Donnerstag, 17.04.2014

19. Dezember 2012

Scholl-Latour im idea-Interview

„Das Böse steckt tief im Menschen“

„Das Böse steckt tief im Menschen“
Der Journalist und Bestsellerautor Peter Scholl-Latour. Foto: dpa

Wetzlar (idea) – Gegen eine zu optimistische Weltsicht wendet sich der Journalist und Bestsellerautor Peter Scholl-Latour. In einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar/Mittelhessen) sagte er: „Das Böse steckt tief im Menschen. Wir leben in einem darwinistisch denkenden Zeitalter. Eine Religion oder Weltanschauung, die davon ausgeht, dass der Mensch von Natur aus gut sei, muss scheitern.“ Der 88 Jahre alte Scholl-Latour hat fast alle Länder der Welt bereist und ist Deutschlands erfolgreichster Sachbuchautor. Nach seiner Erkenntnis erlebt die Menschheit ständig neue Ausbrüche des Bösen. Sie zum Guten zu führen, hätten weder die Kommunisten geschafft, noch gelinge es jetzt den US-Amerikanern. Die Vereinigten Staaten seien nicht in der Lage, den Irak, Afghanistan oder Somalia in den Griff zu bekommen. Sie hätten ihr ursprüngliches Ziel, Frieden, Demokratie und Menschenrechte zu bringen, weit verfehlt und stattdessen Chaos angerichtet.

Kritik an deutscher Außenpolitik

Kritik äußerte Scholl-Latour auch an der deutschen Außenpolitik. Diese messe mit unterschiedlichem Maß. So würden Christen und Juden in Saudi-Arabien viel stärker diskriminiert als im Iran: „In Saudi-Arabien dürfen keine Kirchen und Synagogen gebaut und keine Gottesdienste gehalten werden, und der Besitz einer Bibel steht unter Strafe. Der Iran lässt das alles zu – aber er gehört zu den Ländern, die wir anprangern. Nach Saudi-Arabien liefern wir ohne Bedenken Hunderte von Leopard-2-Panzern, während wir gegen den Iran eine Sanktion nach der anderen verhängen – die im Übrigen viel weniger Wirkung haben, als man meint.“ Nach Scholl-Latours Überzeugung sind Boykottmaßnahmen zutiefst unmoralisch: Sie träfen vor allem die einfache Bevölkerung und bewirkten politisch nichts.

Auslandseinsätze der Bundeswehr tragen „Züge der Lächerlichkeit“

Er nahm auch Stellung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Die Deutschen stolperten in militärische Abenteuer wie den Afghanistan-Einsatz hinein. Dort trage die deutsche Kriegsführung „Züge der Lächerlichkeit“. Scholl-Latour: „Sie ist – rein militärisch gesehen – völlig unzulänglich. 80 Prozent der Truppe sitzen in den Camps und kommen nie raus. Jeden Abend rufen sie zu Hause Mutti an, aber haben noch keinen Krieg erlebt. Dabei habe ich völliges Verständnis für diese Jungs, die ihre Haut für eine unsinnige Sache zu Markte tragen müssen.“ Man könne Freiheit anderen Staaten nicht aufzwingen.

Von Christenverfolgung will kaum jemand etwas wissen

Im Umgang mit Schurkenstaaten brauche Deutschland mehr diplomatisches Geschick. So sei es ein Fehler, dass Deutschland Patriot-Raketen in die Türkei schicke, die gegen Syrien aufgestellt werden. Dazu gebe es keinen UNO-Beschluss. Zwar dürfe man das Assad-Regime in Syrien nicht von seinen Gräueln freisprechen. Es sei jedoch das letzte säkulare Regime in der arabischen Welt und „unendlich liberaler“ als etwa Saudi-Arabien: „Die Christen konnten sich in Syrien frei entfalten, genauso wie es im Irak unter Saddam Hussein der Fall war. Inzwischen ist die Christenverfolgung in Syrien fast so schlimm wie im Irak – aber in Europa will davon kaum jemand etwas wissen.“

