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Abschiebe Aussage
12. Juli 2018

Bedford-Strohm über Seehofer: Ich denke, es tut ihm leid

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, im Gespräch mit der Theologiestudentin Doro Stürzbecher. Screenshot: Facebook/Heinrich Bedford-Strohm
Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, im Gespräch mit der Theologiestudentin Doro Stürzbecher. Screenshot: Facebook/Heinrich Bedford-Strohm

München (idea) – In der Debatte um eine umstrittene Aussage von Innenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich nun der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), zu Wort gemeldet. „Ich kann mir vorstellen, dass es ihm im Nachhinein leid tut, dass er es nicht noch einmal sagen würde und die Situation so nicht überschaut hat“, äußerte Bedford-Strohm in einem Facebook-Livechat am 11. Juli. Seehofer hatte am 10. Juli auf einer Pressekonferenz gesagt, dass „ausgerechnet“ an seinem 69. Geburtstag am 4. Juli 69 Flüchtlinge nach Afghanistan abgeschoben worden seien. Das sei von ihm „nicht so bestellt“ worden. Einer der 69 nahm sich später in Kabul das Leben. Die Aussage des Innenministers hatte scharfe Kritik bei Politikern von SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen ausgelöst. In den sozialen Medien beleidigten viele Menschen Seehofer. Bedford-Strohm sagte dazu: „Solche Dinge bespreche ich natürlich mit den Menschen persönlich und nicht über Facebook.“ Es würde ihn jedoch sehr wundern, wenn Seehofer seine Äußerung im Rückblick nicht als falsch betrachte. Laut Bedford-Strohm hat sich im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdiskussion „etwas verschoben“. Er spüre, dass es jetzt „aus tiefer christlicher Motivation eine Gegenbewegung gibt, die immer stärker wird. Leute, die nämlich sagen: ‚Wo bleibt das Mitgefühl?’.“ Diese Bewegung mache ihm Hoffnung, dass sich der christliche Glaube, der die Liebe zu Gott und den Mitmenschen untrennbar verbinde, im öffentlichen Leben zeige.

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Von anderen Gemeindeformen lernen

In dem Video äußerte sich Bedford-Strohm im Gespräch mit der Theologiestudentin Doro Stürzbecher auch zu der Frage, wie die Kirche für junge Leute attraktiv wird. Über den Erfolg freikirchlicher Angebote, etwa die ICF-Bewegung (International Christian Fellowship), sagte er: „Ich glaube tatsächlich, dass wir was lernen können von anderen Gruppen, anderen religiösen Frömmigkeitsstilen und auch der Art, wie sie Gottesdienste feiern.“ Zugleich gebe es aber auch innerhalb der evangelischen Landeskirchen bereits unterschiedliche Formen, beispielsweise Jugendkirchen. Es sei dennoch richtig, über Veränderungen nachzudenken. Er ermutigte, kirchliche Angebote an ungewohnten Orten auszuprobieren – etwa in der Kneipe, auf Marktplätzen, in Schulen oder im Theater. An erster Stelle aber gelte es, einladend zu sein und den Menschen ein Willkommensgefühl zu vermitteln.

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