Dienstag • 17. Oktober
Pro und Kontra
19. September 2017

Gehören weltliche Lieder in das Evangelische Gesangbuch?

Unter den 164 neuen Liedern befinden sich auch säkulare Hits wie „Tears in Heaven“ und die Fußballhymne „You´ll never walk alone“. Foto: pixabay.com
Unter den 164 neuen Liedern befinden sich auch säkulare Hits wie „Tears in Heaven“ und die Fußballhymne „You´ll never walk alone“. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – In Gottesdiensten der evangelischen Kirchen in Hessen werden jetzt auch englische Popsongs angestimmt. Sie sind in einem Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch enthalten. Unter den 164 Liedern befinden sich auch säkulare Hits wie „Tears in Heaven“ (Tränen im Himmel) und die Fußballhymne „You´ll never walk alone“ (Du wirst niemals alleine gehen). Soll man weltliche Lieder ins Gesangbuch aufnehmen? Dazu äußern sich zwei kirchliche Musikexperten in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

ANZEIGE

Pro: Säkulare Lieder ermöglichen eine christliche Deutung

Pfarrer Oliver Schmalz (Kassel) – im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck als Referatsleiter unter anderem zuständig für Kirchenmusik – vertritt die Ansicht, dass bekannte Popsongs Anknüpfungs- und Identifikationsmöglichkeiten bieten: „Sie enthalten vielfältige Bilder, die eine christliche Deutung ermöglichen und Menschen außerhalb kirchlicher Milieus ansprechen und erreichen können.“ Im Blick auf die Botschaft der Hymne „You´ll never walk alone“ schreibt Schmalz: „Wenn du mit Hoffnung im Herzen nach vorne gehst, wirst du nicht allein sein.“ Werde das Lied bei einer christlichen Bestattung gesungen, lade es ein zu unterschiedlichen Interpretationen. Schmalz: „Ich deute es so, dass Gott uns mit der Auferstehung seines Sohnes eine Hoffnung gegeben hat, die über den Tod hinausreicht.“

Kontra: Weltliche Lieder eignen sich nicht für den Gottesdienst

Die Gegenposition vertritt Pfarrer Matthias Hanßmann (Enzweihingen bei Ludwigsburg), Landessynodaler und Mitglied des Kuratoriums der Christlichen Musikakademie Stuttgart. Nach seinen Worten gehören säkulare Lieder nicht in ein Evangelisches Gesangbuch (EG), weil es zuerst ein Gottesdienstbuch sei: „Und ein ‚EG-Anhangliederbuch‘ muss diesem Anspruch ebenfalls gerecht werden.“ Hier gehe es nicht primär um die Frage nach Popularität, sondern um die nach geistlichen Inhalten. Hanßmann: „Es ist eben ‚Gottesdienst‘ und nicht ‚offener Jugendabend‘.“ Säkulare Songs seien keine gottesdienstlichen Lieder. Sie hätten einen anderen „Sitz im Leben“. Daher gehörten sie nicht in das Gesangbuch.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser fünf Tage kommentiert werden.

17 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Streitgespräch Reformation: Wie soll es nach den Jubelfeiern weitergehen?
  • Pro & Kontra Ist es unchristlich, den Familiennachzug auszusetzen?
  • Reformation Es gibt genug Gründe, bewusst und dankbar zu feiern
  • Beziehung Als Christ allein in der Ehe
  • Lebenseinstellung Maxi, hast du „Danke“ gesagt?
  • mehr ...
ANZEIGE