„Der Spiegel“: Wenn man es so verdreht…
Oh Gott, der Spiegel! In Glaubensdingen ist das sonst so faktenreiche Nachrichtenmagazin aus Hamburg immer für ein paar steile Thesen gut. Diesmal geht es in seiner Oster-Titelgeschichte der überraschenden Frage nach: „War Jesus Christus gewaltbereit?“ Unter den Händen des „Spiegels“ gerät der Gottessohn zum „Rebell Gottes“. Dieser habe einen „Agitationsfeldzug“ geführt, seine Verkündigung wird zur „rohen Botschaft“. Der „Spiegel“ beruft sich dabei unter anderem auf den Neutestamentler Gerd Theißen, der die Jünger Jesu zu „Partisanen Gottes“ erklärt, die mit „deutlicher moralischer Aggression gegen die Mächtigen“ angetreten seien. Mit dem für den „Spiegel“ typischen Zitatkonfetti entsteht so das Leben Jesu neu: Dieser sei ein „Volksverhetzer“, „Rebell“ und „Steuerpirat“ gewesen, der keine Abgaben zahlen wollte. Sein Ziel? „Im Hier und Jetzt die geschundene Nation befreien“. Sein Vorbild? Der alttestamentliche Prophet Elija, „ein antiker Che Guevara und Urvater der Staatskritik“. Das Gerichtsverfahren, das zu Jesu Kreuzigung führte? Wird – dem „Spiegel“ – zufolge „in der Bibel allerdings verzerrt dargestellt“. Die Evangelisten hätten aus taktischen Motiven „Süßholzraspelei“ betrieben, der Kreuzestod sei von ihnen zum Triumph der Auferstehung umgedeutet worden: „Zu diesem Zweck zeichneten sie Jesus besonders sanftmütig und legten ihm gnadenreiche Worte in den Mund. Der wahre Kämpfer für ein besseres Diesseits wurde vertuscht und in den Hintergrund gedrängt.“ Fazit: Wenn man es so verdreht, hat der „Spiegel“ Recht.
„Die Zeit“: Wir haben die Sünde, aber keinen Gott mehr
Die Wochenzeitung „Die Zeit“ beschäftigt sich unter der schönen Überschrift „Gott ist gnädiger als der Mensch“ mit der Sünde. Die moderne Gesellschaft hat Gott weitgehend verdrängt, geblieben sei jedoch das Sündenproblem: „Kein Wunder, dass das Bedürfnis entstand, dem ewigen Schuldzusammenhang zu entkommen und die Sünde pragmatisch zu entsorgen. Gelungen ist es nicht. Die wachsende Zahl der Verbote, Maßregelungen und repressiven Ratschläge, mit denen wir uns gegenseitig zu einer gesundheitsbewussten, sozial verantwortlichen und ökonomisch effektiven Lebensweise zwingen, ist Ausdruck der Tatsache, dass dem christlichen Abendland das Christentum abhanden gekommen ist, nicht aber die Sünde… Wir sündigen noch, können aber Verzeihung nur noch von uns selber erbitten. Wir haben die Sünde noch, aber keinen Gott mehr. Ob das ein Gewinn ist?“
„stern“: Wer war für Jesu Tod verantwortlich?
