Dienstag • 17. Juli
Landessynode
08. Juli 2018

Kirche kritisiert „Abwärtsspirale des Flüchtlingsschutzes“

Die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg tagte vom 5. bis 7. Juli in Ulm. Foto: EMH/Gottfried Stoppel
Die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg tagte vom 5. bis 7. Juli in Ulm. Foto: EMH/Gottfried Stoppel

Ulm (idea) – Kritik an einer zunehmend abweisenden Haltung gegen Flüchtlinge ist in der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg laut geworden. Sie tagte vom 5. bis 7. Juli in Ulm. Die Synodalen beschäftigten sich in einer Aktuellen Stunde mit der Frage „Was bedeutet es heute, eine flüchtlingsbereite Kirche zu sein?“. Der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl (Synodaler Gesprächskreis „Evangelium und Kirche“), kritisierte, dass AfD-Politiker Strafanzeige gegen Hilfsorganisationen erstattet haben, die im Mittelmeer Flüchtlinge retten und in europäische Häfen bringen. Die AfD wirft Organisationen wie Sea Watch“ vor, damit Schlepper zu unterstützen und Ausländer in Europa einzuschleusen. Gohl sagte: „Stellen Sie sich vor, der barmherzige Samariter hilft jemandem und wird deshalb angezeigt. Genau das macht die AfD gerade.“ Er nannte es den „Start in die Barbarei“, Menschen sehenden Auges im Meer ertrinken zu lassen. Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Württemberg, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann (Stuttgart), vertrat die Ansicht, dass in Deutschland und den Nachbarstaaten „eine Abwärtsspirale des Flüchtlingsschutzes“ zu beobachten sei. Nach seinen Worten müssen sich die Christen in Europa dafür stark machen, „alle Flüchtlingshelfer zu stützen, die gefährdet sind und bedroht werden“.

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Retter im Mittelmeer nicht als Schleppergehilfen diffamieren

Die Synodale Franziska Stocker-Schwarz (Stuttgart/„Lebendige Gemeinde“) forderte mehr Respekt gegenüber Hilfsorganisationen, die im Mittelmeer tätig seien. Sie dürften nicht als Schleppergehilfen diffamiert werden: „Einen Menschen aufzunehmen und zu retten, ist ein göttliches Gebot.“ Mehrere Synodale plädierten dafür, etwas gegen die Fluchtursachen zu tun. Dieter Abrell (Stuttgart/„Lebendige Gemeinde“) sagte, in den Herkunftsländern der Flüchtlinge fehlten Lebensressourcen wie Geld, Bildung und medizinische Versorgung. Deshalb sei es wichtig, anerkannte Hilfsorganisationen wie „Brot für die Welt“ und „Christliche Fachkräfte International“ zu unterstützen.

Politische Machtkämpfe nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge austragen

Marina Walz-Hildenbrand (Stuttgart/„Offene Kirche“) wandte sich dagegen, eine Flüchtlingskrise herbeizureden, wie das Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mache. Politische Machtkämpfe würden auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen. Die Antwort auf die Migrationswelle dürfe nicht Abschottung sein. Es müssten endlich Regelungen für eine legale Zuwanderung gefunden werden, so die Rechtsanwältin. Laut Markus Mörike (Münsingen/„Offene Kirche“) muss die Kirche zeigen, dass sie an der Seite der Geflüchteten stehe.

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