Donnerstag • 23. November
Bischof Dröge
26. Oktober 2017

Zeitgeist der Entzweiung macht sich breit

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge. Foto: Annette Kaiser/EKBO
Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge. Foto: Annette Kaiser/EKBO

Berlin (idea) – Aktuell macht sich in der Gesellschaft ein Zeitgeist „der Selbstbehauptung und Entzweiung“ breit. Diese Ansicht vertrat der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge (Berlin), in seinem Bericht vor der Herbstsynode seiner Kirche am 26. Oktober in Berlin. Demnach bestehe die Gefahr der Enthemmung, Verachtung und Gewaltbereitschaft. Die Kirche müsse aufpassen, dass sich dieser Geist nicht auch bei ihr einschleiche. Kirchenmitglieder seien nicht immun dagegen, gegen „die Muslime“, „die Flüchtlinge“ und „die da oben“ zu wettern. Das christliche Menschenbild verpflichte dazu, für die gleichen Rechte und die gleiche Würde aller einzutreten. Man könne jedoch nicht mehr davon ausgehen, dass die Überzeugung von allen Mitgliedern getragen werde: „Manchem erscheint inzwischen das Hemd näher als der Rock, Deutschland näher als Europa, der eigene Wohlstand wichtiger als die Bewahrung der Schöpfung.“ Zwar habe er Verständnis für Ostdeutsche, die darüber klagten, dass sie bei der Deutschen Einheit benachteiligt wurden, aber die Antwort dürfe nicht in Nationalismus, in Menschenverachtung und Schuldzuweisung an die Schwächsten gesucht werden. Im Umgang mit Wählern und Mitgliedern der AfD rief Dröge dazu auf, die Auseinandersetzung zu suchen. So habe der Gemeindekirchenrat der Gemeinde St. Petri – St. Marien am Alexanderplatz in Berlin eine kritische Position zum Rechtspopulismus beschlossen und diese veröffentlicht. Nur ein Mitglied des Gemeindekirchenrates, das sich in der AfD engagiere, habe dagegen gestimmt.

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Positives Fazit zum 500. Reformationsjubiläum – manche Erwartungen wurden aber nicht erfüllt

Ein positives Fazit zog Dröge zum Festjahr des 500. Reformationsjubiläums. Die evangelische Kirche habe sich ihrer Botschaft und ihrer Positionen versichert und mehr als sonst öffentlich wirken können. Das Kulturprogramm während des Jubiläums sei ein „Riesenerfolg“ gewesen. Die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ in einem ehemaligen Gefängnis in Lutherstadt Wittenberg sei für manche Besucher das „Kunstereignis des Jahres“ gewesen. Er sei überzeugt, dass viele Nichtchristen das Jubiläumsjahr genutzt haben, sich mit der christlichen Tradition auseinanderzusetzen, „ohne Angst haben zu müssen, kirchlich vereinnahmt zu werden“. Allerdings hätten sich die hohen Erwartungen bei den regionalen „Kirchentagen auf dem Weg“ sowie der zentralen „Weltausstellung Reformation“ in Lutherstadt Wittenberg nicht erfüllt. Die ersehnten Gästezahlen seien nicht erreicht worden. Dennoch sei er sicher, „dass wir unter dem Strich nachhaltig etwas für die Präsenz des Christlichen in unserer Gesellschaft erreicht haben“.

Dankbar für Freilassung des Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner

Dankbar reagierte Dröge auf die Freilassung des Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner, der zur evangelischen Gethsemane-Gemeinde in Berlin gehört. Er war am 5. Juli in der Türkei verhaftet worden. Ihm wurde vorgeworfen, einen Umsturz vorbereitet zu haben. Die Gebete und die Appelle an die Wahrhaftigkeit der Rechtsprechung in der Türkei hätten gewirkt, so Dröge. Es sei nicht zu einem politischen Schauprozess gekommen, um an einem Unschuldigen ein Exempel zu statuieren. Der EKBO gehören knapp eine Million Personen in 1.260 Kirchengemeinden an.

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