Samstag • 21. Juli
„Hilfreiche Klärung“
23. Juni 2018

Kommunion-Streit: EKD-Ratsvorsitzender lobt Papst-Äußerung

Papst Franziskus kurz vor seinem Abflug von Genf nach Rom. Foto: picture-alliance/KEYSTONE
Papst Franziskus kurz vor seinem Abflug von Genf nach Rom. Foto: picture-alliance/KEYSTONE

München (idea) – Die Debatte um die Öffnung der Kommunion für evangelische Ehepartner hält an. Der Papst hatte am 21. Juni auf dem Rückflug von seinem Besuch beim Weltkirchenrat in Genf unter anderem gesagt, der Brief der Glaubenskongregation an die deutschen Bischöfe sei „keine ökumenische Bremse“. Zum Hintergrund: Die Bischofskonferenz hatte sich mehrheitlich auf eine bisher nicht veröffentlichte Handreichung geeinigt, wonach nichtkatholische Ehepartner im Einzelfall die Kommunion empfangen können. Sieben Bischöfe baten daraufhin „Rom“ um Klärung. Ein Gespräch Anfang Mai im Vatikan brachte keine endgültige Entscheidung: Die deutschen Bischöfe sollten ihren Streit selber lösen. Anfang Juni hieß es dann hingegen in dem Brief der Glaubenskongregation, Papst Franziskus sei zu dem Schluss gekommen, „dass das Dokument nicht zur Veröffentlichung reif ist“.

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Bedford-Strohm: Ökumene-Befürworter dürfen sich ermutigt fühlen

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford Strohm (München), nannte die Aussagen von Papst Franziskus eine „hilfreiche Klärung“. Dem Papst schwebe „ganz offensichtlich“ auf der Basis der Handreichung ein Dokument vor, das jedem Bischof in seinem Bistum als Orientierungsgrundlage dienen könne, so Bedford-Strohm auf Facebook: „Besonders interessant und auch ermutigend für uns Evangelische ist seine Feststellung, dass die geplante Handreichung zum Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner sogar restriktiver gewesen sei, als es das Kirchenrecht vorsehe.“ Es stecke also in der Sicht des Papstes im katholischen Kirchenrecht „sogar noch mehr ökumenisches Potential drin“. Der Abgesang auf den ökumenischen Fortschritt, den manche schon angestimmt hätten, sei „glücklicherweise voreilig“: „Alle, die sich in Deutschland für die Ökumene einsetzen, dürfen sich ermutigt fühlen.“

Kirchenrechtler: Für liberaler Gesinnte bleibt nun inhaltlich viel Spielraum

Anders sieht das der katholische Kirchenrechtler Thomas Schüller (Münster). Er bezeichnete die Äußerungen des Papstes als vieldeutig und teilweise kryptisch. Offensichtlich wolle Franziskus den Streit der deutschen Bischöfe dadurch befrieden, „dass er es jetzt eben jeden so machen lässt, wie er will. Inhaltlich bleibt da für die liberaler Gesinnten viel Spielraum, denen der Papst ja attestiert, sie hätten ihre Sache ‚gut gemacht‘“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“.

Papst und seine Behörden haben einen „Scherbenhaufen angerichtet“

Käme es nun tatsächlich zu Einzelfalllösungen von Bistum zu Bistum, entstünde in Deutschland ein „pastoraler Flickenteppich“. Dass der Papst und seine Behörden für ein solches Ergebnis einen derartigen „Scherbenhaufen angerichtet“ hätten, darüber könne er nur den Kopf schütteln, so Schüller. Am 25. und 26. Juni kommen die 27 Diözesanbischöfe zur turnusmäßigen Sitzung des Ständigen Rats der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz in Berlin zusammen. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte der „Bild“-Zeitung, es werde dort nicht darum gehen, „dass es am Ende einen Sieger gibt“. Es sei wichtig, dass in Berlin alle Beteiligten an einem Tisch säßen „und über die eindeutige Antwort aus Rom miteinander sprechen“.

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