einer Kirche sein, die der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) angehört. War die Entscheidung falsch? Darauf antworten zwei Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Ein Mitarbeiter muss sich mit dem kirchlichen Auftrag identifizieren können

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern, Dekan Till Roth (Lohr am Main), hält es für unverzichtbar, dass Beschäftigte zu einer Kirche gehören. Für Krankenpfleger und Erzieher reiche es nicht aus, den kirchlichen Auftrag „zu kennen und zu achten“. Sie sollten sich mit ihm identifizieren können und ihn leben. Roth: „Ansonsten wäre es unanständig, von ihnen zum Beispiel zu erwarten, ein Tischgebet zu sprechen.“ Der Dienst im Geiste Jesu sei etwas anderes, als sich eine Firmenphilosophie anzueignen. Roth kritisiert ferner, dass mit der Neuregelung auch Angehörige anderer Religionen kirchliche Mitarbeiter werden können: „Die so entstehende Gefahr der Religionsvermischung wird nirgendwo angesprochen und scheint unproblematisch zu sein.“ Dem Dekan zufolge gehorcht die Liberalisierung der Not des Mangels qualifizierter Arbeitskräfte. Damit werde der naheliegende, aber im Sinn des kirchlichen Auftrags schlechtere Weg gegangen, Personen anzustellen, „die mit Kirche nichts am Hut haben. So wird‘s nicht besser.“

Kontra: Die Diakonie braucht Offenheit für den Einzelfall

Gegenteiliger Überzeugung ist der Präsident des Diakonischen Werkes in Bayern, Pfarrer Michael Bammessel (Nürnberg). Nach seinen Worten ist die Mitgliedschaft in einer Kirche zwar ein Pluspunkt in der Diakonie, aber kein absolutes Kriterium. Die dortige Realität sei bunt. So gebe es auch den „bewussten Christen, der seiner Kirche oder Freikirche aufgrund einer Enttäuschung den Rücken gekehrt hat“. Bammessel führt ferner „die engagierte muslimische Pflegerin“ an, die Heimbewohner zum christlichen Gottesdienst in die Hauskapelle bringe, weil sie Religion wichtig finde. Als drittes Beispiel nennt er „den säkular aufgewachsenen Pflegeschüler, der unbedingt bei der Diakonie bleiben möchte, weil dort ein besonderer Geist weht“. Der Diakoniepräsident: „Kirchenmitgliedschaft soll die Regel bleiben – aber wir brauchen Offenheit für den Einzelfall.“

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