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Theologieprofessor
10. April 2018

Gemeinsames Abendmahl: Das ist „ökumenischer Murks“

Der evangelische Theologieprofessor Ulrich H. J. Körtner. Foto: Hans Hochstoeger
Der evangelische Theologieprofessor Ulrich H. J. Körtner. Foto: Hans Hochstoeger

Wetzlar (idea) – Der evangelische Theologieprofessor Ulrich H. J. Körtner (Wien) hält die Entscheidung der katholischen Bischöfe in Deutschland, Ehepaaren unterschiedlicher Konfessionen künftig im Einzelfall die gemeinsame Teilnahme an katholischen Abendmahlsfeiern zu ermöglichen, für „ökumenischen Murks“. Die Debatte ist aktuell wieder aufgeflammt. Denn sieben Bischöfe, darunter der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, haben sich in einem Brief an den Vatikan gewandt. Sie bitten demnach den Papst, die Ende Februar von der Deutschen Bischofskonferenz mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossene, aber noch nicht final veröffentlichte pastorale Handreichung für konfessionsverschiedene Ehen auf ihre Rechtmäßigkeit zu prüfen.

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Körtner: Das Hochgebet könnte ich nicht mitbeten

Die EKD hatte die geplante Handreichung als „wichtigen Schritt auf dem Weg der Ökumene“ bezeichnet. „Für Menschen, die nicht nur ihren Glauben an Jesus Christus, sondern auch ihr Leben miteinander teilen, stellt das eine echte Erleichterung dar“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München). Körtner schreibt in einem Kommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur idea, dass damals die positive Reaktion der EKD ohne Kenntnis der Details „doch etwas voreilig“ gewesen sei: „Der vermeintliche ökumenische Fortschritt ist in Wahrheit ein ökumenischer Murks.“ Er frage sich beispielsweise, warum die Regelung nur für Protestanten in konfessionsverbindenden Ehen und nicht für alle gelte. Zudem werde es spannend sein, welche Zulassungskriterien der evangelische Ehepartner im Einzelfall erfüllen muss: „Im Raum steht die Prüffrage, ob Nichtkatholiken über das gemeinsame Glaubensbekenntnis hinaus auch das eucharistische Hochgebet innerlich mitbeten können.“ Mit dem Gebet wird in der katholischen Kirche die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu Christi vollzogen. Damit bekenne man sich, so Körtner, „zur Verehrung Marias als allzeit jungfräulicher Gottesmutter und aller Apostel, Märtyrer und Heiligen, um deren himmlische Fürsprache Gott gebeten wird“. Dazu der Theologieprofessor: „Ich muss gestehen, das könnte ich nicht.“ Es würde ihn aber nicht wundern, „wenn uns eines Tages ökumenische Kompromissformeln präsentiert werden, die uns auch noch das katholische Hochgebet als gut evangelisch verkaufen wollen“.

Konfessionskundliches Institut: Unterschiedliche Regelungen in den Bistümern

Der Catholica-Referent des Konfessionskundlichen Instituts des Evangelischen Bundes, Martin Bräuer (Bensheim/Südhessen), sagte idea, dass er auf eine Lösung hoffe, die den konfessionsverschiedenen Ehepaaren entgegenkomme. Da die Handreichung der Bischofskonferenz noch nicht veröffentlicht sei, sei auch derzeit noch nicht mit einer Antwort aus dem Vatikan zu rechnen. Ferner wies er darauf hin, dass es sich laut der Bischofskonferenz um eine pastorale Handreichung und keinen Text zu einer Glaubensfrage handle. Es sei also dem einzelnen Ortsbischof überlassen, die Handreichung in Kraft zu setzen. Das könnte zu einer unterschiedlichen Regelung in den einzelnen Bistümern führen. Die Pressestelle der EKD wollte sich auf idea-Anfrage „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ nicht zu der aktuellen Debatte innerhalb der katholischen Kirche äußern.

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