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Prof. Duchrow
23. Mai 2018

EKD distanziert sich von antiisraelischen Aussagen eines Theologen

Der Theologieprofessor Ulrich Duchrow hatte Israel als „Extrem der gewalttätigen Eroberungskultur“ bezeichnet. Foto: picture-alliance/ZB
Der Theologieprofessor Ulrich Duchrow hatte Israel als „Extrem der gewalttätigen Eroberungskultur“ bezeichnet. Foto: picture-alliance/ZB

Hannover/Leipzig (idea) – Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich von den Äußerungen des Theologieprofessors Ulrich Duchrow (Heidelberg) distanziert, die in Medien als antisemitisch kritisiert werden. Es geht um seinen Beitrag „Unterdrückung über Ausbeutung hinaus – Das Beispiel Palästina/Israel in theologischer Perspektive“. Der Text war 2016 in einem Sammelband mit dem Titel „Armut und Ausgrenzung überwinden“ erschienen. In ihm äußerten sich unter anderen auch der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), die ehemaligen Ratsvorsitzenden Margot Käßmann und Wolfgang Huber (beide Berlin) sowie der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie (Berlin), zur sozialen Gerechtigkeit. Die Tageszeitung „Die Welt“ und die Wochenzeitung „Die Zeit“ griffen die Äußerungen Duchrows in ihrer aktuellen Berichterstattung auf. welt.de tat dies unter der Überschrift „Christlicher Antisemtismus: Mit der Bibel gegen Israel“. Duchrow beschuldigt Israel in seinem Beitrag von 2016 schlimmster humanitärer Verbrechen gegenüber der Bevölkerung Palästinas und spricht vom „Missbrauch der Bibel im Interesse des Siedlerkolonialismus mit seinen ethnischen Säuberungen und der Apartheid“. Er verweist dabei auf Stellen aus dem Alten Testament. So habe Gott mit dem Volk einen Bund geschlossen, der auf Gerechtigkeit beruhe. Israel aber versuche, „Menschen minderen Rechts komplett loszuwerden und die Übrigbleibenden zu gettoisieren wie in Gaza“. Duchrows Fazit lautet: „Im westlichen Imperium ist Israel also das Extrem der westlichen kolonialistischen, kapitalistischen, imperialen, wissenschaftlich-technischen gewalttätigen Eroberungskultur der letzten 500 Jahre.“

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EKD: Keine finanzielle Beteiligung an dem Sammelband

Auf Anfrage teilte ein EKD-Sprecher der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mit, dass sich die EKD „inhaltlich ausdrücklich“ vom Text Duchrows in dem Sammelband distanziere. Er stehe in keinerlei Zusammenhang zu Veröffentlichungen der EKD oder anderen Beiträgen in dem Band. Eine finanzielle Beteiligung an der Publikation habe es entgegen anderslautender Medienberichte nicht gegeben. Der Sprecher verwies zudem auf die Erklärung des Rates der EKD vom 20. April. Darin verurteilt das Leitungsgremium Antisemitismus als Gotteslästerung. Ebenso erschien im Herbst 2017 eine Broschüre zu der Thematik. Darin heißt es: „Die EKD verurteilt jede Form von Antisemitismus scharf.“ Kritik am Beitrag Duchrows hatte auch der Internationale Rat der Juden und Christen (ICCJ) geübt. Er beklagte in einer Mitteilung Ende des vergangenen Jahres einen Zuwachs von Antizionismus und Israel-Boykottkampagnen im deutschsprachigen Kirchenumfeld. Die Organisation verwies dabei unter anderem auch auf den besagten Sammelband. Der ICCJ vertritt die Interessen von 40 jüdisch-christlichen Dialogorganisationen weltweit. Der Sammelband ist inzwischen nicht mehr lieferbar, wie der Geschäftsführer der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig, Sebastian Knöfel, auf idea-Anfrage mitteilte.

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