Montag • 22. Mai

12.12.2012

Die großen Kirchen begrüßen Gesetz zur Beschneidung

Berlin/Hannover – Die beiden großen Kirchen haben das am 12. Dezember vom Deutschen Bundestag beschlossene Gesetz zur religiösen Beschneidung begrüßt. Jüdischen und muslimischen Eltern ist es damit erlaubt, den rituellen Eingriff bei Jungen vornehmen zu lassen, wenn die Regeln der ärztlichen Kunst eingehalten werden. Das Gesetz ist eine Reaktion auf ein Urteil des Kölner Landgerichts, das im Mai die Beschneidung eines muslimischen Buben als rechtswidrige Körperverletzung eingestuft hatte. Die Entscheidung löste eine heftige öffentliche Debatte aus. Im Bundestag votierten in namentlicher Abstimmung 434 Abgeordnete für den von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf, 100 dagegen, und 46 enthielten sich. Mit dem Gesetz werde „verlässlich klargestellt, was der jahrzehntelangen Rechtspraxis in der Bundesrepublik entspricht, nämlich, dass eine Entscheidung jüdischer oder muslimischer Eltern, einen Jungen beschneiden zu lassen, Teil der elterlichen Sorge ist“, erklärte der Präsident des EKD-Kirchenamtes, Hans Ulrich Anke (Hannover). Für Juden und Muslime habe die Beschneidung eine große Bedeutung. Im Judentum komme ihr sogar eine „identitätsstiftende religiöse Bedeutung“ zu. Denn die Beschneidung des Neugeborenen am achten Tag sei für das Judentum ein wesentliches Zeichen der Zugehörigkeit zum auserwählten Volk Gottes. „Ein mit Mitteln des Strafrechts durchgesetztes Verbot der Beschneidung würde schwerwiegende Folgen für das jüdische Leben in Deutschland haben“, so Anke. „Mit Erleichterung“ reagierte der katholische Bischof Heinrich Mussinghoff (Aachen) auf die Entscheidung des Bundestages. Er ist Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz. Mussinghoff: „Es ist zu begrüßen, dass damit die Rechtssicherheit in dieser sensiblen Angelegenheit wieder hergestellt und das Elternrecht auf religiöse Erziehung gestärkt wird.“ Der Bischof äußerte die Hoffnung, „dass nach dieser Entscheidung die ungestörte Ausübung der Religionsfreiheit sichergestellt und von allen respektiert wird.“

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