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Menschenbild
28. Dezember 2017

Diakonische Einrichtung weist Spende von AfD-Politiker zurück

Die Diakonie schickte eine Spende von 100 Euro zurück. Foto: pixabay.com
Die Diakonie schickte eine Spende von 100 Euro zurück. Foto: pixabay.com

Berlin (idea) – In Thüringen hat eine diakonische Einrichtung die Geldspende eines AfD-Bundestagsabgeordneten zurückgewiesen mit der Begründung, das Menschenbild seiner Partei passe nicht zu dem von Diakonie und Kirche. Wie die Bild-Zeitung berichtet, besuchte kürzlich der AfD-Bundestagsabgeordnete Anton Friesen die „Sonnenberger Tafel“ des evangelischen Diakoniewerks in seinem Thüringer Wahlkreis. Dort spendete der 32-Jährige 100 Euro für die Arbeit der Suppenküche. Doch wenige Tage später erhielt er sein Geld mit besagter Begründung zurück. Friesen antwortete umgehend: „Liebe Diakonie, liebe Sonnenberger Tafel, Sie haben völlig recht: Die Positionen der AfD sind mit denen der Evangelischen Kirche unvereinbar. Die AfD nämlich hält an christlichen Werten fest, während Sie das Christentum verraten und verkauft haben.“

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Ramelow: Als Christ habe ich Respekt vor der Entscheidung

Der Vorfall hat eine Debatte entfacht über die Frage, ob Organisationen und Vereine, die von Spenden leben, Gaben der AfD ablehnen sollten. Der Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, Bodo Ramelow (Die Linke), sagte, als Christ habe er Respekt vor der Entscheidung der Diakonie in Sonneberg. Nach Ansicht von Grünen-Politiker Konstantin von Notz darf die Diakonie frei entscheiden, von wem sie Geld annimmt: „Aufgedrängte Bereicherung von der AfD muss niemand dulden.“ Wie der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sagte, hat die Diakonie das gute Recht, die Spende zurückzuweisen. Schließlich kam sie explizit von Friesen als AfD-Politiker „und nicht als normalem Menschen, der etwa Geld in den Klingelbeutel steckt“.

Hahne: Als Konsequenz allen AfD-Wählern die Kirchensteuern zurückzahlen

Anders äußerte sich Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: „Von echter Überzeugung getragene Spenden für unsere Arbeit, die sich bedingungslos allen Menschen zuwendet, sind für uns immer Grund zur Freude.“ Der DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann bezeichnete das Nein der Diakonie zu den 100 Euro von Friesen als „ausgesprochen dumm“. Es sei eine Chance zum Gespräch vertan worden: „Der konkrete Mensch, der ja offensichtlich den Wunsch verspürte, den Armen zu helfen, wurde ignoriert, seine Anteilnahme nicht ernst genommen.“ Der Journalist und Bestsellerautor Peter Hahne erklärte: „Konsequente Kirchen werden jetzt sicher auch alle Listen durchforschen, um die Kirchensteuer der AfD-Funktionäre und der über sechs Millionen AfD-Wähler zurückzuzahlen.“ Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, nannte es „skandalös“, dass Organisationen, die durch Steuergelder gefördert würden und insbesondere in der Weihnachtszeit Spenden beim „kleinen Bürger“ einsammelten, ein derartiges Verhalten an den Tag legen.

Kirchenpolitischer Sprecher: Die gegen Ausgrenzung sind, grenzen selbst aus

Der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, so etwas habe er bisher noch nicht erlebt. Die brüske Zurückweisung einer Geldzuwendung für Bedürftige sei nicht mit der christlichen Nächstenliebe vereinbar. Kirchliche Stellen maßten sich an, die Hilfsbereitschaft eines Einzelnen anzugreifen und Barmherzigkeit von der Parteizugehörigkeit abhängig zu machen. Münz: „Diejenigen, die angeblich gegen Ausgrenzung sind, grenzen selbst aus. Welch eine Heuchelei!“

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