Donnerstag • 29. September
„Die Welt“ Einschätzung
30. Januar 2016

„Jetzt streiten die Frommen untereinander“

. l.: Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Pfarrer Michael Diener, und der frühere ProChrist-Hauptredner Ulrich Parzany. Fotos: idea/kairospress, proChrist
. l.: Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Pfarrer Michael Diener, und der frühere ProChrist-Hauptredner Ulrich Parzany. Fotos: idea/kairospress, proChrist

Berlin (idea) – „Der Streit über Schwule entzweit deutsche Evangelikale.“ Zu dieser Einschätzung kommt die Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin) in ihrer Online-Ausgabe vom 30. Januar in der Überschrift. Das Blatt erinnert an ein Interview, das ihm der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz und Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Michael Diener (Kassel), im Dezember gegeben hatte. Durch seine darin geäußerten „liberalen Thesen“ sei er „unter heftigen Beschuss durch Bibeltreue geraten“. Das Interview habe die Evangelikalen in eine Krise gestürzt. Diener hatte die theologisch konservativen Protestanten zu mehr Gelassenheit gegenüber Homosexuellen sowie zu mehr Selbstkritik und religiöser Toleranz aufgerufen. Es habe daraufhin Protestversammlungen und öffentliche Erklärungen gegeben. Zwar habe Diener nun „um Entschuldigung“ gebeten, doch seine Kritiker gäben sich nicht damit zufrieden. Wörtlich heißt es: „Viele Evangelikale empört besonders, dass ihr oberster Repräsentant keinen unnachgiebigen Widerstand gegen den liberalen Mehrheitsprotestantismus in der Evangelischen Kirche in Deutschland leiste.“ Auf Kritik stoße auch, dass er bereit sei, praktizierende Homosexuelle als Mitarbeiter in Gemeinden zu akzeptieren, im eigenen Lager Tendenzen zur Selbstgerechtigkeit sehe und zu viel Verständnis für die Betätigung von EKD-Geistlichen im interreligiösen Dialog mit Juden und Muslimen habe. „Die Welt“ hält es für bemerkenswert, „dass über all diese Themen jetzt die Frommen untereinander streiten.“

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Erklärung „wie eine Vorstufe zur Rücktrittsforderung“

Die Zeitung sieht Bruchlinien zwischen den rund 300.000 Pietisten in den Landeskirchlichen Gemeinschaften, die Dieners „Reformansätze“ stützen würden (der Gnadauer Verband habe Diener „das vollste Vertrauen“ ausgesprochen), und den anderen unter den 1,4 Millionen Evangelikalen innerhalb der Deutschen Evangelischen Allianz. „Die Welt“: „Dort gibt es eine starke Gruppe von harten EKD-Verächtern.“ Zu den Wortführern gehöre Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel). Er sei zwar mit Diener befreundet, „aber in der Sache völlig überkreuz“. So habe er Diener nicht nur einen geharnischten Brief geschrieben, sondern 60 Gleichgesinnte zu einem Protesttreffen nach Kassel eingeladen. Dort habe man das „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ gegründet und ein Kommuniqué veröffentlicht. Nach Einschätzung der „Welt“ handele es sich dabei um „eine offene Kampfansage an Diener“. Eine Passage in der Erklärung lese sich „wie eine Vorstufe zur Rücktrittsforderung“: „In vielen Gemeinden und Gemeinschaften besteht Besorgnis darüber, welchen Kurs führende Repräsentanten der evangelikalen Bewegung steuern.“

„Die Welt“: Diener entschuldigte sich, nahm aber nichts zurück

Um die Auseinandersetzung zu beruhigen, habe Diener daraufhin eine „persönliche Erklärung“ abgegeben. Darin habe er sich zwar entschuldigt, doch keine seiner Äußerungen zurückgenommen. Parzany habe daher öffentlich gefragt, ob Diener seine Erklärung „als Person“ oder „Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz“ abgegeben habe. Die „Unklarheiten“ darüber sorgten weiter für „Irritationen“. Nach Einschätzung der „Welt“ könnte es über die Meinungsverschiedenheiten zu einem Bruch kommen.

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