Samstag • 22. Juli
Ulrich Parzany
11. Juli 2017

In der evangelischen Kirche sind die Glaubensgrundlagen bedroht

Der Vorsitzende des „Netzwerks Bibel und Bekenntnis“, Pfarrer Ulrich Parzany. Foto: Zimpfer Photography
Der Vorsitzende des „Netzwerks Bibel und Bekenntnis“, Pfarrer Ulrich Parzany. Foto: Zimpfer Photography

Kassel (idea) – In der evangelischen Kirche sind die Grundlagen des Glaubens bedroht. Die vier Prinzipien der Reformation – allein Christus, allein die Gnade, allein der Glaube und allein die Heilige Schrift – werden systematisch demontiert. Diese Ansicht vertritt der Vorsitzende des „Netzwerks Bibel und Bekenntnis“, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Parzany war Hauptredner der Evangelisation proChrist sowie CVJM-Generalsekretär. Ihm zufolge ist die Bibel in der evangelischen Volkskirche nicht mehr verbindlicher Maßstab für Lehre und Glauben. Zwar lege jeder Pfarrer ein Ordinationsgelübde auf Bibel und Bekenntnis ab, die Praxis sehe aber anders aus. Die Krise der Kirche sei eine Krise der Verkündigung, weil das Vertrauen in die Autorität der Bibel verschwunden sei.

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Auswirkung der historisch-kritischen Bibelauslegung ist „verheerend“

Die historisch-kritische Bibelauslegung beherrsche seit langem die Theologischen Fakultäten und habe auch an freikirchlichen Ausbildungsstätten Einfluss gewonnen. Dies wirke sich auf die Verkündigung in den Gemeinden verheerend aus. Parzany: „Im Grunde ist ‚Jesus Christus‘ eine Leerformel geworden, die jeder nach seinen Vorstellungen füllt.“ Viele Pfarrer sagten, es komme nicht darauf an, ob Jesus tatsächlich von der Jungfrau Maria geboren worden sei, ob er Wunder getan habe und ob er vom Tod leiblich auferstanden ist. In vielen Kirchen werde nur noch Religion betrieben, ohne mit der Wirklichkeit der Auferstehung Jesu zu rechnen.

Parzany kritisiert „Ehe für alle“ und Präses Michael Diener

Parzany äußerte sich auch zum Kurs der Deutschen Evangelischen Allianz. Sie solle sich bei Streitfragen nicht nur hinter verschlossenen Türen äußern, sondern die öffentliche Auseinandersetzung suchen. Parzany: „Wir können den Gemeinden nur dadurch Orientierung geben, dass wir öffentlich Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck bringen. Wir müssen sagen, was nach Gottes Maßstäben gilt – und wir müssen zu Fehlentwicklungen ebenso klar Nein sagen.“ Parzany bekräftigte seine Kritik am früheren Allianz-Vorsitzenden Michael Diener (Kassel). Er ist Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften) und Mitglied der Leitung der EKD – dem Rat. Das Leitungsgremium hatte kürzlich eine Stellungnahme verabschiedet, in der die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften begrüßt wird. Diener äußerte sich öffentlich nicht, ob er den Beschluss mitträgt. Dazu Parzany: „Ich halte dieses Votum für einen Skandal, der nicht unwidersprochen hingenommen werden darf.“ Eine Kirche, die einer solchen Entscheidung zustimme, werde „zum Speichellecker der Gesellschaft“.

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