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Pro & Kontra
10. Januar 2017

Soll man die Kirchensteuer abschaffen?

v. l.: Der frühere Leiter von BibelTV, Henning Röhl, und der Redakteur des Hamburger Abendblattes, Edgar S. Hasse. Fotos: BibelTV/Reto Klar
v. l.: Der frühere Leiter von BibelTV, Henning Röhl, und der Redakteur des Hamburger Abendblattes, Edgar S. Hasse. Fotos: BibelTV/Reto Klar

Wetzlar (idea) – Zwei Drittel der Deutschen (65,3 Prozent) sind laut einer Umfrage des Instituts INSA-CONSULERE (Erfurt) dafür, die Kirchensteuer abzuschaffen. Sie ist an die Lohn- und Einkommenssteuer gekoppelt. Aufgrund der guten Konjunktur wachsen die Kirchensteuereinnahmen der beiden großen Kirchen (2015: 11,5 Milliarden Euro), obwohl die Mitgliederzahlen sinken. In einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) äußern sich zwei kirchlich engagierte Journalisten zu der Frage, ob die Kirchensteuer gestrichen werden sollte.

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Pro: Durch das System hat es sich die Kirche bequem gemacht

Dafür ist der frühere Chefredakteur bei ARD aktuell“, Fernsehdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks und Leiter von Bibel TV, Henning Röhl (Husum). Nach seiner Ansicht ist die Kirchensteuer mitschuldig an Fehlentwicklungen, weil sie zu Bequemlichkeit führt. Er nennt unter anderem die Trostlosigkeit vieler Gottesdienste und die Interesselosigkeit der meisten Mitglieder. So hätten nur elf Prozent an der ersten Kirchengemeinderatswahl der Nordkirche teilgenommen. Röhl: „Wer sicher ist, dass Geld auch ohne Anstrengungen fließt, läuft Gefahr, es sich bequem zu machen.“ Neue Ideen seien aber notwendig, blieben jedoch aus, „wenn die Taschen voll sind“. So sei es erforderlich, mit neuen Formen für das Wort Gottes zu werben, die Gemeinden zu stärken und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Kirche von heute ist laut Röhl zwar reich, leidet aber innere Not. Nach seiner Meinung würde die Kirche ohne Steuer materiell nicht verarmen, sondern vor allem geistlich reicher werden.

Kontra: Die Solidargemeinschaft Kirche lässt sich so am besten finanzieren

Die Gegenposition vertritt der Theologe und Redakteur des Hamburger Abendblattes Edgar S. Hasse. Nach seiner Ansicht ist das Kirchensteuersystem am besten geeignet, um die Solidargemeinschaft Kirche zu finanzieren. Dieser „Mitgliedsbeitrag“ garantiere finanzielle Unabhängigkeit. Die Verkündigung sei frei von Interessen einzelner Großspender: „Die Geistlichen können auf ihren Kanzeln predigen, was sie wollen.“ Sie müssten keine Angst vor Gehaltskürzungen haben, wenn sie mit ihren Äußerungen aneckten. Hasse zufolge ist der Einzug der Kirchensteuer auch gerecht: „Steuerpflichtig ist nur, wer Einkommen bezieht, Lohn-, Kapitalertrags- und Einkommenssteuer zahlt.“ Der Staat erhalte für diese Dienstleistung zwei bis vier Prozent des Aufkommens. Zögen die Kirchen diese Gelder selbst ein, würden sich die Kosten für die eigene Verwaltung verdreifachen. Außerdem garantiere dieses Verfahren ein hohes Maß an Planbarkeit. Hasse ist auch Kreuzfahrtseelsorger im Auftrag der Nordkirche.

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