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Pro & Kontra
20. Juni 2018

„… bis dass der Tod euch scheidet“ – Trauformel noch zeitgemäß?

In der Kirche wird die Ehe gesegnet und „bis dass der Tod euch scheidet” geschlossen. Foto: pixabay.com
In der Kirche wird die Ehe gesegnet und „bis dass der Tod euch scheidet” geschlossen. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – In Deutschland enden jährlich über 160.000 Ehen mit der Scheidung. Ist da die Trauformel „... bis dass der Tod euch scheidet“ noch zeitgemäß? Darauf antworten zwei Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Jede Ehe sollte einen Haus der Treue Gottes ausstrahlen

Die Pro-Position vertritt der Pfarrer der Evangelischen Personalkirchengemeinde Frankfurt Nord-Ost, Andreas Hannemann. Nach seinen Worten hatte bisher kein Paar, das er getraut hat, ein Problem mit dem Trauversprechen. Viele Paare – darunter auch Kirchendistanzierte – wünschten sich ausdrücklich diese Formulierung. Hannemann, auch Vorsitzender der Evangelischen Allianz in der Mainmetropole, verweist auf eine Braut, die ihm gegenüber erklärt habe: „Das ist eine ganz tiefe Sehnsucht in mir, mit jemandem bis an mein Lebensende zusammen zu sein.“ Hannemann zufolge soll jede menschliche Beziehung etwas vom Wesen Gottes widerspiegeln. Der Apostel Paulus sehe die Ehe als Abbild der Gemeinschaft, die Christus zur Gemeinde hat (Epheser 5,32). Auch wenn Ehe und Beziehungen zerbrechen, bleibe die Treue Gottes bestehen. Der Geistliche: „Um die Sehnsucht, dass jede Ehe einen Hauch der Treue Gottes ausstrahlen möge, geht es bei dem Trauversprechen.“

Kontra: Eine Ehe scheitert nicht an der richtigen oder falschen Trauformel

Die Gegenmeinung äußert der freie Trauerredner und frühere Pastor im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, Samuel Diekmann (Rödermark bei Frankfurt am Main). Er erinnert daran, dass die Trauformel auch in evangelischer Tradition nicht immer den Passus „... bis dass der Tod euch scheidet“ enthalten habe. Viel wichtiger als die Formel sei der Inhalt. Er verwende deshalb viel Zeit, um mit den Brautpaaren darüber zu sprechen. Dabei konfrontiere er sie mit der klassischen Formel und frage, was dieser Satz mit jedem Einzelnen mache. Diekmann hat, wie er schreibt, noch nie ein Paar erlebt, das in dem Sinne geantwortet habe „Ach, schauen wir mal, wie lange das gutgeht“. Alle Paare heirateten aus dem Grund, ein Leben lang zusammen zu sein. Deshalb müsse die Formel nicht zwingend eingefordert werden. Diekmann: „Eine Ehe scheitert nicht daran, die richtige oder falsche Formel gebraucht zu haben, sondern dass sich Paare nicht mehr an ihr Ja erinnern.“

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