Mittwoch, 19.06.2013

31. Januar 2013

Weltanschauungsexperte

Der Atheismus wird immer missionarischer

Der Atheismus wird immer missionarischer
Der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Pfarrer Reinhard Hempelmann. Foto: PR

Berlin (idea) – Kirchen müssen sich stärker mit dem säkularen Humanismus und Atheismus auseinandersetzen. Dazu hat der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Pfarrer Reinhard Hempelmann (Berlin), aufgerufen. Er sprach am 30. Januar in Berlin bei einer Veranstaltung des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg zum „Neuen Atheismus“. Hempelmann zufolge sind atheistische Bewegungen in Medien und Öffentlichkeit präsenter geworden. Sie riefen in kämpferischen Aktionen zum Kirchenaustritt auf und machten durch medial wirksame Aktivitäten wie die „Buskampagne“ auf sich aufmerksam. Sie warb im Jahr 2009 auf einer dreiwöchigen Rundreise durch 24 Städte in Deutschland mit dem Slogan „Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott“. Evangelikale begleiteten die Aktion mit einem eigenen Bus, der Aufschrift trug „Und wenn es ihn doch gibt ...“. Wie Hempelmann weiter sagte, werde Religion von ihren atheistischen Kritikern ausschließlich auf ihre dunklen Seiten reduziert. Der Glaube an Gott werde pathologisiert und als „Wahn“ bezeichnet. Dabei werde ein strikter Gegensatz von Religion und Wissenschaft konstruiert.

Dawkins: Atheisten glauben „lediglich an einen Gott weniger“

Nach den Worten des Theologen tritt der neue Atheismus verstärkt missionarisch auf, um andere von der eigenen Sicht zu überzeugen. Dies geschehe häufig mit Sprachbegabung und Humor. So fordere der englische Evolutionsbiologe und Autor des Bestellers „Der Gotteswahn“, Prof. Richard Dawkins (Oxford), ein Atheist müsse „lediglich an einen Gott weniger“ glauben. Laut Hempelmann sucht der neue Atheismus keinen Dialog, sondern blicke auf gläubige Menschen respektlos herab. Allerdings seien sich die neuen Atheisten nicht einig. Es tobe ein Streit, was richtiger Atheismus sei. Hempelmann zufolge legen humanistische Organisationen Wert auf die atheistische Erziehung von Kindern. So gebe es inzwischen mehrere Kinderbücher, etwa „Wo bitte geht‘s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel“ des Vorstandssprechers der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon (Mastershausen bei Koblenz). Darin heißt es: „Rabbis, Muftis und auch Pfaffen / sind wie wir nur nackte Affen.“

Wie Christen reagieren sollten

Hempelmann rät Christen, auf atheistische Provokationen nicht aufgeregt zu reagieren. Weder Glaube noch Nicht-Glaube könnten wissenschaftlich bewiesen werden. Es komme darauf an, den eigenen Glauben zu begründen und einladend auszusprechen. Ein biblisch begründeter Gottesglaube kenne auch den Missbrauch von Religion. Daher sollten Christen für Kritik offen sein.

