Mittwoch • 20. Juni
Jugend- und Gemeinschaftstag
11. Juni 2018

Präses Diener: Christen können keine Nationalisten sein

„Mein Wunsch ist, dass wir als Christen dazu beitragen zusammenzubleiben“, sagte Michael Diener (links). Foto: idea/Schubert
„Mein Wunsch ist, dass wir als Christen dazu beitragen zusammenzubleiben“, sagte Michael Diener (links). Foto: idea/Schubert

Bad Blankenburg (idea) – Christen stehen in der Verantwortung, dem Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenzuwirken. Diese Ansicht vertrat der Präses des Evangelischen Gnaudauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener (Kassel), auf dem Jugend- und Gemeinschaftstag des Thüringer Gemeinschaftsbundes am 10. Juni in Bad Blankenburg. In einem Seminar zum Thema „Gnadau, Kirche, Gesellschaft – wohin?“ sagte er, unter den Pietisten gebe es sowohl Freunde einer offenen Gesellschaft als auch Menschen mit Angst vor Überfremdung und dem Islam. „Mein Wunsch ist, dass wir als Christen dazu beitragen zusammenzubleiben“, so Diener, der auch dem Rat der EKD angehört. Er rief dazu auf gegenzusteuern, „wo einseitige Parolen zu laut werden“. Die aktuell stark vertretene nationalistische Bewegung in Deutschland sei fatal. Christen dürften ihre Anhänger aber nicht verteufeln oder ausgrenzen, sondern seien gefordert, das Gespräch zu suchen, „auch wenn das oft ein mühsamer Weg ist“. Diener mahnte in diesem Zusammenhang auch zu einem zurückhaltenden Umgang mit den Begriffen Heimat und Nation: „Christen können eigentlich keine Nationalisten sein, denn unsere Heimat ist der Himmel.“

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Lebensrecht: Das Leben schützen, wo es nur geht

Der Präses warnte weiterhin vor einer pauschalisierenden Ablehnung des Islams. So könnten viele friedlich lebende Muslime nicht für die extremistischen Taten Einzelner verantwortlich gemacht werden. Zum Thema Lebensrecht sagte er: „Jede Abtreibung ist eine Abtreibung zu viel. Wir müssen das Leben schützen, wo es nur geht.“ Dabei spiele jedoch nicht allein das Strafrecht eine Rolle. „Es geht vor allem auch um Angebote zur Begleitung in Notsituationen.“ Auch zum Umgang der Gemeinden mit Homosexualität äußerte er sich: „Ich bin mir sicher: Alle Verantwortlichen, die in ihren Gemeinden mit Homosexuellen zusammenarbeiten, handeln aus dem Verständnis der Heiligen Schrift heraus.“ Keiner von ihnen wolle damit die Bibel infrage stellen. Es gebe stattdessen schlicht Uneinigkeit in Verständnis und Auslegung der Heiligen Schrift.

Die Gemeinschaftsbewegung ist eine Christusbewegung

Im Festgottesdienst sagte Diener, die Gemeinschaftsbewegung im 21. Jahrhundert sei eine Christusbewegung: „Wir wollen in allem Handeln auf Christus sehen, aus Christus leben und auf ihn hin leben.“ Zugleich warnte er davor, im Alltag andere Dinge zu viel Raum gewinnen zu lassen. So seien insbesondere „das alleinige Streben nach Macht, Sexualität und das falsche Verhältnis zu Geld durch die Jahrtausende hindurch die großen Versucher der christlichen Gemeinde“. Der Blick auf Christus aber zeige Barmherzigkeit, Vergebung und Liebe. Diese Haltungen sollten sich auch im Wesen der Gemeinschaft wiederfinden. Der Thüringer Gemeinschaftsbund wurde 1906 gegründet. Er ist an rund 85 Orten aktiv und erreicht etwa 1.300 Menschen. Inspektor ist Johannes Ott (Schmalkalden).

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