Freitag • 20. Januar
Rekowski
09. Januar 2017

Kirche muss soziale Gerechtigkeit zum Thema machen

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski. Foto: Hans-Jürgen Vollrath
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski. Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Bad Neuenahr (idea) – Die evangelische Kirche muss angesichts der in diesem Jahr anstehenden Bundes- und Landtagswahlen die soziale Gerechtigkeit zum Thema machen. Das forderte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), in seinem „Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse“ vor der Landessynode. Sie tagt vom 8. bis 13. Januar in Bad Neuenahr. Trotz der guten Wirtschaftslage seien viele Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen, erklärte Rekowski. Insbesondere die Zahl der Langzeitarbeitslosen sei hoch. Vielen Kindern und Jugendlichen, die von staatlicher Grundsicherung leben müssten, drohe „die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben auf Dauer verloren zu gehen“. Es bestehe die Gefahr, dass sich dadurch die Gesellschaft spalte. Davon profitierten populistische Parteien, „die mit einfachen Antworten auf komplexe Verhältnisse reagieren“, so Rekowski.

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Präses fordert „inhaltliche Auseinandersetzung“ mit der AfD

Rechtspopulisten benutzten für ihre Politik das Etikett „christlich“, auch wenn ihre Positionen der christlichen Botschaft deutlich widersprächen, kritisierte Rekowski. Christen könnten zwar grundsätzlich in politischen Fragen unterschiedlicher Meinung sein, doch es gebe „so etwas wie ein falsches Zeugnis“, etwa wenn die AfD ihre Politik mit einer diffusen „religiösen Überlieferung des Christentums“ begründe. Die Kirche müsse deutlich machen, dass Christen zur Nächstenliebe verpflichtet seien. „Wer diese Pflicht gegenüber dem Nächsten aufkündigt, der tritt aus der Gemeinschaft der Glaubenden heraus.“ Der Hass gegen einzelne Menschen oder Menschengruppen sei „keine Alternative für Christen, sondern eine Pervertierung des Glaubens“. Mit Blick auf die Kandidatur eines Presbyters und eines pensionierten Pfarrers der rheinischen Kirche für die AfD bei den kommenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen sagte Rekowski, die Kirchenleitung setze derzeit nicht auf rechtliche Maßnahmen, sondern auf Gespräche und „inhaltliche Klärung“.

„Keine kurzschlüssige Verbindung zwischen Terror und Islam“

Angesichts des Terroranschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt sagte Rekowski: Wer „eine kurzschlüssige Verbindung zwischen Islam und Terrorismus“ herstelle, folge „genau der Fährte, die diese Terroristen legen“. Die Kirchen müssten immer wieder betonen: „Das menschenverachtende Handeln einiger weniger Verbrecher beruft sich zu Unrecht auf die Religion des Islam, der mehr als eine Milliarde Menschen angehören, die in Frieden leben wollen.“ Auch Muslime seien aber gefordert, sich deutlicher vom Terror zu distanzieren. „Wenn sich der Attentäter von Berlin in Moscheen in Nordrhein-Westfalen aufgehalten hat, dann ist es dringend notwendig, dass es zu klaren Abgrenzungen seitens dieser Moscheegemeinden kommt“, so Rekowski. Auf ihrer nächsten Sitzung im Januar 2018 soll sich die Landessynode grundsätzlich mit dem Verhältnis der rheinischen Kirche zum Islam beschäftigen.

„Ökumene unter einem Dach“ statt Lehrgesprächen

Zur Ökumene mit der katholischen Kirche regte Rekowski an, verstärkt gemeinsame Einrichtungen der beiden großen Kirchen anzustreben, etwa in Form von Arbeitsgemeinschaften der evangelischen Diakonie und der katholischen Caritas. Solche „Ökumene unter einem Dach“ setze keinen „Konsens in allen Lehrfragen“ voraus und sorge deshalb für mehr Bewegung im Verhältnis der Kirchen als weitere Lehrgespräche. Ein positives Beispiel sei etwa das seit 2014 bestehende Ökumenische Gemeindezentrum Frankental in Stolberg (Kirchenkreis Aachen), das finanziell und rechtlich zu je 50 Prozent von evangelischer und katholischer Kirche getragen werde. Gerade im ländlichen Raum würden solche gemeinsamen Lösungen in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Die rheinische Kirche hat 2,6 Millionen Mitglieder in 704 Gemeinden.

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