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Margot Käßmann
11. Oktober 2017

Ich würde mit der AfD diskutieren

Die Reformationsbotschafterin des Rates der EKD, Margot Käßmann. Foto: picture-alliance/Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa
Die Reformationsbotschafterin des Rates der EKD, Margot Käßmann. Foto: picture-alliance/Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (idea) – Die Reformationsbotschafterin des Rates der EKD, Margot Käßmann (Berlin), kann sich eine Diskussion mit der AfD über das Thema Zuwanderung vorstellen. Das sagte sie in einem Interview mit der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (Berlin). Sie kritisierte ein Wahlplakat der AfD, das eine weiße Schwangere gezeigt und die Aussage „Neue Deutsche? Machen wir selber!“ enthalten habe. Sie verstehe es so, dass das Volk über die Blutsabstammung definiert werde und alle, die nicht dazugehörten, ausgeschlossen werden sollten: „Aber ich würde ja mit der AfD darüber diskutieren.“ Voraussetzung für eine Debatte sei gegenseitiger Respekt.

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Die Kirche ist nicht zu politisch

Käßmann vertrat ferner die Ansicht, dass ihr die Kirche nicht zu politisch sei. Wenn sie für die Bewahrung der Schöpfung eintrete und das mit ökologischen Forderungen von Parteien übereinstimme, vertrete sie damit nicht Parteipolitik. Dass sich die Kirchen für Flüchtlinge einsetzten, sei christliche Grundüberzeugung und habe mit „moralisch-christlicher Aufladung“ nichts zu tun. Das Thema werde in den Gemeinden diskutiert. Man wisse dort, dass Integration eine langfristige Aufgabe sei und „natürlich nicht alle, die angekommen sind, per se gute Menschen“ seien. Die AfD und andere rechte Gruppen heizten die Debatte an. Sie habe den Eindruck, dass jemand, der sich um Flüchtlinge kümmere, „als blöd und naiv, als Gutmensch und depperter Weltverbesser“ dargestellt werde.

Die meisten Menschen haben die Sehnsucht nach dem Gottesdienst verloren

Käßmann beklagte ferner, dass sich die meisten Menschen in seelischer Not lieber an fernöstliche Lehren und alternative Medizin wendeten anstatt an ihre Kirche. Sie hätten die Sehnsucht nach dem Gottesdienst verloren: „Das mag auch an den Kirchen liegen – aber auch am Lebensgefühl der Menschen.“

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