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Ekkehart Vetter
16. April 2018

Deutsche Evangelische Allianz formuliert ihre Glaubensbasis neu

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Pastor Ekkehart Vetter. Foto: Privat
Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Pastor Ekkehart Vetter. Foto: Privat

Bad Blankenburg (idea) – Die Deutsche Evangelische Allianz hat am 12. April eine neu formulierte Glaubensbasis veröffentlicht. Wie ihr Vorsitzender, Pastor Ekkehart Vetter (Mülheim/Ruhr), dazu in einem Schreiben erläutert, war der erste Grundlagentext bereits 1846 bei der Gründung der Allianz in London verabschiedet worden. International hätten sich im Laufe von über 170 Jahren unterschiedliche Textfassungen entwickelt, „die dennoch alle eine gewisse Nähe haben“. Der für die Deutsche Evangelische Allianz gültige Text sei 1972 das letzte Mal sprachlich überarbeitet worden. Knapp ein halbes Jahrhundert später habe man dazu erneut die Notwendigkeit gesehen, so Vetter. An der Überarbeitung sei der Arbeitskreis für evangelikale Theologie beteiligt gewesen. Die Evangelischen Allianzen in der Schweiz und in Österreich habe man zur Beratung hinzugezogen. Der Hauptvorstand des evangelikalen Dachverbandes in Deutschland beschloss den neuen Text am 22. März im thüringischen Bad Blankenburg. Die Österreichische Evangelische Allianz hat die neue Version inzwischen ebenfalls übernommen. Laut Vetter ist die Glaubensbasis von großer Bedeutung: „Sie ist der Bekenntnistext, der unsere gemeinsamen geistlichen Grundüberzeugungen beschreibt.“

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Was in der Glaubensbasis steht

Das Bekenntnis der Allianz, die sich als „ein Netzwerk von Christen“ bezeichnet, beginnt mit den Worten: „Wir glauben an den dreieinen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Er hat die Welt erschaffen, er liebt sie und erhält sie. Darin zeigt er seine Souveränität und Gnade.“ Zu Jesus Christus heißt es: „Der Mensch gewordene Sohn Gottes ist stellvertretend für alle Menschen gestorben. Sein Opfertod allein ist die Grundlage für die Vergebung von Schuld, für die Befreiung von der Macht der Sünde und für den Freispruch in Gottes Gericht. Jesus Christus, durch Gott von den Toten auferweckt, ist der einzige Weg zu Gott. Der Mensch wird allein durch den Glauben an ihn durch Gottes Gnade gerecht gesprochen.“ Im Blick auf die Heilige Schrift steht dort: „Die Bibel, bestehend aus den Schriften des Alten und Neuen Testaments, ist Offenbarung des dreieinen Gottes. Sie ist von Gottes Geist eingegeben, zuverlässig und höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung.“ In Deutschland gibt es rund 1.000 örtliche Allianzkreise. Die Deutsche Evangelische Allianz ist mit 350 Werken eng verbunden. Sie führt unter anderem die Allianzgebetswoche mit jährlich rund 300.000 Teilnehmern durch sowie den Gebetstag für verfolgte Christen und das 30-Tage-Gebet für die islamische Welt. Die Zentrale des Dachverbandes befindet sich in Bad Blankenburg. Generalsekretär ist Hartmut Steeb (Stuttgart).

Arbeitskreis für evangelikale Theologie: Was erfreulich ist und wo Fragen bleiben

Der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT), Prof. Christoph Raedel (Gießen), schreibt in einem Kommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur idea, dass es neben vielen erfreulichen Aussagen auch einige Anfragen an den Text gebe. Theologisch betrachtet, stehe er in Kontinuität zu den früheren Fassungen. Positiv bewertet Raedel beispielsweise den hinzugefügten Satz, dass der Mensch „als Ebenbild Gottes eine unverwechselbare Würde“ besitze und als „Mann und Frau geschaffen“ sei: „Damit haben die lebensethischen und geschlechtertheologischen Positionen, die Evangelikale in gesellschaftlichen und kirchlichen Auseinandersetzungen vertreten, jetzt einen Ankerpunkt in der Glaubensbasis.“ Gelungen sei auch die Neuformulierung des christologischen Artikels. Fragwürdig sei hingegen, dass in der aktuellen Fassung nur noch davon die Rede sei, dass der Mensch durch Sünde und Schuld von Gott getrennt sei, aber nicht mehr, dass er deswegen unter „Gottes Zorn und Verdammnis“ stehe: „Problematisch ist dies vor allem in Verbindung mit der Beobachtung, dass von einem doppelten Ausgang der Weltgeschichte (also der Gemeinschaft mit oder Trennung von Gott) nicht die Rede ist. Doch wenn der Glaube an Christus rettet, dann hat es doch wohl auch Konsequenzen, nicht an ihn zu glauben.“ Raedel kommt daher zu dem Schluss, dass der Text einige Anliegen der evangelikalen Bewegung stärker als vorherige Fassungen verdeutliche, während Punkte wie Gottes Zorn und Verdammnis noch stärker zurückträten: „Zu bedenken bleibt: Sich am Sprachempfinden von Jugendlichen und säkularen Zeitgenossen zu orientieren, nötigt dazu, den Text der Glaubensbasis in immer kürzeren Abständen anzupassen. Das aber scheint mir als Form der Beschäftigung mit sich selbst wenig verheißungsvoll.“ Raedel ist Professor für Systematische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) in Gießen.

Den vollständigen neu formulierten Text lesen Sie hier.

Die Stellungnahme von Prof. Christoph Raedel lesen Sie hier.

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