Freitag • 20. Januar
Hahne in Wittenberg
08. Januar 2017

Auf der Kanzel keine Parteipolitik betreiben

Der Fernsehjournalist Peter Hahne auf der Kanzel in der Stadtkirche von Lutherstadt Wittenberg. Foto: Michael Hobrack
Der Fernsehjournalist Peter Hahne auf der Kanzel in der Stadtkirche von Lutherstadt Wittenberg. Foto: Michael Hobrack

Lutherstadt Wittenberg (idea) – Pfarrer und Prediger sollten auf der Kanzel keine Parteipolitik betreiben, sondern diese den Politikern überlassen. Diese Ansicht vertrat der Fernsehjournalist Peter Hahne bei einem Gottesdienst zum Auftakt der Gebetswoche der Deutschen Evangelischen Allianz am 8. Januar in der Stadtkirche von Lutherstadt Wittenberg. Hahne zufolge scheint es manchen Pfarrern nicht zu reichen, die Erlösungsbotschaft zu verkündigen. Sie mischten sich in die Parteipolitik ein, um sich wichtig zu machen. Hahne: „Da träumt der Brunnenfrosch vom großen Ozean, und merkt nicht, wie mickrig er sich damit macht.“ Aufgabe von Christen sei es aber, für Jesus Christus und seine Suche nach den Verlorenen Partei zu ergreifen. Hahne: „Unsere Partei heißt Jesus.“ Wenn die Kirche Politik mache, verliere sie an Glaubwürdigkeit, Einheit und Strahlkraft. Evangelikale Christen und die Evangelische Allianz sollten gewarnt sein, so Hahne. Die Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche von 1934 sei ein tief frommes Dokument ohne einen einzigen parteipolitischen Satz gewesen. Dennoch habe jeder gewusst, wen das Papier kritisierte. Ihre Sprengkraft habe in der biblischen Substanz gelegen, nicht in der Oberflächlichkeit banaler Politfloskeln.

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Wie ein Bürger die Flüchtlingskrise beurteilt, „geht Kirchen- und Allianzfunktionäre nichts an“

Hahne: „Wo ich am Wahltag mein Kreuzchen mache, was ich über den demokratisch gewählten US-Präsidenten Trump zu denken habe, für was ich mit wem demonstrieren darf und wie ich die Flüchtlingskrise beurteile, das geht die Funktionäre von Kirche und Allianz nichts an.“ Wer sich eine politische Meinung bilden wolle, könne sich in den Nachrichten und bei Parteien informieren. Dagegen sei es die Aufgabe der Christen anderen Menschen zu sagen „wie ich in den Himmel komme, einen gnädigen Gott kriege und mit meiner Schuld und Sterbensangst fertig werde“. Das allein mache Christen konkurrenzlos wichtig. Hahne war von 1991 bis 2009 Mitglied des Rates der EKD. Von 1983 bis 2007 gehörte er zum Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz. Bis zum 15. Januar kommen Christen aus Landes- und Freikirchen in vielen Staaten zur Gebetswoche der Evangelischen Allianz zusammen. Sie wird traditionell am Jahresanfang zum 171. Mal von dem evangelikalen Dachverband durchgeführt – in Deutschland an etwa 1.000 Orten.

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