Montag • 29. August
Streit um evangelikalen Kurs
18. Januar 2016

Der Versuchung neuer Spaltungen widerstehen

Die Aktion „Zeit zum Aufstehen“. Screenshot: www.zeit-zum-aufstehen.de
Die Aktion „Zeit zum Aufstehen“. Screenshot: www.zeit-zum-aufstehen.de

Stuttgart (idea) – Im Streit um den Kurs der evangelikalen Bewegung haben die Initiatoren der Aktion „Zeit zum Aufstehen“ zur geistlichen Einheit aufgerufen. Die Verantwortlichen in Kirchen und Werken sollten angesichts der Debatte der Versuchung neuer Spaltungen widerstehen. Es gelte zusammenzustehen, sich gemeinsam am Wort Gottes zu orientieren und sich gegenseitig korrigieren zu lassen, heißt es in einer am 18. Januar in Stuttgart veröffentlichten Stellungnahme. Den 2014 veröffentlichten „Ruf zur Mitte“ der Aktion „Zeit zum Aufstehen“ haben bisher fast 20.000 Personen unterzeichnet. Darin fordern die zwölf Initiatoren die evangelischen Kirchen auf, die Grundlagen des Glaubens neu ins Zentrum zu rücken, etwa die Einzigartigkeit Jesu Christi und seine leibliche Auferstehung. Außerdem engagiert sich die Kampagne für die Ehe von Mann und Frau. Zu den Initiatoren gehören der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz und Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener (Kassel), der proChrist-Vorsitzende Roland Werner (Marburg), Carsten Rentzing (Dresden) – seit 2015 sächsischer Landesbischof –, der Vorsitzende der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der EKD, Henning Dobers (Hann. Münden), und der Leiter des pietistischen württembergischen Gemeinschaftsverbandes „Die Apis“, Steffen Kern (Stuttgart). Sie wenden sich in ihrer jetzigen Stellungnahme ferner gegen eine Ergänzung des „Rufs zur Mitte“. Ein solches Ansinnen widerspreche der Absicht der Initiative. Sie wolle ein „schlichter Impuls zur Erneuerung der Kirche“ sein.

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Worum es bei dem Streit der Evangelikalen geht

Zum Hintergrund der aktuellen Stellungnahme: Führende Evangelikale streiten seit Wochen um Bibelverständnis und ethische Positionen. Anlass waren Äußerungen des Allianz-Vorsitzenden Diener. Der Theologe, der auch dem Rat der EKD angehört, hatte Evangelikale in Interviews dazu aufgefordert, selbstkritischer zu sein und neu über Homosexualität, Politik und Mission zu denken. So sollten auch praktizierende Homosexuelle Mitarbeiter in evangelikalen Gemeinden sein können. Daraufhin äußerte der frühere ProChrist-Hauptredner Parzany in einem Offenen Brief sein Unverständnis darüber, dass Diener biblische Positionen relativiere. Parzany hat für den 23. Januar über 60 evangelikale Vertreter nach Kassel eingeladen. Sie sollen über seinen Vorschlag beraten, ein deutschlandweites „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ ins Leben zu rufen. Grundlage für das Gespräch ist ein Memorandum des Evangelisten. Darin heißt es, ein „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ würde ein hilfreiches Instrument sein, die Orientierung der Christen zu fördern: „Bestehende bundesweite Bewegungen haben ihre Integrationskraft verloren oder finden in den aktuell kontroversen Themen nicht zu gemeinsamen Überzeugungen und Stellungnahmen.“ Unterstützung erhielt Parzany für seinen Vorstoß unter anderem von der Deutschen Evangelistenkonferenz, der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands, vom Evangelischen Gemeinschaftsverband Siegerland-Wittgenstein und von der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg.

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