Die Wochenillustrierte „stern“ geht der Frage nach, wer für den Tod von Jesus verantwortlich war: „Wenn oft behauptet wird, die Juden allein hätten Jesus nicht zum Tode verurteilen können, ist das nicht ganz richtig. Denn hätte der Hohe Rat ihn für einen Gotteslästerer gehalten, wäre zum Beispiel die Steinigung oder auch Enthauptung durchaus im Rahmen der von den Römern eingeräumten Möglichkeiten gewesen. Dass dies offenbar nicht geschah, könnte einen einfachen Grund gehabt haben: Die Priester hatten kein Interesse daran, das Volk mehr als nötig gegen sich aufzubringen. Denn wie konnte es gotteslästerlich sein, die Reinheit des Tempels zu fordern? Der Ausweg aus diesem Dilemma war schnell gefunden: Jesus musste als Aufrührer von den Römern hingerichtet werden… Doch es ist ganz sicher Pilatus, der Jesus, beim oder im Prätorium, seinem Jerusalemer Amtssitz, den kurzen Prozess macht und das übliche formelle Urteil spricht: ‚Ibis in crucem!’ – ‚Du wirst zum Kreuz gehen.’ So jedenfalls vermuten Wissenschaftler heute. Warum denn auch hätte der Präfekt zögern sollen? Lieben musste ihn keiner. Es reichte, wenn sie ihn fürchteten.“
„Berliner Zeitung“: Deutliche Erlösungsbotschaft
„Die Kirchen sind theologisch verarmt, sie wissen immer weniger zu vermitteln, was christlicher Glaube, Gott, Gebet, Gemeinde im 21. Jahrhundert überhaupt bedeutet. Sucht man nach großen, systematischen Entwürfen in der Theologie, die sich diesen Fragen stellen – man findet nichts. Hört man sich an, was auf den Kanzeln gepredigt wird – man hört kaum etwas dazu. Dass christlicher Glaube kein Glaube an einen kuscheligen Wertekanon ist, sondern an eine deutliche Erlösungsbotschaft, dass er immer Wagnis und Offenbarung ist, sich weder berechnen noch vernutzen lässt, davon müsste die Rede sein. „Wir leben“, hat der Theologe Eberhard Jüngel vor über 30 Jahren geschrieben, „im Zeitalter der sprachlichen Ortlosigkeit und der Sprachlosigkeit der Theologie.“ Das gilt noch immer, man kann es, unter anderem, an den Austrittszahlen ablesen. Die Kirchen stehen also vor der theologischen Aufgabe einer geistlichen Reformation. Das ist nicht neu in der Kirchengeschichte, selten aber war sie so dringlich wie jetzt.“
„Tagesspiegel“: Glaube hat keinen Zweck
Im Berliner „Tagesspiegel“ meldet sich der Vizepräsident des EKD-Kirchenamts, Thies Gundlach (Hannover), zu Wort. Unter der überraschenden Überschrift „Der Glaube hat keinen Zweck“ schreibt er: „Im Glauben geht es erst einmal um Gott und um nichts anderes. Der Glaube hat keinen Zweck, er verfolgt kein Ziel, hat keine Absicht und übt keine Funktion aus außer der Verehrung Gottes. Der Glaube kümmert sich um Gott und um Gottes Wahrheit, er ist aber nicht berechnend, er schaut nicht auf nützliche Folgen und preist sich nicht an mit seiner Brauchbarkeit. Der Glaube verkündigt die Herrlichkeit Gottes, dass es ihn gibt und dass er für mich und dich da ist, auch heute, hier und jetzt. Und er vollzieht diesen Lobgesang Gottes, gleichgültig, ob das nützlich, brauchbar oder effektiv ist oder nicht… Der Glaube an Gott bringt nichts, obwohl ich etwas von ihm habe; er nützt nichts, obwohl er sinnvoll ist.“
„Süddeutsche“: Man tut sich schwer mit der Auferstehung
Die „Süddeutsche Zeitung“ vergleicht die Beliebtheit des Oster- und des Weihnachtsfestes: „Ostern ist das älteste Fest der christlichen Geschichte, und es ist das höchste in der liturgischen Rangordnung. Ostern ist aber bei weitem nicht so populär wie Weihnachten; das hat damit zu tun, dass zwar jeder weiß, was eine Geburt ist, dass sich aber kaum einer eine Auferstehung vorstellen kann. Das Neue Testament ist da keine Hilfe. Während dort die Geburt im Stall zu Bethlehem anschaulich und anrührend ausgemalt wird, schweigen sich alle Evangelisten über die Auferstehung des toten Gekreuzigten aus. Diese Auferstehung wird von ihnen nicht beschrieben, sondern nur angekündigt oder als vollzogen vermeldet; faktisch bleibt sie unsichtbar… Man tut sich schwer mit der Auferstehung. Und daher beherrschen die Lämmer, Hasen und gefärbten Eier die österliche Szenerie… Sind das die falschen Osterbilder? Zurück zur klassisch-biblischen Ostergeschichte: Da gesellt sich der auferstandene Jesus zu seinen Jüngern, die ihn nicht erkennen und sich mit ihm über seine Kreuzigung unterhalten. Erst beim gemeinsamen Abendessen im Ort Emmaus gehen ihnen, wie es im Evangelium heißt, „die Augen auf“. Auch das ist Ostern: Wenn einem die Augen aufgehen.
„Berliner Zeitung“: Braucht Deutschland einen muslimischen Feiertag?
