Dienstag • 22. Mai
Katholikentag
12. Mai 2018

Diskussion mit einem AfD-Vertreter gestört

Der Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz. Foto: Katholikentag
Der Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz. Foto: Katholikentag

Münster (idea) – Der Auftritt des kirchenpolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz (Uhingen bei Stuttgart), hat zu heftigen Diskussionen auf dem 101. Katholikentag in Münster geführt. Er nahm am 12. Mai an einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Nun sag’, wie hast Du’s mit der Religion? Die Haltung der Bundestagsparteien zu Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft“ teil. Zu Beginn der Veranstaltung störte eine kleine Gruppe von Besuchern den Ablauf mit einem Sprechchor „Kein Frieden mit der AfD!“. Andere Teilnehmer der Veranstaltung antworteten mit „Haut ab!“ Die Störer wurden nach wenigen Minuten von Helfern des Katholikentages aus dem Saal gebracht. Die Veranstaltung wurde aber immer wieder durch Zwischenrufe aus dem Publikum gestört.

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Linke Politikerinnen unterstützten die Proteste

Die religionspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion „Die Linke“, Christine Buchholz (Offenbach), zeigte in der Diskussion auf dem Podium Verständnis für die Proteste gegen den Auftritt des AfD-Politikers. Seine Partei leiste einen Beitrag zum Aufbau einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Minderheiten diskriminiert würden. Sie rücke „Schritt für Schritt weiter nach rechts“. So dulde sie in ihren Reihen Politiker wie Björn Höcke und André Poggenburg, die durch nationalistische und fremdenfeindliche Äußerungen aufgefallen seien. „Die Verbrechen des Faschismus dürften sich in Deutschland nicht wiederholen“, so Buchholz. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Kerstin Griese (SPD), sagte, für sie seien viele Positionen der AfD nicht mit christlicher Nächstenliebe vereinbar. Die religionspolitische Sprecherin der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Bettina Jarasch, kritisierte, dass die AfD Muslimen in Deutschland nicht die gleichen Rechte zugestehen wolle wie Christen. Das sei nicht mit dem christlichen Menschenbild vereinbar.

Volker Münz: Die AfD tritt dafür ein, dass Deutschland christlich geprägt bleibt

Münz wies die Vorwürfe zurück. Die AfD setze sich dafür ein, dass Deutschland ein christlich geprägtes Land bleibe. Die Partei gestehe den Muslimen in Deutschland Religionsfreiheit zu. Das bedeute aber nicht, dass „der Islam zu Deutschland gehört“. Der Islam mache „nicht das Wesen unseres Landes aus, denn unsere Kultur und Rechtsordnung basieren auf dem Christentum“. Zu den nationalistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen anderer AfD-Politiker sagte Münz, er könne „nicht für alle Menschen in meiner Partei den Kopf hinhalten“. Er lasse sich am Parteiprogramm messen, in dem sich die AfD zu den christlichen Wurzeln der Demokratie bekenne. Der Auftritt des AfD-Politikers auf dem Katholikentag hatte bereits im Vorfeld eine öffentliche Debatte ausgelöst. So hatten 47 katholische Theologen in einer „Münsteraner Erklärung für eine mutige Kirche“ gefordert, ihn wieder auszuladen. Seine Teilnahme an einer Veranstaltung des Kirchentreffens stelle „eine Normalisierung einer menschenfeindlichen und hasserfüllten Politik dar“.

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