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Osten
14. Juni 2017

Kirchen schrumpfen, gewinnen aber als Arbeitgeber an Bedeutung

Die evangelische und die katholische Kirche haben sich zu den größten nichtstaatlichen Arbeitgebern entwickelt. Foto: pixabay.com
Die evangelische und die katholische Kirche haben sich zu den größten nichtstaatlichen Arbeitgebern entwickelt. Foto: pixabay.com

Berlin (idea) – Obwohl die Kirchen im Osten Deutschlands weiter schrumpfen, ist der Anteil der kirchlichen Schul- und Krankenhausträger seit der Wiedervereinigung stark gestiegen. Die evangelische und die katholische Kirche haben sich zu den größten nichtstaatlichen Arbeitgebern entwickelt und beschäftigen über das Diakonische Werk und den Caritasverband 140.000 Mitarbeiter. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) zur ARD-Themenwoche „Woran glaubst du?“ hervor. So seien 1989 75 (14 Prozent) der 539 Krankenhäuser konfessionell gewesen, heute seien es 23 Prozent (60 von 266). Zum Vergleich: 1990 waren rund 30 Prozent der Bevölkerung Kirchenmitglieder, heute sind es rund 21 Prozent. Das entspreche zwar dem Anteil der konfessionellen Krankenhausträger, bilde aber „eine gegenläufige Entwicklung zu der schrumpfenden Bedeutung von Religion und Kirche“. Der Anteil von Schulen mit christlichem Hintergrund wachse stetig und liege mittlerweile bei etwa fünf Prozent. Gleichzeitig seien „Hunderte“ staatliche Schulen geschlossen worden. Das könne problematisch sein, weil „konfessionslose Eltern, die religiösen Unterricht ablehnen, in manchen ländlichen Regionen kaum eine Auswahl im schulischen Angebot haben“. Wie es weiter heißt, lässt eine Landkarte der Konfessionen „die Mauer wiederauferstehen“. Im Osten Deutschlands seien deutlich mehr Menschen konfessionslos als im Westen. Die Stadt Weimar liege mit 94,1 Prozent Konfessionslosen deutschlandweit an der Spitze.

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Glaube hat Einfluss auf das soziale Verhalten

Ferner hat laut dem Bericht der Glauben offenbar einen Einfluss auf das soziale Verhalten. Ein hoher Anteil Konfessionsloser gehe mit überproportional vielen Teenagerschwangerschaften einher. Im Osten Deutschlands liege der Anteil unehelich geborener Kinder bei 59 Prozent (1990: 35 Prozent), im Westen bei 29 Prozent (1990: 10 Prozent). Den höchsten Anteil hat demzufolge die Stadt Brandenburg mit 70 Prozent. Umstritten sei, ob es einen Zusammenhang zwischen religiöser Bindung und Intoleranz gegenüber Ausländern sowie fremden Religionen gebe. Es sei „nicht auszuschließen“, dass die verbreitete Intoleranz gegenüber anderen Religionen an der fehlenden Bindung an eine eigene Religion liege. Im Osten sprechen sich 59 Prozent dafür aus, politisch verfolgte Flüchtlinge nur begrenzt ins Land zu lassen (West: 50,5 Prozent). Dort sind zudem nur rund 15,5 Prozent der Meinung, dass es an staatlichen Schulen neben dem christlichen Religionsunterricht auch einen Islamunterricht geben sollte (West: 41,9 Prozent). 68,6 Prozent sind der Auffassung, dass es gar keinen Religionsunterricht geben sollte (West: 35,0 Prozent).

Warum die Kirchen 1995 einen Austrittshöhepunkt erlebten

Im Rahmen des Datenprojekts werden auch die Kirchenaustritte beleuchtet. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sie immer dann zunehmen, wenn finanzielle Einbußen bestehen oder zu erwarten sind. Den Austrittshöhepunkt erlebten die beiden Kirchen demzufolge im Jahr 1995, als der Solidaritätszuschlag wieder und ein Aufgeld für die Pflegeversicherung neu eingeführt wurden. Eine weitere Austrittswelle habe es im Zuge der Euroeinführung und dem neu geregelten Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge gegeben.

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