Europa wendet sich vom Christentum ab

Scholl-Latour sprach auch über die religiöse Lage. Die Welt befinde sich „in einer religiösen Gärung“. Eine Ausnahme bilde Europa. Scholl-Latour: „Machen wir uns keine Illusionen: Europa wendet sich vom Christentum ab, wird agnostisch, aggressiv aufklärerisch, atheistisch. Die Frömmigkeit wird weiter nachlassen und die Verhöhnung der Religion weiter zunehmen.“ Es sei eine Schwäche Europas, das in ihm immer mehr bekennende Atheisten lebten. Viele evangelische und katholische Geistliche hätten die Jenseitsbestimmung ihres Glaubens und die kirchlichen Lehren dem Zeitgeist geopfert. Sie neigten dazu, das Christentum auf eine humanitäre Philosophie oder auf eine Soziallehre zu reduzieren. Scholl-Latour: „Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes. Das Christentum hat teilweise schon abgedankt. Es hat keine verpflichtende Sittenlehre, keine Dogmen mehr.“ Zur Frage, welchen Rat er den Kirchen gebe, sagte Scholl-Latour: „Sie sollten bei ihren ursprünglichen Lehren bleiben.“

9 Leserkommentare
milan | 20.12.2012 um 16:38 Uhr

@Golf-Variant. Herr Dijle sagt von sich, dass er Atheist ist. Da braucht man ihn auch nicht nach seinem Glauben fragen. Es ist doch gut, dass er seine Auffassung mit anderen teilt. Auf diese Weise kommt Gottes Botschaft auch zu ihm. Nach und nach kann er so die Wahrheit erkennen. Es sind gerade die Kalten, die von Gottes Wort getroffen werden können. Die Lauen wird Jeshua ausspeien; von denen gibt es eh mehr als zu viel. Jeshua sagt durch Johannes in den Sendschreiben: ich wollte ihr wäret heiß oder kalt; ihr aber seid lau und ich werde euch ausspeien. Ich ermuntere Herrn Dijle weiter Kommentare zu lesen und zu schreiben, auch wenn er der Bibel dabei widerspricht. Wie viele Christen widersprechen dem Wort Gottes, aus Mangel an Erkenntnis, vom Widerspruch ihrer Taten ganz zu schweigen. Ich segne jeden Leser im Namen Jeshua Adonai.

Jesaja53,5 | 20.12.2012 um 09:53 Uhr

Saubere Arbeit von Herrn Scholl-Latour   @StDilje Sind Sie schon einmal in Berlin über den Alex gelaufen? Wie aggressiv man dort von Tierschützern belagert wird? Nur mal so als Beispiel. Warum regen Sie sich darüber nicht auf? Haben Sie eine Allergie gegen alles was nach Kirche oder Christen bzw. Glauben? Einem Atheisten kann es doch egal sein, ob jemand behauptet, dass Jesus der einzige Weg zur Rettung ist. Nach seiner Meinung kommt nach dem Tod eh nichts mehr. Und wenn Sie mal etwas Aggressives erleben wollen, lade ich Sie herzlich zum "Marsch für das Leben" im September in Berlin ein. Dort können Sie dann einmal erleben, wie weit die Toleranz der Atheisten gegenüber Christen und Menschen ist, die für das Recht auf Leben ALLER eintreten! Von deren Demokratieverständnis, was quasi nicht vorhanden ist, möchte ich jetzt gar nicht reden!

Kieotto | 20.12.2012 um 00:56 Uhr

Um die geradezu 'höllische' Aggressivität der linksradikalen Autonomen und 'Antifaschisten' zu studieren, braucht man nur deren 'Begleitung' der Demonstrationen zum Schutz des ungeborenen Lebens auf sich wirken zulassen. Wer Schwierigkeiten hat, an die Hölle und die Veitstänze des Bösen zu glauben, der sehe sich dieses teuflische Getöse nur einmal an!