Die „Berliner Zeitung“ geht der Frage nach, ob Deutschland einen muslimischen Feiertag einführen sollte: „Muslime gibt es derzeit 3,9 Prozent. Das sind – so viel nebenbei zum Thema islamische Gefahr – sehr wenige. In Wahrheit sind es freilich noch weniger. Die 3,9 Prozent sind nämlich nicht etwa Muslime, die werden nämlich standesamtlich gar nicht erfasst, es sind alle Menschen, die aus dem islamischen Kulturraum eingewandert sind. In dieser Statistik gilt noch cuius regio, eius religio – wessen das Land, dessen der Glaube – und nicht das persönliche Glaubensbekenntnis. Wie viel dieser 3,9 Prozent wirklich praktizierende Muslime sind, weiß niemand. Jede Religionsgemeinschaft hat ihre Feiertage. Der Staat hat kein Recht, sie ihnen zu nehmen. Aber es gibt auch kein Anrecht auf einen staatlichen Feiertag. Für vielleicht zwei Prozent der Bevölkerung einen eigenen staatlichen Feiertag einzuführen, das scheint mir doch eine Übertreibung zu sein. Wenn ein gläubiger Moslem einen Feiertag begehen möchte, kann er das tun, wie jener Herr, der am 8. August immer seinen ersten Kuss feiert und einen Tag freinimmt.“
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“: Ist es spießig, am Karfreitag festzuhalten?
Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ beschäftigt sich mit der Bedeutung von Feiertagen. Das hessische Feiertagsgesetz sieht für den Karfreitag ein Tanzverbot vor – doch ist dieses noch zeitgemäß? Dazu die „FAZ“: „Wozu sich länger christlichen Anschauungen beugen, die in einer Stadt wie Frankfurt eine Minderheitenmeinung sind? Wieso sichert ein säkularer Staat per Gesetz christliche Vorstellungen? „Säkularität heißt nicht, dass dem Staat Religionen und deren Einsichten einerlei sind. Deswegen ist etwa der Religionsunterricht grundgesetzlich gesichert. Deswegen schützt der Staat Feiertage, von denen die meisten nun einmal aus dem christlichen Festkalender stammen. Dass der Karfreitag – einschließlich von großen Teilen des Gründonnerstags und des ganzen Karsamstags – dabei einen besonderen Schutz genießt, ist richtig. Keine anderen Tage stehen für den radikalsten Einschnitt, den das Leben kennt: den Tod. Er fordert Menschen jedweder Weltanschauung heraus, sei es der eigene Tod, der von Verwandten oder Freunden… Ist es spießig, am Feiertagsgesetz festzuhalten? Nein. Kleingeistig wäre eher eine Liberalisierung des Gesetzes, die zu mehr Eintönigkeit im Jahresablauf beitrüge. Alles würde gleich gültig und am Ende gleichgültig.“
„Kronen-Zeitung“: Jesus reißt eine Bresche in die Todesmauer
In der in Wien erscheinenden „Kronen-Zeitung“ schreibt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn über die Bedeutung von Ostern verändert hat: „Der Tod ist wie eine Wand. Alle zerschellen wir daran. Keiner entkommt dem Tod. Doch seit Ostern hat die Mauer ein Loch, und niemand kann es wieder schließen: Der Tod ist nicht das endgültige ‚Aus’ und auch nicht der Anfang einer endlosen Kette von Wiedergeburten. Sterben heißt seit Ostern: ins Leben gehen, durch die Mauerbresche, die Jesus für immer geöffnet hat.“
„Weltwoche“: Ein Kuss, der die Welt veränderte
Die in Zürich erscheinende „Weltwoche“ mit dem „größten Verrat der Geschichte“: „Ein Kuss verändert die Weltgeschichte. Judas liefert Jesus an die Römer aus. Ein beispielloser Verrat – aber nötig. Nur so kann der Sohn Gottes seinen Opfertod sterben und das Christentum begründen… Ohne Judas kein Christus, keine Auferstehung, kein Christentum. An diese Gleichung haben sich seine Nachfolger nie wirklich gewöhnen wollen. Selbst die Evangelisten tun sich schwer damit. Außer einem: Johannes. Er hat die Ambivalenz erkannt. Dass dieser Verrat notwendig ist. Gleichwohl wird dem Verräter keine Sympathie entgegen gebracht. Der Satan habe von ihm Besitz ergriffen, heißt es, noch während des Abendmahls. Judas kaut am Brot, als ihn Jesus anschnauzt: „Beeile dich und tu, was du zu tun hast!“
