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Katholischer Theologe
12. Juli 2017

„Ehe für alle“ vertieft Gegensatz der Kirchen

Der Theologieprofessor Eberhard Schockenhoff. Foto: picture-alliance/dpa
Der Theologieprofessor Eberhard Schockenhoff. Foto: picture-alliance/dpa

Freiburg (idea) – Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften durch den Bundestag lässt auch den Gegensatz zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche größer werden. Davon ist der Theologieprofessor Eberhard Schockenhoff (Freiburg) überzeugt. Wie er in der Freiburger Kirchenzeitung „Konradsblatt“ schreibt, „vertieft sich der ökumenische Dissens im Eheverständnis, das bislang in seinen Kernelementen von beiden christlichen Kirchen gemeinsam vertreten wurde“. Die Leitung der EKD, der Rat, hatte die Öffnung begrüßt. Nach ihrer Ansicht wird die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau dadurch „keineswegs geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen“. Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), sagte ferner bei einem Freiluftgottesdienst am 9. Juli in Fürth (Mittelfranken), dass Jesus Christus sich an keiner Stelle im Neuen Testament gegen Homosexualität ausgesprochen habe. Für ihn, so Bedford-Strohm, sei „ganz zentral“, was über die Verkündigung Jesu gesagt werde: „Und das ist die Liebe.“

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Wenn die Kirche die Zweigeschlechtlichkeit der Ehe ablehnt, wird sie dem Wort Jesu untreu

Schockenhoff zufolge beruht das Eheverständnis der katholischen Kirche auf den in Genesis 1 und 2 überlieferten Schöpfungserzählungen, auf die Jesus in einem Streitgespräch mit den Pharisäern zurückgreife (Markus 10,6). Dieser Vorgabe entsprechend sei die Ehe eine unauflösliche Lebensgemeinschaft von Frau und Mann, die dafür offen sei, Kinder zu zeugen und zu erziehen. Die vier Pfeiler der Ehe seien Freiheit, Treue, Unauflöslichkeit und Fruchtbarkeit im sozialen wie biologischen Sinn. Schockenhoff: „Würde die Kirche an einem dieser Kennzeichen Abstriche vornehmen und etwa die Unauflöslichkeit der Ehe, ihre Zweigeschlechtlichkeit oder das Erfordernis ehelicher Treue und die Bereitschaft zum Kind zur Disposition stellen, würde sie dem Wort und der Weisung Jesu untreu, die ihrem seelsorglichen Handeln als oberste Richtschnur dienen sollen.“ Ebenso müsse sie daran festhalten, dass eine Ehe nach biblischem Verständnis die Lebensgemeinschaft von Frau und Mann sei.

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