25. Dezember 2012

Reformationsjubiläum

Bischof Weber für katholische Beteiligung

Bischof Weber für katholische Beteiligung
Der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Friedrich Weber, ist auch Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Foto: PR

Wolfenbüttel/Rom (idea) – Eine katholische Beteiligung am Reformationsjubiläum 2017 findet immer mehr Befürworter. Am 31. Oktober 1517 hatte der Reformator Martin Luther (1483-1546) 95 Thesen an der Tür der Schlosskirche von Wittenberg befestigt und damit die Reformation ausgelöst. Als deren Folge entstand die evangelische Kirche. Nach Angaben des Bischofs der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Friedrich Weber (Wolfenbüttel), ist im Jubiläumsjahr eine gemeinsame Feier von Katholiken und Protestanten möglich, bei der Vertreter beider Konfessionen ein Schuldbekenntnis ablegen. Dies sei eines von vielen gemeinsamen Projekten, die nicht nur angedacht oder geplant seien, „sondern laufen“, sagte Weber dem Radiosender „Deutsche Welle“ (Bonn). Weber ist auch Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland. Als weitere gemeinsame Beiträge der Kirchen nannte er eine ökumenische Neukommentierung der 95 Thesen Martin Luthers sowie eine ökumenische Herausgabe der wichtigsten Lutherschriften.

Schuld sollte bekannt werden

In einem Interview mit dem katholischen Informationsdienst kath.net (Linz/Österreich) erläuterte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch (Rom), mögliche Inhalte eines evangelisch-katholischen Schuldbekenntnisses. Martin Luther habe eine Erneuerung der katholischen Kirche angestrebt und keine Gründung von neuen Kirchen. Deshalb könne die aus der Reformation hervor gegangene Kirchenspaltung und das Entstehen von neuen evangelischen Kirchen nur als Scheitern der Reformation bezeichnet werden. Man könne erst dann von einem Gelingen sprechen, wenn die Einheit wiederhergestellt sein wird. Außerdem hätten die Kirchenspaltung und die anschließenden blutigen Konfessionskriege des 16. und 17. Jahrhunderts, vor allem der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), dem Christentum in Europa großen Schaden zugefügt und viel zur Säkularisierung beigetragen: „Weil das Christentum geschichtlich nur noch greifbar gewesen ist in der Gestalt der verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften, die einander bis aufs Blut bekämpft haben, hat die neuzeitliche Gesellschaft das Fundament des gesellschaftlichen Friedens nicht mehr in der Religion gesehen, sondern ihn auf eine neue Basis abgesehen vom Christentum gestellt.“ Man solle nicht von einem Reformationsjubiläum sprechen, sondern von einem Reformationsgedenken.

Katholiken auf dem Wege der Mitreformation

Bereits Anfang Dezember hatte der Ökumene-Beauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Gerhard Feige (Magdeburg), erklärt, er könne sich eine deutlichere katholische Beteiligung beim Reformationsgedenken vorstellen. Dabei sollte es darum gehen, „uns mit Jesus Christus als dem Gekreuzigten und Auferstandenen gemeinsam tiefer zu verbinden“. Dadurch würde der Welt ein Zeichen der Hoffnung gegeben, so dass Katholiken „sogar ein wenig mitfeiern“ könnten. Feige zufolge hat die katholische Kirche in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Anliegen Luthers aufgegriffen. Dazu gehörten das Verständnis von Kirche als Volk Gottes und der kirchlichen Ämter als Dienste sowie das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen. „Man könnte fast sagen: Die katholische Kirche hat sich vom Weg der Gegenreformation auf den der Mitreformation begeben“, so Feige.