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09.10.2012

Wie viele Menschen werden bei Jesu Wiederkunft entrückt?

Frankfurt am Main/Zürich (idea) – Wie viele Menschen werden bei der Wiederkunft Jesu Christi entrückt? Diese Frage wird derzeit im Internet diskutiert, nachdem der Leiter der weltweiten Neuapostolischen Kirche (NAK), Stammapostel Wilhelm Leber (Zürich), die Zahl auf zehn Millionen beziffert hat. Das sagte er bei einer europäischen Seelsorgerkonferenz der Religionsgemeinschaft in Frankfurt am Main. Mit etwa 400.000 Mitgliedern ist sie die größte christliche Sondergemeinschaft in Deutschland. Zu ihren wichtigen Glaubensüberzeugungen gehört die Erwartung der Wiederkunft Christi in naher Zukunft, um seine Braut – die Gemeinde – wiederzuholen. Nach Lebers Worten werden beim „Tag des Herrn … plötzlich zehn Millionen Menschen nicht mehr da“ sein. Er vertraue darauf, „dass daraus kein Schaden entsteht“. Allerdings würden „die Menschen sicherlich schon ein bisschen gucken und ins Staunen geraten“. Wie er anmerkte, sollte diese Botschaft vor allem für die Amtsträger der Kirche handlungsbestimmend sein.

Herausforderung für Ökumene

Im Internet wird diskutiert, woher Leber die Zahl zehn Millionen hat und wer zu den Entrückten gehören wird. Im Internetportal „Religionsreport.de“ heißt es dazu: „Wie wird diese aberwitzige Zehn-Millionen-Fantasie im ökumenischen Dialog kommuniziert? Besagt sie doch, dass von den gegenwärtig rund 2,25 Milliarden Christen nur ein Bruchteil, nämlich etwa 0,4 Prozent, der ‚großen Trübsal’ entgehen können. Umgekehrt werden ihr also 99,6 Prozent der Christen ausgesetzt sein.“ Ein Blogger postete: „Für den Fall, dass der Herr noch zu meinen Lebzeiten kommen wird, ist für mich klar, dass ich an der Seite meiner Schwestern und Brüder sein will – an der Seite der 99,6 Prozent, die sich dann bewähren müssen.“ Nach Aussagen der Bibel beginnt nach dem zweiten Kommen Christi eine Zeit, die große Trübsal genannt wird (Matthäus 24/Offenbarung 14).

Pressesprecher: Das Heil erlangen auch andere

Der Pressesprecher der Neuapostolischen Kirche, Peter Johanning (Dortmund), sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, bei den zehn Millionen handele es sich um alle gegenwärtigen Mitglieder der eigenen Glaubensgemeinschaft. Allerdings sei diese Zahl nicht exklusiv zu verstehen: „Das Heil werden auch andere Menschen erlagen, so wie Gott es will.“ Die Gemeinschaft habe sich schon lange von früheren Aussagen distanziert, dass sie allein Gottes Heil erfahren werde. Doch weil Leber zu den Amtsträgern der eigenen Kirche gesprochen habe – in Frankfurt waren 570 Besucher anwesend, mehr als 45.000 verfolgten die Rede per Satellitenübertragung – habe er auch nur die Mitglieder der eigenen Kirche im Blick gehabt. Dass in der Bibel (Offenbarung 7,4/14,1) nur von 144.000 Menschen die Rede sei, wertet Johanning als symbolisch. Gemeint sei die „Brautgemeinde, die von den Aposteln vorbereitet wurde“. Die Angehörigen der Neuapostolischen Kirche seien überzeugt, dass sie diese Brautgemeinde bildeten. Die Neuapostolische Kirche hat sich Ende des 19. Jahrhunderts in Hamburg entwickelt. Sie sieht das in der urchristlichen Kirche vorhandene Apostelamt in ihrer Kirche wiederaufgerichtet.

EZW: Keine neue Lehre

Wie der Referent für apostolische Gemeinschaften bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Kai Funkschmidt (Berlin), auf idea-Anfrage sagte, sei die Erwähnung einer Zahl im Zusammenhang mit der Entrückung bei der Neuapostolischen Kirche zwar neu, doch dahinter stecke offenbar keine neue Lehre. Schon seit einigen Jahren gebe es innerhalb der Religionsgemeinschaft Tendenzen in Richtung Ökumene. In einigen lokalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (ACK) sei die NAK bereits Mitglied. Mit der ACK auf Bundesebene habe es vier Gespräche zu theologischen Fragen gegeben. Mit Spannung warte man auf den neuen NAK-Katechismus, der im Dezember erscheinen soll. „Dann wird sich zeigen, ob sich die NAK in Lehrfragen wirklich öffnet oder den alten Kurs beibehält“, so Funkschmidt. Auch in Richtung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) habe die NAK ihre Fühler ausgestreckt.

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