Mittwoch • 17. Januar
Kritik zurückgewiesen
31. Dezember 2017

Pfarrer Reiche: Meine Predigt wurde parteipolitisch missverstanden

Der evangelische Pfarrer Steffen Reiche. Foto: idea/Kwerk.eu
Der evangelische Pfarrer Steffen Reiche. Foto: idea/Kwerk.eu

Berlin (idea) – Der evangelische Pfarrer Steffen Reiche (Berlin) hat die Kritik des Chefredakteurs der Tageszeitung „Die Welt“, Ulf Poschardt, an seiner Weihnachtspredigt zurückgewiesen. Poschardt hatte auf Twitter geschrieben: „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht.“ Der Journalist löste damit eine Debatte in den sozialen Netzwerken aus. Pfarrer Reiche – ehemaliger SPD-Landesvorsitzender und Minister im Bundesland Brandenburg – hatte in seiner Predigt unter anderem die Politik der Präsidenten Donald Trump (USA), Wladimir Putin (Russland) und Recep Tayyip Erdoğan (Türkei) gegeißelt. Trump und Erdoğan nannte er „Staatsverführer“. Der US-Präsident glaube noch immer, „dass, wenn man den Reichsten nur genug Steuern erlässt, für die Armen schon genug übrig bleibt“. Putin habe „eine neue Spirale des Wettrüstens in Gang gesetzt“. Erdoğan sehe wie einst Stalin, Hitler oder Mao überall Feinde, „die ihn an seiner absoluten Macht hindern wollen“. Reiche kritisierte aber auch die islamische Gemeinschaft (Umma). Unter Bezug auf das Verbrennen israelischer Fahnen durch arabische Demonstranten vor kurzem in Berlin sagte er, leider habe man es „nicht ein einziges Mal erlebt, dass die Umma weltweit aufstand und die schwarzen Fahnen des IS verbrannte und den ‚Islamischen Staat‘ als unislamisch geißelte“.

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Reiche: Jusos und Grüne würden vieles nicht so sagen wie ich

In einem Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“ sagte Reiche zu der Kritik von Poschardt, dieser habe die Predigt „nicht wirklich zu Ende gehört“. Sonst hätte er sie „nicht parteipolitisch missverstanden“. Für vieles, was er gesagt habe, würden ihn Jungsozialisten oder Grüne vorladen, „wenn sie könnten, weil sie es niemals so sagen würden“. Als Beispiel nannte Reiche seine Aussagen zum islamischen Propheten Mohammed, „der zur Gewalt bereit war“. Jesus habe dagegen gesagt „Stecke dein Schwert ein!“. Im Neuen Testament gebe es keine Stelle, auf die man sich als Christ auf die Ausübung von Gewalt berufen könnte: „Deshalb gibt es auch keine christlichen Attentäter.“ Zugleich bekräftigte Reiche seine Kritik an den Präsidenten Russlands, der Türkei und der USA: „Dort, wo Menschen das Rad der Heilsgeschichte zurückdrehen wollen, so wie Putin, Erdoğan und Trump es tun, dort muss auch und gerade zu Weihnachten widersprochen werden.“

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