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Landesbischof Rentzing
18. September 2017

Warum Kirche vor allem in den Städten präsent sein muss

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing. Foto: Steffen Giersch/EVLKS
Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing. Foto: Steffen Giersch/EVLKS

Leipzig (idea) – Wenn die Kirche für die Menschen relevant bleiben und sie erreichen möchte, muss sie sich vor allem in den Städten engagieren. Dieser Ansicht ist der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing (Dresden). „Die junge Kirche vor 1.700 Jahren hat die Szenerie der Stadt genutzt, um ihre Botschaft zu verbreiten. Wenn wir das auch heute wollen, dann müssen wir in den Städten sein“, sagte er zur Eröffnung der Konsultation Kirche und Großstadt der EKD. Sie tagt vom 17. bis 20. September in Leipzig und steht unter dem Thema „Volkskirche oder was?“. „Fühlen wir uns heute noch als Volkskirchler – also als Kirche, die ihre Botschaft an das ganze Volk richten möchte?“, fragte Rentzing. Nach seinen Angaben leben allein 160.000 der rund 700.000 Mitglieder der sächsischen Landeskirche in Leipzig und Dresden. Städte seien Orte der Kultur und des Diskurses. Kirche müsse hier ihre Anschlussfähigkeit und Bedeutsamkeit unter Beweis stellen: „Die Stadt kann der Prototyp der missionarischen Existenz werden, wenn sich Kirche an alle richtet.“

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Soziologe: Christentum erlebt Traditionsabbruch und Bedeutungsverlust

Der Soziologe Alexander Yendell (Leipzig) sieht einen anhaltenden Trend zur Entkirchlichung in Deutschland. Die christliche Religiosität erlebe einen Traditionsabbruch und Bedeutungsverlust. So sei die Zahl der Protestanten und der Katholiken seit 1990 kontinuierlich zurückgegangen, die der Muslime und der Konfessionslosen hingegen gestiegen. Während im Osten eine Kultur der Konfessionslosigkeit bestehe, herrsche im Westen Deutschlands nach wie vor eine Kultur der Konfessionszugehörigkeit vor. Das bedeute aber nicht, dass alle, die zur Kirche gehörten, auch an Gott glaubten, so Yendell. Es gebe Menschen, die aus sozialen oder praktischen Gründen in der Kirche blieben, etwa weil sie später einmal kirchlich bestattet werden wollten. Unter Kirchenmitgliedern nehme ebenfalls die Bereitschaft ab, kirchlichen Verlautbarungen zu folgen bzw. deren Normen anzuerkennen. Stattdessen bastelten sich auch Kirchenmitglieder immer häufiger ihre eigene Religion zusammen.

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