6 Leserkommentare
Demokrit | 04.02.2013 um 13:41 Uhr

Der Begriff "neuer Atheismus" bedarf einer Erklärung, damit ist eine Menge von Menschen gemeint, die ihren Atheismus lautstark verbreiten, wie z.B. Prof. Richard Dawkins, der auch mit als einer der Begründer dieser Bewegung gilt und zu dessen Vertretern in Deutschland man Michael Schmidt-Salomon zählt. Aber sie sind nur eine Gruppe von Atheisten, unter denen sich auch einige mit extremen Positionen befinden. Aber auch dort gibt es Vernünftige, viel Kritik richtet sich nicht gegen den Glauben an Gott, sondern mehr gegen die Schlussfolgerungen von Menschen aus ihrem Glauben. Das Atheisten missionarischer werden, liegt sicher an den Erfolgen der missionarischen Religionen. Der Rat an Christen sich nicht aufzuregen ist zwar gut, nur leider gibt es auch bei den Christen eine Gruppe, die schon provoziert ist, wenn man nicht mit der Annahme über ein Thema diskutieren will, dass es Gott gibt und das er sich zum Thema geäußert hat. "Weder Glaube noch Nicht-Glaube könnten wissenschaftlich bewiesen werden." Damit meint der Autor wahrscheinlich, dass die Nichtexistenz Gottes nicht beweisbar ist - dass es Glaube gibt, ist doch bekannt. Wobei die Frage nach der Existenz ist nur eine unter vielen, die ist auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, ob die Offenbarungen wirklich Botschaften von Gott sind, ob wir sie richtig verstanden haben. Ich halte es für möglich, dass es Gott gibt, er aber sich nie offenbart hat oder dass die Offenbarungen des Christentums, Islam und Judentum gar nicht von Gott stammen. Vielleicht sind die Offenbarungen auch richtig, aber richten sich vielleicht nur an die Menschen ihrer Zeit - und der Mensch muss letztendlich selber die Wahrheit herausfinden, die Offenbarungen sind also keine absolute Wahrheit.

Johannes Hardt | 03.02.2013 um 22:59 Uhr

@ StSDijle: Ihre Behauptungen sind schon oft recht interessant, wenn auch oft neu für mich. Wir haben einen recht netten höflichen überzeugten Atheisten als Nachbarn. Das vorweg. Ich selbst habe schon in vielen Foren mit Atheisten geschrieben. Ich übertreibe nicht: während die Christen meist eher zurückhaltend, werbend schrieben, waren die Atheisten (bis auf wenige Ausnahmen) stets angreifend, fast bösartig, beschimpfend, alle Christen als zurückgeblieben bezeichnen. Sie waren einmal so intolerant, dass sich sogar zwei Atheisten über ein Thema (wie viel Tote es beim Angriff auf Dresden gab) so in die Haare bekamen und sich unsäglich beschimpften, dass einer dann voller Wut ausstieg. Im gleichen Forum gab es aber einen Atheisten, der zwar sehr überzeugt war und seine Idee verbreiten wollte (mit m.A. ganz interessanten und legalen Mitteln), sich aber am Ende schämte, weil seine Mitatheisten so unglaublich ungezogen auf Christen reagierten, dass er auch ausstieg. Wäre ich Atheist, hätte ich mich mit ihm zusammen getan. Aber vielleicht hat ihn ja diese ganze Diskussion ein Stück zu Jesus gezogen.  

Joachim Datko | 03.02.2013 um 19:20 Uhr

Die Christen haben keinen eigenen Gott, sie haben, wie die Muslime, den abrahamitschen Gott aus der jüdischen Mystik. --- Eine sonderbare Gottesvorstellung, man denke nur an die mystische Geschichte von der Vernichtung der Städte Sodom und Gomorrah durch den abrahamitischen Gott. --- Heute würde man bei so einem Verhalten psychiatrische Gutachten erstellen lassen und Sicherungsverwahrung anordnen. --- Für unsere Gesellschaft sind Humanismus und naturwissenschaftliche Weltsicht wesentlich besser geeignet als religiöse Weltanschauungen. --- Ich bin gerne bereit Presseanfragen zum Themenbereich Humanismus und Naturwissenschaften kontra religiöser Weltsicht zu beantworten. --- Joachim Datko - Philosoph, Physiker --- Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft --- www.monopole.de

StSDijle | 01.02.2013 um 18:11 Uhr

Wenn Herr Hempelmann hier Respekt für Christen fordert, muss das Christentum erstmal erstmal selbst Respekt zeigen. Die ewige Wiederholung des Mantras: Atheisten sind geldgierige, egozentrische Massenmörder, hilft nicht gerade.