| 19.12.2012 um 23:05 Uhr

Scholl-Latour: „Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes. Das Christentum hat teilweise schon abgedankt. Es hat keine verpflichtende Sittenlehre, keine Dogmen mehr…“ Sehr mutig von Herrn Scholl-Latour, die geistliche und moralische Verwahrlosung in unserem Land darzulegen. Diesen Mut wünsche ich auch denen, die hier anonym aus dem Hinterhalt und wie Heckenschützen ihre Dum-Dum-Geschosse auf die Christen abfeuern. Es ist nicht aggressiv, das Evangelium von Jesus Christus zu verkünden, sondern die Wahrnehmung des Grundrechtes auf Religions- und Glaubensfreiheit und die Erfüllung eines Auftrages Jesu an seine Nachfolger. Wenn jedoch die Toleranz von Atheisten gelobt wird, empfehle ich einmal die Webseite der Atheisten und Freidenker zu besuchen, z.B. http://www.myspace.com/bremenatheist, um etwas über deren „Toleranz“ zu lernen. Weitere Beispiele lieferten Atheisten und Linke Demonstranten durch Anmieten von Bussen und Bekleben mit atheistischen Parolen, sowie bei Störungen von Kirchentagen, Bekenntnisumzügen, christlichen Seminaren, der Vortragsveranstaltung von Prof. Gitt im Audimax Hannover mit dem Transparent: „Fahrt zur Hölle, Kreationisten“ u.v.m. Deshalb, verehrter anonymer Leserbriefschreiber(in): Hier lege ich Ihnen mal einige Fakten auf den Tisch, wo und wann die Atheisten ähnlich aggressiv agierten! Ist es wirklich die einzige Forderung, die einige Atheisten nachdrücklich wiederholen ist, sich ans Grundgesetz zu halten? – Ach! Wenn Sie und sie es doch bitte selber täten.

Golf-Variant | 19.12.2012 um 22:12 Uhr

@StSDijle, ich weiß nicht, wie es um ihren christlichen Glauben bestellt ist, ABER sagen Sie mir bitte mal, wer, außer Jesus Christus sagen konnte "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben niemand kommt zu Gott denn durch mich". Und das ist nun mal keine Drohung. Weder Buddha noch Mohammed noch Krishna oder sonst wer konnte solches von sich sagen. Aber es gibt genügend Atheistenseiten im Web, wo der christliche Glaube massiv niedergemacht wird oder Jesus als "Taugenichts und Schnorrer" bezeichnet wird. Ich hoffe, das Sie zu Lebzeiten den Weg zu Jesus Christus finden ehe es zu spät ist.

| 19.12.2012 um 17:59 Uhr

Grossartige, wahrhaftige Sicht. Sie ist auch echt christlich! Danke Herr Scholl-Latour!

| 19.12.2012 um 17:19 Uhr

Hut ab Herr Scholl-Latour! (jede der Begegnungen mit Ihnen war ein lehrreicher Hochgenuss)

StSDijle | 19.12.2012 um 16:44 Uhr

Aggressiv aufklärerisch? Wenn ich in Frankfurt über die Zeil laufe gibt es nur verschiedene christliche Sekten, die mit lauter Musik und Handzetteln um Aufmerksamkeit buhlen. Zuweilen reicht nichtmal der Hinweis, dass direktes Ansprechen die Persönlichkeitsrechte des Angesprochenen verletzt - nicht um sie los zu werden. In schöner Regelmäßigkeit taucht auch Plakatwerbung auf, die Andersgläubigen droht. (Letztlich erst im Hauptbahnhof selbst auf Türkisch, die Drohung aus der Bibel, das Jesus der einzige Weg sei "errettet zu werden".) Das empfinde ich als aggressiv. Fakten auf den Tisch, wo und wann agieren Atheisten ähnlich aggressiv? Die einzige Forderung, die einige Atheisten nachdrückliche wiederholen ist, sich ans Grundgesetz zu halten.

milan | 19.12.2012 um 13:12 Uhr

Auf den Punkt gebracht. Preis Adonai.

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich neu, um Artikel zu kommentieren.
idea.de in sozialen Netzwerken
Twitter

Facebook
Mein idea
Aktuelle Nachrichten und Reportagen!



ideaHeute
  • 17. April: Wort zu Karfreitag
  • 16. April: Manfred Stolpe - Kuba - Militärseelsorge
  • 15. April: Nigeria - Gnade Gottes - Mediennutzung
  • 14. April: Ukraine & die Mission - Ostern - David Cameron
  • 11. April: Zeit zum Aufstehen - Lage der Christen in Russland - DBG

Anzeige

Anzeige