Montag • 11. Dezember
Landesbischof Rentzing
18. November 2017

Wir haben kein Recht, uns nur mit uns selbst zu beschäftigen

Der Landesbischof der Evangelische-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing. Foto: imago stock&people
Der Landesbischof der Evangelische-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing. Foto: imago stock&people

Dresden (idea) – Anstatt sich hauptsächlich um innerkirchliche Strukturen zu drehen, sollte die Kirche sich darauf konzentrieren, Menschen mit der christlichen Botschaft zu erreichen. Das sagte der Landesbischof der Evangelische-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing (Dresden), am 18. November vor der Landessynode in Dresden. „Wir haben kein Recht, uns unablässig mit uns selbst zu beschäftigen und unseren Auftrag zu vernachlässigen.“ Die Welt brauche das Evangelium: „Unsere auseinanderdriftende Gesellschaft verlangt geradezu nach der Botschaft des Friedens und der Versöhnung.“ Die Kirche dürfe sich daher nicht in Lieblingswinkel zurückziehen. Rentzing: „Es geht um den Zugang zur Seligkeit für die Menschen. Vielleicht haben wir uns zu oft abgewöhnt, in dieser Tiefe vom Ziel des Glaubens zu sprechen. Es geht dabei um Rettung und Seligkeit.“ Die Kirche könne dankbar sein für die Möglichkeiten, in Schulen, Krankenhäusern, Gefängnissen und im allgemeinen gesellschaftlichen Leben präsent zu sein: „Durch uns gelangt das Licht der Welt so in Bereiche hinein, die sonst völlig unerreicht blieben.“

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Strukturdebatte zu einem konstruktiven Ende bringen

Rentzing ging auch auf die zukünftigen Kirchgemeindestrukturen ein, die im Mittelpunkt der Synodentagung stehen. In den vergangenen Monaten habe es „schwerwiegende“ Debatten über die Verteilung der kirchlichen Ressourcen gegeben. Rentzing: „Auch unsere zukünftige Aufstellung muss von dem Gedanken getragen sein, dass jeder Mensch in diesem Lande dem Licht Gottes begegnen kann.“ In der Landeskirche habe man immer gesagt, dass es auf ihrem Territorium „keine weißen Flecken“ geben dürfe. Daher müsse sich jedes der vier zur Debatte stehenden Strukturmodelle fragen lassen, wie es diesem Ziel gerecht werden könne. Rentzing warnte davor, Fragen der Verwaltung und Ressourcenverteilung theologisch zu überhöhen. Sie sollten vielmehr nach Gesichtspunkten der pragmatischen Vernunft erfolgen: „Keines der debattierten Modelle gefährdet die Versammlung der Gläubigen um Wort und Sakrament vor Ort.“ Es sei an der Zeit, die Strukturdebatte zu einem konstruktiven Ende zu führen: „Im 500. Jahr der Reformation benötigen wir etwas vom reformatorischen Wagemut.“ Die Kirchenleitung hatte der Synode im vergangenen Jahr ein Zukunftspapier vorgelegt, das bis zum Jahr 2040 eine drastische Strukturreform vorsieht. So sollen sich alle sächsischen Kirchgemeinden zu „Struktureinheiten“ mit mindestens 4.000 Gemeindegliedern zusammenschließen. Hintergrund sind die sinkenden Mitgliederzahlen von derzeit rund 700.000 auf etwa 400.000 im Jahr 2040. Weil dadurch auch die Finanzkraft der Landeskirche sinkt, sollen etwa 40 Prozent der Stellen für Pfarrer, Kantoren und Gemeindepädagogen eingespart werden. Die 80 Synodalen beraten noch bis 20. November.

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