„Die Welt“: Wir wissen, wer uns nach dem Tod erwartet
Die Tageszeitung „Die Welt“ versucht, sich eine Welt ohne Ostern vorzustellen: „Was wir ohne Ostern wären? Ach je. Arm dran. Dann gäbe es Venedig nicht. Es wäre grausam: eine Welt ohne Kathedralen, Kirchen und Klöster. Aber auch ohne unsere Sozialsysteme, das Hospitalwesen und unser Menschenbild. Ohne Ostern, also ohne die Auferstehung Jesu von den Toten, wäre alles ein Dreck, sagte schon Paulus. Dann könnten wir uns den ganzen anderen Glauben sparen und das Evangelium schenken, sogar den Kreuzestod Christi. Ostern ist das Alleinstellungsmerkmal unserer Welt, die wir uns auch wie eine russische Matroschka-Puppe vorstellen dürfen. Ganz innen drin steckt Ostern. Also die frühe Morgendämmerung, in der Petrus und Johannes zwei Tage nach der Kreuzigung Jesu quer durch Jerusalem zum Felsengrab Christi hasten und es leer vorfinden, leer bis auf die Tücher, in die der Ermordete gewickelt war, und ihn plötzlich als Lebendigen erfahren, der den ersten Namen Gottes hier noch einmal ganz neu ausspricht: ‚Ich bin, der ich bin.’ Das ist der Kern von Ostern. Seitdem wissen Christen zwar nicht, was sie nach dem Tod erwartet. Aber seitdem wissen sie jedenfalls, wer sie erwartet.“
„Focus“: Ostern verschweigen, weil es peinlich ist?
Im Nachrichtenmagazin „Focus“ (München) bekennt sich der Schriftsteller Arnold Stadler zum christlichen Glauben: „Gerade musste der angeblich für fünf Millionen Euro aus Steuermitteln finanzierte Kalender der EU zurückgezogen werden. Vom Zuckerfest bis zum höchsten hinduistischen Feiertag war alles vermerkt, warum nicht! Es imponierte mich immer schon, wie andere ihren Glauben lebten und ihren Gebetsteppich ausbreiteten. Muss ich nun Angst haben, als Verrückter zu gelten, wenn ich beim Kreuzzeichen erwischt werde? Auf dem EU-Kalender fehlten nämlich sämtliche christlichen Feiertage, angefangen mit Weihnachten. Auch Ostern, höchstes Fest der Christen.“ Soll man Ostern verschweigen, weil es peinlich ist? Nein, für Stadler ist Ostern „ein Ja zum Leben, eine Absage an den Tod, ja, in dem Bericht der Evangelien von der Auferstehung haben wir auch eine Partitur der Hoffnung des Menschen, dass es nicht aus ist mit ihm… Der Unglaube ist auch nur ein Glaube. Der Glaube an etwas ist jedoch viel schöner als der Glaube an nichts.“
„Stuttgarter Zeitung“: Die Energie des Osterglaubens
Auch die „Stuttgarter Zeitung“ wirbt für die Osterbotschaft: „Sie hat nach der Katastrophe von Golgatha die mutlosen Jünger aufgerichtet und von der Sendung ihres hingerichteten Lehrers überzeugt. Sie hat die ersten Christen getrieben, Widerstände zu überwinden und eine Alternative zu leben. In der Aussicht auf eine bessere Welt bildeten die Urgemeinden vielfach eine neue Gemeinschaft. Sie ebneten Unterschiede zwischen Klassen, Völkern und Kulturen ein. ‚Hier ist nicht Jude noch Grieche, nicht Sklave noch Freier, nicht Mann noch Frau“, so beschreibt es Paulus und umreißt damit eine Utopie, die noch heute politische Brisanz hat. Die Anhänger dieser neuen Religion teilten, was sie hatten und halfen den Schwachen. Ihre Nachfolger setzen sich – allen kirchlichen Krisen und Verirrungen zum Trotz – weltweit für Frieden, Solidarität und den Mitmenschen ein. Die Energie des Osterglaubens reicht so schon für 2000 Jahre. Eine stärkere Hoffnung auf eine Wende zum Guten haben wir nicht.“