Donnerstag, 23.05.2013

18. Dezember 2012

Gesellschaft

Sollte der Bußtag wieder Feiertag werden?

Sollte der Bußtag wieder Feiertag werden?
Der badische Landesbischof Ulrich Fischer. Foto: PR

Karlsruhe (idea) – Der badische Landesbischof Ulrich Fischer (Karlsruhe) ist skeptisch gegenüber Bestrebungen, den Buß- und Bettag wieder als gesetzlichen Feiertag einzuführen. Der staatliche Schutz des evangelischen Festtags war 1995 in allen Bundesländern mit Ausnahme Sachsens zur Mitfinanzierung der Pflegeversicherung gestrichen worden. Vor Journalisten nannte Fischer die damalige Entscheidung einen „Kuhhandel“ zwischen dem Diakonischen Werk der EKD, das eine bessere Versorgung pflegebedürftiger Menschen forderte, und der Bundesregierung. Fischer zufolge brauchen Einzelne und die Gesellschaft Tage der Besinnung, um zu erkennen, „was in unserem Leben nicht richtig ist“. Angesichts einer weit verbreiteten antikirchlichen Stimmung sollte die Kirche jedoch jeden Anschein vermeiden, dass sie etwas zurückholen wolle, was nach einem Privileg aussehen könnte. Der Landesbischof erinnerte daran, dass die Forderung nach Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften dazu geführt habe, auch muslimische Feiertage staatlich zu schützen. Fischer sprach am 17. Dezember in Karlsruhe bei einem „Kaminabend“ mit Medienvertretern. Für die Wiedereinführung des Bußtags als gesetzlichem Feiertag engagiert sich unter anderem der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München).

Kritik am Beschneidungsurteil

Symptome für einen aggressiven Atheismus und zunehmende religiöse Gleichgültigkeit sieht Fischer darin, dass in vielen Städten Weihnachtsmärkte bereits vor dem Ewigkeitssonntag - dem letzten Sonntag vor dem 1. Advent - öffnen. Dies sei ein Bruch mit guten Traditionen. Kritik übte Fischer auch am Kölner Landgericht, das die Beschneidung minderjähriger Jungen für unzulässig erklärt hatte. Die Richter hätten zwar juristisch korrekt entschieden, jedoch den religiösen Aspekt ausgeklammert. Unter Verfassungsjuristen werde bereits diskutiert, ob man nicht auch die Taufe kleiner Kinder als Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht ahnden solle.

Für einen intensiveren Dialog mit Muslimen

Ferner plädierte Fischer für einen intensiveren Dialog mit Muslimen. Ziel müsse ein besseres Verstehen anderer religiöser Überzeugungen sein. So sollten Muslime erkennen, dass Christen nicht an drei Götter glauben, weil sie ihre Gebete an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist richten. Nach christlicher Überzeugung sei der Schöpfergott nicht unnahbar, sondern in Jesus Christus Mensch geworden, und habe sich für die Schuld der Menschen kreuzigen lassen. Christen sollten wiederum anerkennen, dass die Ethik von Muslimen auf ihre Ehrfurcht vor Gott zurückzuführen sei. Ein besseres Verständnis anderer Religionen trage zum gesellschaftlichen Frieden bei. Fischer bedauerte, dass es auf muslimischer Seite nur wenige Partner für einen theologischen Dialog gebe.

1 Leserkommentare
milan | 19.12.2012 um 13:41 Uhr

Sei heilig, denn ich bin heilig, spricht Adonai. Wir sollen einen geheiligten Lebenstil führen. Das gilt für 365(+1) Tage im Jahr. Wer sich daran hält braucht keinen Buß- und Bettag. Wer sich nicht daran hält, auch nicht. Wir haben bereits genug weltliche Feiertage. Die biblischen Feiertage werden ohnehin nicht alle genutzt, um sie dem Schöpfer zu widmen.

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich neu, um Artikel zu kommentieren.
idea.de in sozialen Netzwerken
Twitter

Facebook
Mein idea
Aktuelle Nachrichten und Reportagen!
  • Noch mehr Meldungen und Nachrichten aus Kirchen, Freikirchen …
  • Archiv aller Nachrichten seit 1998
  • Newsletter, uvm.
ideaHeute
  • 22. Mai: Heute u.a. Die Grünen - Krebsvorsorge - Freiheit - Wagner
  • 21. Mai: Heute u.a. Pfingsten - CVJM - Käßmann - Lieberknecht
  • 17. Mai: Heute u.a. Erzbischof Zollitsch zum Reformationsjubiläum
  • 16. Mai: Heute u.a. Nigeria - Gideonbund - Burnout
  • 15. Mai: Heute u.a. APS-Kongress - Familien-Statistik - Mission

Anzeige

Anzeige