Samstag, 25.05.2013

23. November 2012

Bibelverständnis

Altbischof Wilckens: In der Bibel spricht Gott

Altbischof Wilckens: In der Bibel spricht Gott
Der nordelbische Altbischof Ulrich Wilckens. Foto: idea/Starke

Hamburg (idea) – Kritik an dem in der evangelischen Kirche vorherrschenden Bibelverständnis hat der nordelbische Altbischof Ulrich Wilckens (Lübeck) geübt. Er mahnte dazu, die Bibel wieder als Wort Gottes ernstzunehmen. Der Theologieprofessor und Bibelübersetzer sprach bei der Herbsttagung der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) Mitte November in Hamburg. Wie er vor über 100 Teilnehmern sagte, habe die moderne historische Auslegung zum Prinzip, alle Aussagen des Alten und Neuen Testaments als Zeugnisse menschlicher Erfahrung und Nachdenkens zu sehen sowie die Auslegung als Werk menschlicher Vernunft zu betrachten. Doch in der Bibel sei „das Wort des heiligen Gottes“ zu hören. Deshalb heiße sie „Heilige Schrift“. Die historisch-kritische Auslegung sei ein Produkt der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Wilckens: „Von Anfang an war es eine tiefgreifende Verfehlung, die Vernunft zur Richterin über Gott zu machen, so dass Glaubensgehorsam gegenüber Gott als des autonomen Menschen unwürdige Heteronomie (Fremdbestimmtheit) erschien.“ Der Altbischof weiter: „Es gibt sicherlich viel zu tun, um zum neuen Ernstnehmen Gottes in seiner Geschichte in einem Ernstnehmen der Wahrheit ihrer Bezeugung in der Heiligen Schrift zu finden.“

Göring-Eckardt ist nicht „bürgerlich“

Der Vorsitzende der theologisch konservativen Sammlung, der Hamburger Pastor Ulrich Rüß, bemängelte in seinem Bericht eine zunehmende Verflechtung von evangelischer Kirche und Politik. Es „grüne“ in der Kirche, und das schlage sich auch in Entscheidungen nieder, etwa in Fragen von Familie und Lebensformen. So eröffne das EKD-Pfarrdienstgesetz die Möglichkeit des Zusammenlebens gleichgeschlechtlicher Partner im Pfarrhaus. Zu den Grünen-Politikern in Leitungsämtern zählt der neu gewählte Präses der Nordkirchensynode, der schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Andreas Tietze. Mit Bundestagszivepräsidentin Katrin Göring-Eckardt steht eine Grünen-Spitzenpolitikerin dem „Kirchenparlament“ der EKD vor. Im Bundestagswahlkampf lässt die Spitzenkandidatin ihrer Partei dieses Kirchenamt ruhen. Rüß kritisiert Göring-Eckardts familienethische Positionen. So engagiere sie sich für ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partner, ein Transsexuellenrecht sowie für eine Abkehr von der Zweigeschlechtlichkeit. Rüß: „Die Bezeichnung ‚bürgerlich’ für Frau Göring-Eckardt ist absolut irreführend. Diese Positionen sind auch nicht ‚christlich’.“

Mit Geldsegen Gemeinden stärken

Rüß äußerte sich auch zu den unerwartet sprudelnden Kirchensteuereinnahmen. Diesen Geldsegen sollte die Kirche für das geistliche Leben in den Gemeinden einsetzen. Mit dem Streichen von Gemeindepfarrstellen müsse Schluss sein; es gebe zu viele Projektpfarrämter. Rüß: „Wir brauchen die Pastoren in den Gemeinden, damit geistliches Leben wachsen kann.“ Ferner sollte die Evangelisation verstärkt unterstützt werden. Ziel müsse sein, „den christlichen Glauben überzeugend unter die Leute zu bringen, gerade dort, wo die Entkirchlichung am stärksten ist. Wir denken da nicht nur an Mecklenburg und Vorpommern.“

3 Leserkommentare
Johannes3.16 | 22.12.2012 um 15:03 Uhr

Hinsichtlich der von Rüß angesprochenen zu vielen "Projektpfarrämter" ist zu fragen, wie viele "Islambeauftragte" die Nordkirche hat und welche Aufgaben diese haben.   Es wäre sicher auch von Interesse, wenn einmal die Zahl aller "Islambeauftragten" in den einzelnen Landeskirchen bekannt gemacht würde. Allein in der Westfälischen Kirche sollen es insgesamt 48 Personen sein, die sich dieser Aufgabe (?) widmen. Wenn sich allerdings einzelne Islambeauftragte äußern, hat man nicht den Eindruck, dass diese "Pfarrer" noch für einen Gemeindedienst geeignet sind. Die Moscheegemeinden haben bezeichnenderweise keine Kirchenbeauftragten.

Pascal | 26.11.2012 um 17:46 Uhr

Der himmlische Vater gebe allen Theologen ein sehr langes Leben und klaren Verstand, so dass sie möglichst viel von der Saat ihrer Lehrtätigkeit aufgehen sehen und gegebenenfalls korrigieren können, wie das Altbischof Wilckens seit einigen Jahren tut. Das Ende der Lehrer soll man ansehen und dann erst ihrem Glauben folgen (Hebr. 13,7).

| 25.11.2012 um 09:33 Uhr

Evangelisch-Konservative aller Konfessionen gehen über das richtig Gesagte hinaus: A) Gott ist nur in der Bibel zu hören. Das Neue Testament (NT) ist zugleich die letzte Offenbarung, die Gott in keiner Weise ergänzt. B) Nur die 66 Bücher sind die Bibel, nicht die sog. Apokryphen oder sog. Tradition. C) Die Bibel ist unfehlbar war, auch in ihren Aussagen zu Geschichte und Naturwissenschaft. Ihre Ethik in ihrer NT-Fassung ist auch heute gültig.

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