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Festgottesdienst in Wittenberg
31. Oktober 2017

Bedford-Strohm: Die Reformation war ein Akt der Befreiung für die Kirche

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sprach bei einem Festgottesdienst am 31. Oktober in der Lutherstadt Wittenberg. Screenshot: ARD
Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sprach bei einem Festgottesdienst am 31. Oktober in der Lutherstadt Wittenberg. Screenshot: ARD

Lutherstadt Wittenberg (idea) – Die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen am 31. Oktober 1517 war ein Akt der Befreiung für die Kirche. Das sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), bei einem Festgottesdienst am 31. Oktober in der Lutherstadt Wittenberg. Am Gottesdienst nahmen zahlreiche Spitzenvertreter aus Kirchen, Politik und Gesellschaft teil, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Bedford-Strohm zufolge war die Reformation ein Weckruf an die katholische Kirche zur religiösen Erneuerung. Luther habe keine neue Kirche gründen wollen, sondern die Kirche Jesu Christi zurück zu ihrem Herrn gerufen. Der Reformator habe von der Angst vor einem Gott befreit, der vom Menschen mehr fordere als er erfüllen könne. Damit habe er den Menschen vom Zwang befreit, sich sein Heil verdienen zu müssen. Auch heute brauche Deutschland die Botschaft von der Rechtfertigung aus Gnade dringend. Dem Land hülfen weder „Obergrenzen für die Unterstützung von Menschen in Not noch moralische Durchhalteparolen“. Vielmehr brauche es eine Kraft, die die Angst überwinde und die Liebe stärke. Zentrale christliche Glaubensüberzeugung sei das Leben allein aus Gnade. Jeder Mensch sei zum Bilde Gottes geschaffen und unendlich wertvoll. Keiner müsse sich diese Würde erst verdienen. Sie sei unantastbar.

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Die blinden Flecken der Deutschen

Laut Bedford-Strohm ist eine weitere Glaubensgewissheit die Notwendigkeit der Buße. Christen seien zum Innehalten, zu Selbstbesinnung und Selbstdistanz aufgerufen. Dies tue dem Einzelnen wie dem ganzen Land gut. Bedford-Strohm: „Was ist los mit uns, wenn wir im Internet hemmungslos Hass und Hohn aufeinander ausgießen? Welches Verständnis von politischer Debatte haben wir, wenn wir nur noch einen Blick für den Splitter im Auge der anderen haben und den Balken im eigenen Auge nicht mehr sehen?“ Zu den blinden Flecken Deutschlands gehöre, dass sich das Land als Wohltäter für die Welt sehe und kaum wahrnehme, dass sein Wohlstand auf Kosten anderer geschaffen werde: „Die ersten Opfer des von uns verursachten Klimawandels sind genau die Menschen, die am wenigsten dazu beigetragen haben.“

Was für die Kirche der Zukunft am wichtigsten ist

Bedford-Strohm zufolge ging von Wittenberg eine weltweite spirituelle Erneuerung aus. Der 500. Jahrestag der Reformation sei ein Tag der Dankbarkeit für diese religiösen Erneuerungsimpulse. Sie entfalteten bis in die Gegenwart ihre Wirkung. Für die Kirche der Zukunft sei am wichtigsten, dass sie die Liebe selbst ausstrahle, von der sie spreche. Dankbar sei er auch, dass aus den Konflikten und Kriegen zwischen den Konfessionen in der Vergangenheit Versöhnung, Verstehen und Freundschaft geworden seien, so Bedford-Strohm. Er lud Papst Franziskus dazu ein, nach Wittenberg zu kommen. Ein halbes Jahrtausend nach der Verbrennung der päpstlichen Bannbulle werde der Papst „von ganzem Herzen willkommen geheißen“. Die Welt brauche das gemeinsame Zeugnis der Christen. Bedford-Strohm übergab gemeinsam mit dem Vorsitzenden der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), ein Kreuz an Bundespräsident Steinmeier. Gemeinsam wolle man für Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit eintreten, sagte Marx. Die Kirche sei älter und größer als die Zerstrittenheit der Konfessionen: „Wir wollen kräftig Zeugen der Hoffnung sein.“

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