Mittwoch • 20. Juni
Kommunion-Streit
09. Juni 2018

Jetzt ist die Deutsche Bischofskonferenz am Zug

Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. Foto: idea/kairospress
Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. Foto: idea/kairospress

Rom/Bückeburg (idea) – In der Diskussion um die Öffnung der Kommunion für evangelische Ehepartner sieht der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke (Bückeburg), nun die (katholische) Deutsche Bischofskonferenz „am Zug“. Zum Hintergrund: Die Bischofskonferenz hatte sich mehrheitlich auf eine bisher nicht veröffentlichte Handreichung geeinigt, wonach nichtkatholische Ehepartner im Einzelfall die Kommunion empfangen können. Sieben Bischöfe baten daraufhin „Rom“ um Klärung. Ein Gespräch Anfang Mai im Vatikan brachte keine endgültige Entscheidung: Die deutschen Bischöfe sollten ihren Streit selber lösen. Am 4. Juni wurde dann ein Brief des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), bekannt. Darin heißt es, die Handreichung werfe eine Reihe ungelöster Probleme von erheblicher Tragweite auf. Papst Franziskus sei zu dem Schluss gekommen, „dass das Dokument noch nicht zur Veröffentlichung reif ist“. Manzke befand sich an dem Tag, als der Brief an die Öffentlichkeit gelangte, mit weiteren führenden Vertretern der lutherischen Kirchen in Deutschland in Rom. Wie er in einer Stellungnahme schreibt, muss die Bischofskonferenz nun auf das Schreiben reagieren: „Ihr obliegt es, im Gespräch mit Rom für eine Weiterführung dieses ökumenischen Anliegens zu sorgen – um der Menschen willen, die in konfessionsverbindender Ehe leben und die Gemeinschaft im Abendmahl nicht nur in Notlagen suchen.“

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Kein Bremsvorgang im ökumenischen Dialog

Die evangelischen Kirchen hofften „in aller Nüchternheit“ darauf, „dass die Aussagen des Papstes, nicht stehen bleiben zu wollen in der erreichten Gemeinschaft auf dem Weg zu einer sichtbaren Einheit, auch in dieser Frage eingelöst werden“. Manzke geht in seiner Stellungnahme auch auf das Grußwort des Papstes an die lutherische Delegation am 4. Juni ein. Darin hatte er gesagt, dass man auf dem Weg zur sichtbaren Einheit nicht ungestüm vorpreschen sollte. Damit ist laut Manzke kein Bremsvorgang im ökumenischen Dialog ausgerufen. In der Ansprache an die Delegation eine Abkehr von der Leidenschaft des Papstes für den Weg zu einer sichtbaren Einheit der getrennten Christenheit erkennen zu wollen, „ist auch mit viel Phantasie und Verdacht im Herzen nicht zu halten“.

EKD-Ratsvorsitzender: Triumphgeheul ist unangebracht

Ähnlich äußerte sich der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Aus dem Brief geht nicht hervor, dass das Anliegen in der Sache als illegitim zurückgewiesen wird.“ Daher sei jedes „Triumphgeheul über das Ende der Ökumene gleich von welcher Seite auch immer vollkommen unangebracht.“ Er könne sich die Haltung Roms nur so erklären, „dass einem zunächst nationalen Anliegen nun doch eine weltkirchliche Bedeutung zugemessen wird“. Weniger zuversichtlich zeigt sich der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber (Berlin), der von 2003 bis 2009 die EKD leitete. „Ökumene gibt es nur zu römischen Bedingungen“, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter. Er fügte hinzu: „Für manche eine Illusion weniger.“

Kardinal Kasper: Kein deutscher Sonderweg

Kritik an dem Schreiben übte der frühere Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper (Rom). „Es geht nicht um einen deutschen Sonderweg“, schrieb er in einem Gastbeitrag für die Internetplattform katholisch.de. Vielmehr kenne das gültige Kirchenrecht schon jetzt eine Einzelfallregelung. Er halte es für gut, sie „aus dem Grauschleier des Unerlaubten, Halberlaubten oder nur Geduldeten herauszunehmen“. Als Lösung, um der „unsäglichen Diskussion“ ein Ende zu bereiten, empfiehlt er eine Regelung, wie er sie in skandinavischen und angelsächsischen Ländern kennengelernt habe: „Protestanten können vortreten, die rechte Hand aufs Herz leben und so den Segen erbitten. Sie nehmen dann an der Eucharistie in der ihnen möglichen Weise teil.“ Kaspar bedauert, „dass dieser schöne Brauch bei uns bisher wenig bekannt ist“. Für den ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation im Vatikan, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ist das Ringen um den Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner „mal wieder so ein richtiges deutsches Eigentor“. Weltweite seien Menschen besorgt „über diesen Anspruch der Deutschen Bischofskonferenz, Schrittmacher und Lehrmeister zu sein für die ganze Weltkirche“, sagte Müller der „Passauer Neuen Presse“. Dort fühle man sich gegängelt und bevormundet.

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