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Theologe
09. Juni 2018

Evangelische Kirche sollte endlich wieder über den Glauben reden

Der Historiker und Theologe Benjamin Hasselhorn. Foto: Privat
Der Historiker und Theologe Benjamin Hasselhorn. Foto: Privat

Hamburg (idea) – Der Historiker und Theologe Benjamin Hasselhorn (Wittenberg) hat die evangelische Kirche aufgefordert, auf die Kritiker an ihrer Politisierung zu hören. Mittlerweile reagierten nicht nur die Medien, sondern auch das steuerzahlende Kirchenvolk, schreibt er im Hamburger Abendblatt. Es habe keine Lust mehr, „Gottesdienste zu ertragen, die entweder so politisiert sind, dass sie wie eine schlechte Imitation der ,Tagesthemen’ wirken, oder so banal, dass man glaubt, in einen Kindergottesdienst für Große geraten zu sein“.

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Befürchtung: „Heraufziehende Kultur des totalen Meinungskrieges“ wird befördert

Wenn die Kirche eine Zukunft haben wolle, dann sollte sie wieder lernen, über Glaubensfragen zu reden und nicht auf das vermeintlich einfachere Feld der Gesellschaftspolitik ausweichen. Die große Gefahr der Politisierung sei ein „politisch-moralisches Pharisäertum“, das die in der Gesellschaft heraufziehende „Kultur des totalen Meinungskrieges“ noch befördere. Anstatt zur Mäßigung in der politischen Diskussion aufzurufen, verleihen Hasselhorn zufolge die Politisierer in der evangelischen Kirche einer Position einen Heiligenschein und brandmarkten die anderen als böse.

Ratschlag: Auf die Zwei-Reiche-Lehre besinnen

Dieser Gefahr könnte die Kirche entgehen, wenn sie sich wieder auf eine lutherische Tradition der Zwei-Reiche-Lehre besinne. Der Reformator Martin Luther (1483–1546) habe sie 1523 in einem einzigen Satz zusammengefasst: „Wenn nun jemand die Welt nach dem Evangelium regieren wollte (...), er würde den bösen, wilden Tieren die Stricke und Ketten lösen.“ Politisches Engagement eines Christen sollte laut Hasselhorn zum Ziel haben, die staatliche Ordnung zu erhalten. Das sei sicher viel langweiliger als das Schaffen einer besseren Welt. Es eigne sich auch nicht dazu, sich moralisch über seine Mitmenschen zu erheben: „Aber dafür birgt es die Chance, tatsächlich Gutes zu bewirken.“ Hasselhorn arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Er ist Autor des Buches „Das Ende des Luthertums?“.

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