milan | 01.02.2013 um 13:41 Uhr

Mal ehrlich, was geht einen Christen der Atheismus an? Nichts. Auch nicht mehr als Religionen, Weltanschauungen usw. Hey, sind wir denn Christen geworden, so sind wir jeder eine neue Kreatur, alles Alte ist vergangen, alles ist neu geworden. Wie schön! Und wie schön wäre es, wenn wir das auch tatsächlich leben würden! Das wäre nämlich echt attraktiv für Nicht- und Andersgläubige. Aber da wir das nicht tun, oder gerade nur einmal ein kleiner Teil, ist und scheint es so zu bleiben, dieses durchschnittliche Christsein platt, uninteressant bis traurig, traurig, traurig. Dabei ist wirkliches Christsein echt klasse, interessant, peppig, freudig und mehr. Wenn aber die persönliche Beziehung zum himmlischen Pappi fehlt, Mensch, da fehlt alles. --- Wer Essen zubereitet, im Topf auf dem E-Herd, der kann alle Knöpfe bis zum Anschlag drehen. Es wird nicht warm, heiß oder gar, wenn der Stecker nicht in der Dose steckt, d.h. die persönliche Beziehung zwischen dem Energiespender und dem Energieumwandler hergestellt ist. Dann kann der Energieumwandler auch keine Frucht bringen, gekochtes Essen. --- Christliches Leben ist nur interessant, wenn es brodelt und sprudelt, dass versteht jeder Atheist. Schließlich sind alle Menschen auf der Suche nach etwas, dass sich lohnt. Gott hat es in jedes Herz gelegt IHN zu suchen. Sieht man jedoch auf griesgrämige, fahle, traurige Gesichter, wer will da schon Christ werden? Nein danke, ich hab schon genug Probleme, wäre da die richtige Antwort. Wo sind sie, wo sind sie denn bloß, die Ströme lebendigen Wassers? In den toten Gebeinen und den weiß getünchten Gräbern jedenfalls nicht. Also wo denn? In Christen, die eine persönliche Beziehung zu ihrem Erlöser haben. Der erlöst nämlich aus Traurigkeit, aus Schmerz, aus Leid, aus Drogen sämtlicher Art, aus Unzucht: Pornographie, Partnerwechsel, Homosexualität, Masturbation, aus Kleptomanie, aus Lügenzwang, aus Religion und und ... Da braucht man sich keinen Kopf um Andersgläubige und Atheisten zu machen. Entweder sie finden plötzlich das christliche "Leben" interessant und lassen sich gern bekehren, oder sie bleiben weg. Könnte ich etwas daran ändern? Wenn mein Leben kein wahres Zeugnis ist, mit Sicherheit nicht. Wenn aber die lebendigen Ströme von mir ausgehen, dann braucht es wahrlich nicht vieler Worte; dann kann der heilige Geist in Freiheit walten und schalten, überzeugen und überführen, ohne dass ich ein großer Redner, Rhetoriker oder Theologe bin. So, nun viel Spaß beim Vorleben.

martin.herrndorf | 01.02.2013 um 12:13 Uhr

Wie Herr Hempelmann anscheinend richtig festgestellt hat, gibt es durchaus intelligente ("sprachgewandt") und witzige Atheisten. Und das ist natürlich für die nicht immer so sprachgewandte und witzige Kirche ein Problem. Ansonsten: Glaube lässt sich natürlich nicht beweisen, weil er eine individuelle Emotion/Überzeugung ist. Nur ist, wer Übernatürliches oder "Nicht-Evidentes" behauptet, in der Beweis- oder Belegpflicht. Physiker "beweisen" die Existenz neuer Teilchen, Biologen "beweisen" ihre Theorien zu bestimmten neurobiologischen Abläufen etc. Der Nicht-Glaube (insbesondere agnostischer Provinienz) bewegt sich insofern auf sicherem Grund, als das er kenne, über die wissenschaftlichen gesicherten Kenntnisse hinausgehenden Dinge postuliert. Der Atheismus selbst geht noch einen Schritt weiter – und schließt aus der Abwesenheit von Evidenz oder Belegen die Nicht-Existenz. Dies mag logisch bedenklich sein, ist aber anhand der vielfältigen, konfligierenden Gottesbilder und der notwendigen Gedankensprünge zu ihrer Rechtfertigung für mich durchaus einleuchtend...

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